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Burgau

09.05.2015

Wirklich bloß Singtanten?

Kinderpflegerin Petra Szyska singt mit den Mindelzwergen. Es ist nur ein sehr kleiner Teil ihrer täglichen Arbeit.
Bild: Felicitas Macketanz

Tausende Erzieher streiken nächste Woche. Sie fordern mehr Gehalt. Was diese Menschen leisten: ein Einblick in den Alltag einer Erzieherin bei den Burgauer Mindelzwergen.

Lotta sitzt auf dem kleinen Holzstuhl und zeigt Erzieherin Johanna Gerstmayer-Otto ihr pinkes Spieltelefon. „Guck mal“, sagt die Vierjährige und zeigt ihr Spielzeug. „Schön“, antwortet Gerstmayer-Otto und lächelt. Doch die Erzieherin hat nicht immer soviel Zeit für die einzelnen Kinder. Ihr Beruf hat sich im Laufe der Jahre sehr verändert. „Wir arbeiten nach dem bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan. Außerdem müssen wir die Entwicklungen jedes Kindes dokumentieren – in den Ruhezeiten.“ Die gebe es aber gar nicht.

„Die Eltern werden anspruchsvoller“, sagt die 58-Jährige. Fünf Jahre hat ihre Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin gedauert. Ihr Vorpraktikum hat sie in Jettingen absolviert, danach war sie zwei Jahre an der Fachakademie am Starnberger See und das letzte Ausbildungsjahr verbrachte sie in München. „Die staatlichen Schulen kosten nichts, dafür die Unterkünfte. Während der Ausbildungsschulzeit verdient man nichts, außer man beantragt Bafög.“ Heutzutage dauert das Vorpraktikum zwei Jahre und die Auszubildenden verdienen etwa 300 Euro netto.

Im Raum der Burgauer Schmetterlingsgruppe tummeln sich 24 Kinder. Sie spielen, toben, kreischen und zerren immer wieder an der Erzieherin. Sie solle kommen, sich was ansehen, sagen sie oft. Ab und zu muss Gerstmayer-Otto auch Kinder ermahnen.

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Mit jeder Erzieherin arbeitet bei den Burgauer Mindelzwergen eine Kinderpflegerin. Petra Szyska, 51, macht das seit 34 Jahren und findet immer noch, dass es ein sehr stressiger, aber schöner Beruf sei. „Die Kinder geben einem soviel zurück“, sagt sie. Trotzdem: Die Erzieherausbildung ist lang und das Ansehen schlecht. Oft herrscht noch die Vorstellung von der Basteltante oder Spieltante, die nur singt. „Wir bekommen aber auch viel Lob, für das, was wir hier leisten“, sagt Gerstmayer-Otto.

26 Kinder sind in der Gruppe, die sie und Petra Szyska betreuen. Zwei Kinder sind momentan im Urlaub und dennoch ist es sehr laut und eng in dem Raum. Die Luft wird stickig. „Vor 21 Jahren wurde hier komplett renoviert und ein bestimmter Quadratmeteranteil pro Kind berechnet. Das ist längst nicht mehr ausreichend“, erklärt die Erzieherin.

Hinzu kommen Sprachbarrieren. Die Hälfte der Kinder stammt aus Migrantenfamilien. Viele von ihnen sprechen schlecht Deutsch. „Es ist sehr schwierig für die Kinder und natürlich für uns“, sagt die Gruppenleiterin. Petra Szyska meint, sie müssten im Prinzip etliche Sprachen lernen, um mit den Kindern kommunizieren zu können. Mehrmals wöchentlich bekommen die Mitarbeiter Unterstützung von Grundschullehrern: Sie bieten eine zusätzliche Sprachförderung an.

Die 15-jährige Diana Kloos hat dagegen schon nach einer Woche Praktikum im Kindergarten festgestellt: „Ich könnte mir das als Beruf nicht vorstellen. Es ist auf Dauer zu laut.“

In Günzburg wird ab Montag das Kinderhaus auf der Hagenweide nach dem Aufruf der Gewerkschaft GEW bestreikt. Die Eltern seien informiert, es gebe Notfallgruppen. Die Gewerkschaft Verdi sagte unserer Zeitung, bei ihr würden immer ein Wochenende und drei Arbeitstage zwischen Ankündigung und Streik liegen. Die Mindelzwerge Burgau werden nicht bestreikt.

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