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Austausch

22.01.2015

„Wir sind Charlie“

Nach den Terroranschlägen in Paris ist die Anteilnahme auch bei Partnerschaftskomitees im Landkreis Günzburg groß. „Nous sommes Charlie – Wir sind Charlie“ ließen die Freihalder ihre Freunde in Ars wissen. Das Foto entstand vor Kurzem bei einer Demo für ein weltoffenes Dresden.
Bild: Arno Burgi, dpa

Nach dem Terror in Paris hat der Deutsch-Französische Tag eine besondere Bedeutung. Die Anteilnahme bei den Partnerschaftskomitees im Landkreis Günzburg ist groß.

Vor zwei Wochen haben die Terroranschläge auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt in Paris die Menschen erschüttert. Betroffen zeigen sich die Vertreter der Partnerschaftskomitees, die im Landkreis seit Jahrzehnten ein Zeichen der Freundschaft zu französischen Städten und Dörfern setzen. Sie sind es, die den Deutsch-Französischen Tag am 22. Januar, der auf die Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags zwischen beiden Ländern im Jahr 1963 zurückgeht, mit Leben erfüllen. Mit Kontakten, Besuchen und gerade in diesem Jahr mit großer Anteilnahme. So schickte das Ars-Komitee Freihalden nach den Anschlägen eine Solidaritätsbekundung nach Ars-sur-Formans in der Region Rhône-Alpes. Darin heißt es: „Wir, Arser und Freihalder, werden unseren gemeinsamen Weg unbeirrt weitergehen und unsere Freundschaft im Zeichen von Demokratie, Aufklärung und Menschenrechten nochmals vertiefen.“

An Christi Himmelfahrt wird eine Reisegruppe von Freihalden nach Ars im Großraum Lyon aufbrechen. Sicherheitsbedenken hat Jürgen Bigelmayr vom Komitee keine, man stehe unerschrocken an der Seite der französischen Freunde. Das sehen auch die anderen Komitees im Landkreis so, alle geplanten Fahrten werden stattfinden. Am langen Wochenende um Christi Himmelfahrt startet auch Deisenhausen zu einem Besuch in Châtillon-la-Palud und Villette-sur-Ain in der Nähe von Lyon im Südosten Frankreichs. Von dort erreichte das Ehepaar Sigrid und Dieter Stephan diese Woche eine Mail von Jean-Paul Miquet. Der pensionierte Schulleiter schreibt, dass der Terror die Menschen wachgerüttelt hätten und sie auf die Straße gehen würden, um für die Einhaltung der Gesetze und für die Trennung von Staat und Religion zu demonstrieren. Man habe Angst vor ungebremster Einwanderung und einer schnell wachsenden moslemischen Bevölkerung, die eines Tages Mehrheiten in Rathäusern und Regierung stellen könnte.

Berührt von den Nachrichten aus dem Nachbarland

Von den Nachrichten aus dem Nachbarland sehr berührt wurde Lydia Wagner, Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Günzburg-Lannion, einer Stadt in der Bretagne ganz im Nordwesten. „Ich wünsche mir, dass unsere Freundschaft ein Beispiel für alle wird“, sagt Wagner, die während der Fernsehberichterstattung über den Trauerzug in Paris mit Sonya Nicolas, Vorsitzendes des Komitees in Lannion, telefonierte. „Gerade dass unsere Kanzlerin Merkel in der ersten Reihe des Trauerzugs teilnahm, unterstreicht die Freundschaft und Solidarität zwischen den Ländern“, findet Wagner, die zurzeit den Besuch einer französischen Delegation im April vorbereitet. Dann soll das neue Holzschiff in Günzburg wieder ankern und eingeweiht werden.

Viele E-Mails werden gerade zwischen Thannhausen und Mortain in der Normandie ausgetauscht. Denn dort wird der Komitee-Vorsitzende nach 35 Jahren sein Amt niederlegen und Gertrud Zimmermann-Wejda, die auf Thannhauser Seite ebenso lange im Amt ist, ist froh, dass ein Nachfolger gefunden wurde. Ihr liegt die Städtepartnerschaft sehr am Herzen. Auch sie freut sich, dass Deutschland mit seiner Kanzlerin an der Seite von Frankreich steht. In den Sommerferien wird eine Jugendbegegnung in Mortain stattfinden. „Wir haben keine stumme Freundschaft, sondern zwischen Thannhausen und Mortain ist immer etwas los“, unterstreicht sie.

Realschüler aus Ichenhausen fahren nach Changé

Mitten in Reiseplänen steckt Werner Sauter vom Komitee Bubesheim-Saint Fulgent, einer Gemeinde nahe der Atlantikküste in der Region Pays-de-la-Loire. Über Himmelfahrt wird ein Reisebus mit der Musikkapelle an Bord von Bubesheim aus starten und die Freundschaft vertiefen, die wie viele andere Städtefreundschaften in den 1970-ern entstand und seither mit viel Engagement gepflegt wird. Hinter der deutsch-französischen Freundschaft steht auch Rainer Schlögl, Bürgermeister des Marktes Neuburg und damit zuständig für die Partnerschaft mit Vigneulles-lès-Hattonchâtel nahe Metz in der Region Lothringen. „Leider wird es zunehmend schwieriger wegen der Sprachbarriere, hier sprechen immer weniger Französisch und dort immer weniger Deutsch“, sagt er. Zudem lasse der zweijährige Turnus, der heuer kein Treffen vorsieht, keine so enge Bindung zwischen den Kommunen zu, einige Familien seien sehr befreundet.

Ständige Kontakte zeichnen die Partnerschaft zwischen Ichenhausen und Changé in der Region Pays-de-la-Loire im Nordosten Frankreichs aus. Sie gehört mit ihrem 20-jährigen Bestehen zu den Jüngsten im Landkreis. Heuer fahren Schüler aus der Realschule und dem Thomas-Gymnasium im März nach Changé. „Eine zweite Fahrt findet über das Christi-Himmelfahrt-Wochenende statt“, erzählt Partnerschaftsvereins-Vorsitzende Beate Böhme. „Nous sommes Charlie! –Wir sind Charlie!“ ließen die Freihalder ihre Freunde in Ars wissen, und: „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!“

Deutsch-französische Partnerschaften im Landkreis:

Der Deutsch-Französische-Tag am 22. Januar überwindet Distanzen – in Erinnerung an den Elysée-Vertrag, den 1963 Adenauer und de Gaulle unterzeichneten. Er feiert die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich, weist auf die vielen und intensiven Beziehungen hin:

  • Freihalden–Ars-sur-Formans (seit 1976), 725 Kilometer oder 6,5 Autostunden entfernt
  • Bubesheim–Saint-Fulgent (seit 1977 formlose Partnerschaft), 1104 km oder 9,5 Autostunden entfernt
  • Neuburg–Vigneulles-lès-Hattonchâttel (seit 1977), 458 km oder 4,5 Autostunden
  • GünzburgLannion (seit 1981), 1225 km oder 10,5 Autostunden entfernt
  • ThannhausenMortain (seit 1981), 1086 km oder 9,75 Autostunden entfernt
  • DeisenhausenChâtillon-la-Palud und Villette-sur-Ain (seit 1988), 620 km oder sechs Autostunden entfernt
  • Ichenhausen–Changé (seit 1994), 923 km oder acht Autostunden entfernt (sawa)
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