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Edelstetten

11.05.2018

„Wir lassen unseren GB nicht gehen“

Sie wollen ihn auf jeden Fall behalten: Bäckermeister Robert Miller (links) und seine Frau Christina haben nur lobende Worte für ihren Mitarbeiter Olugbenga („GB“) Oloyede, der aus Nigeria stammt und als Asylbewerber mit seiner Familie in Edelstetten wohnt. 

Der Nigerianer „GB“ Oloyede absolviert eine Ausbildung zum Bäcker. Ob er und seine Familie bleiben können, ist ungewiss. Signale der Entspannung aus dem Landratsamt.

Christina Miller versteht die Welt nicht mehr. Nach vielen Gesprächen mit der Agentur für Arbeit hatte sie endlich mit dem 42-jährigen Nigerianer einen Mitarbeiter für ihre Bäckerei in Edelstetten gefunden. „Es war ein Kampf“, erzählt sie. Niemand wollte die Stelle haben. Und mit Olugbenga Oloyede, in Edelstetten liebevoll „GB“ genannt, haben sie und ihr Mann Robert Miller einen fleißigen, pünktlichen und freundlichen Mitarbeiter gewonnen. Groß war dann die Freude, als auch noch die Genehmigung kam, dass Olugbenga Oloyede eine Ausbildung zum Bäcker in ihrem Betrieb beginnen kann. Und nun soll das alles schlagartig zu Ende sein? Christina Miller ist stocksauer. Warum schickt man eine Familie, die sich so gut integriert hat, wo die Eltern alles tun, um selbst für die Familie zu sorgen, wieder weg?, fragt sie. „Andere dagegen haben jahrelang keine Arbeit und können hier bleiben“, entrüstet sich die Bäckerei-Chefin. Dem Büro von Landrat Hubert Hafner habe sie bereits ihren Fall geschildert. „Wir lassen GB nicht gehen“, betont Christina Miller.

Die Anträge auf Asylanerkennung werden abgelehnt

Olugbenga Oloyede arbeitet seit August 2016 in der Bäckerei Miller, damit ist auch der Lebensunterhalt für seine Familie, seine Frau Adeshola, 40, und die beiden Kinder, den 14-jährigen Emmanuel und den neunjährigen Joseph, gesichert. Doch dann kam der Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. „Die Flüchtlingseigenschaft wird nicht zuerkannt. Die Anträge auf Asylanerkennung werden abgelehnt. Der subsidiäre Schutzstatus wird nicht zuerkannt.“ Die Familie entschied sich in Absprache mit ihrer Anwältin für den Weg der Klage.

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Vor Kurzem fand vor dem Verwaltungsgericht in Augsburg die zweite Verhandlung statt – mit negativem Ausgang. Nun besteht die Möglichkeit, bis zum 28. Mai gegen das Urteil Beschwerde einzulegen. Dies möchte die Familie Oloyede tun. Zum Thema sprachen wir mit Christoph Langer, Leiter des Geschäftsbereichs öffentliche Sicherheit und Ordnung am Günzburger Landratsamt. Da das Verfahren offensichtlich noch nicht abgeschlossen sei, gebe es auch keine Abschiebung, hob Langer hervor.

Verunsichert ist die Familie auch durch einen kürzlich erfolgten Besuch der Polizei in der Edelstetter Unterkunft. Nachbarn im Haus haben der Familie Oloyede berichtet, dass die Polizei ihnen Fotos der Familie Oloyede gezeigt und gefragt habe, ob die Familie hier wohne. Olugbenga Oloyede: „Wir waren zu Hause, bei uns hat aber niemand geklingelt oder geklopft.“ Die Aktion der Polizei stehe nicht in Zusammenhang mit einer möglichen Abschiebung, betonte Langer. Vielmehr handele sich um eine routinemäßige Kontrolle. Die Familie hat inzwischen jede Menge Unterstützer.

Monatelang einen Mitarbeiter in der Bäckerei gesucht

Dazu gehört auch Bäckerei-Chefin Christina Miller. Monatelang habe sie einen Mitarbeiter für die Bäckerei gesucht und niemanden gefunden, erklärt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Seit August 2016 ist „GB“ Oloyede bei ihr in der Bäckerei beschäftigt. Christina Miller ist voll des Lobes für ihren Mitarbeiter. „GB“ nehme doch niemandem die Arbeit weg.

Sohn Emmanuel ist inzwischen auch im heimischen Vereinsleben angekommen. Er spielt in der JFG Krumbach, ein Zusammenschluss des TSV Krumbach und des SV Neuburg. „Emmanuel ist ein guter Fußballer und er ist gut integriert. Es wäre sehr schade, wenn wir ihn verlieren würden“, sagt der ehemalige Vorsitzende des Neuburger Sportvereins, Heinrich Hörmann über Emmanuel. Sein kleiner Bruder Joseph ist ebenfalls ein begeisterter Fußballer und spielt beim TSV Langenhaslach. Emmanuel besucht die siebte Klasse des Krumbacher Simpert-Kraemer-Gymnasiums. Direktor Norbert Rehfuß sagt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass Emanuel gut integriert sei und perfekt Deutsch spreche. Die Unsicherheit der Situation habe sich zuletzt jedoch auf seine Leistungen ausgewirkt, was nicht verwunderlich sei. Emmanuels Bruder Joseph besucht die Förderschule in Ursberg.

Seit März 2014 lebt die Familie Oloyede in Deutschland. Mutter Adeshola absolviert eine Therapie in einer Ulmer Spezialeinrichtung für Folteropfer. Immer wieder kehren im Gespräch mit „GB“ und Adeshola Oloyede die schrecklichen Geschehnisse vor der Flucht nach Deutschland zurück. „GB“ war, wie er rückblickend berichtet, für rund sechs Jahre in Lagos, der bedeutendsten Stadt des Landes, Inhaber einer Textilreinigung. Er hat Rechnungswesen studiert. Seine Frau arbeitete in einem Imbissstand. Doch sein Vater sei in betrügerische Geschäfte verwickelt gewesen, erklärt „GB“. Sein Vater habe verlangt, dass er mit ihm zusammenarbeite, dies habe er aber abgelehnt, er habe sich nicht in dubiose Machenschaften verwickeln lassen wollen. Im Dezember 2013 seien dann Mitglieder einer „Gang“ zu Hause bei ihm aufgetaucht.

Dreijährige Tochter und die 71-jährige Mutter wurden schwer misshandelt

Sie hätten seine damals dreijährige Tochter und seine 71-jährige Mutter schwer misshandelt, das Kind sei sofort gestorben, seine Mutter nach sechs Tagen im Krankenhaus. Die Familie entschloss sich zur Flucht. Über Flüge nach Casablanca/Marokko und nach Mailand/Italien erreichte sie schließlich mit dem Zug München, sie stellte Asylanträge, bald darauf kam die Familie in die Unterkunft nach Edelstetten. Die Familie gehört der christlichen Volksgruppe der Yoruba an. Die Oloyedes besuchen regelmäßig die Gottesdienste der Christusgemeinde Krumbach. Doch nun ist es nicht mehr ausgeschlossen, dass die Familie das Land wieder verlassen muss. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge weist darauf hin, dass in diesem Fall keine begründete Furcht vor Verfolgung wegen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe, sozialen Gruppe, Religion oder Nationalität vorliege.

Die Familie befinde sich auch nicht wegen ihrer politischen Überzeugung außer Landes. Doch die Helfer der Familie möchten nicht aufgeben. Zu den Unterstützern gehört auch Silvera Schmider aus Langenhaslach (Seelsorgepraxis Schmider). Auch jetzt hätten wieder viele Freunde zugesagt, Geld für eine weitere Verhandlung zu geben, erklärt sie.

Die Unterstützer bleiben zuversichtlich, dass für die Familie Oloyede alles noch gut ausgeht. Aber die aktuelle Entwicklung hat sie verunsichert. Die jüngsten Signale aus dem Landratsamt werten die Unterstützer jedoch als erfreulich.

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