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Burg/Thannhausen

12.06.2019

Wo Wissen über Waschmittel und Seifen zusammenfließt

Robert Fischer hat beim Umzug des Verlags von Augsburg nach Burg auch das Gemälde von H. Ziolkowsky mitgenommen, der dem Verlag bis heute seinen Namen gibt.
Bild: Gertrud Adlassnig

Wie die weltweiten Aktivitäten eines Fachverlages aussehen, der inzwischen in Burg bei Thannhausen seinen Sitz hat.

Einen Fachverlag sucht man gerne in den Metropolen. Wer nach dem Spezialisten für den Bereich Waschmittel und Kosmetika sucht, wird aber nicht in Hamburg, München oder Frankfurt am Main fündig, sondern im beschaulichen Burg im Süden von Thannhausen. Dort hat sich 2012 der „Verlag für chemische Industrie H. Ziolkowsky“, 1874 von Alwin Engelhardt in Leipzig gegründet, in der alten Schule niedergelassen. Zehn Mal im Jahr erscheint das Journal „SOFW“, das sich ursprünglich aus der Zunftzeitung der Seifensieder entwickelt hatte und sich heute vor allem an Wissenschaftler im Bereich Forschung und Entwicklung von Seifen, Parfüm und Waschmittel richtet.

„Der Titel unseres Magazins besteht aus den Anfangsbuchstaben der Hauptzutaten der Kernseife: Seifen, Öle, Fette, Wachse. Den Namen zu ändern, haben wir zwar einmal angedacht, doch die Umbenennung eines international eingeführten Produktes, und unsere Zeitschrift ist eine Marke, europaweit führend, wäre problematisch. Uns kommt zugute, dass auch in der englischen Sprache die Initialen passen“, sagt Robert Fischer.

„SOFW“ erscheint inzwischen nicht nur in deutscher, sondern auch in englischer Sprache gedruckt und online – und zudem noch in Mandarin; allerdings nur, erklärt Fischer mit einem Augenzwinkern, als Online-Fachzeitschrift. Robert Fischer ist Gesellschafter des Verlags, sein Bruder Siegfried Mitgesellschafter. Robert ist der Leiter, legt die große Linie fest, Siegfried kümmert sich um das Marketing und die Präsenz in den Neuen Medien. Denn der Fachverlag geht mit der Zeit, zur gedruckten Zeitschrift und ihrer Online-Ausgabe sind Newsletter und eine App gekommen, um die nachwachsende Wissenschaftsgeneration bedienen zu können.

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In der Nähe des Augsburger Königsplatzes

Das war 1988 noch ganz anders, traditionell. Damals hatte Robert Fischer nach seinem Studium im Verlag angefangen, der seinen Standort noch in der Nähe des Augsburger Königsplatzes hatte, beim Urenkel des Namensgebers H. Ziolkowsky. „Meine Aufgabe war nicht die Chemie, sondern das Marketing des Verlages. Als 2007 der letzte Ziolkowsky kinderlos starb, bot sich mir die Gelegenheit, den Verlag zu übernehmen.“ Fischer griff zu, nahm seinen Bruder Siegfried mit ins Boot, und begann, zum klassischen Verlagsprogramm weitere Dienstleistungen und Verwaltungsaufgaben zu übernehmen. Für die „SOFW“, in der Forscher und Entwickler ihre Ergebnisse präsentieren, sind zahlreiche Wissenschaftler und erfahrene Praktiker beratend tätig, die dafür sorgen, dass die Beiträge dem hohen Qualitätsanspruch der Fachzeitschrift gerecht werden.

Darüber hinaus führt der Verlag die Geschäftsstellen zweier Fachvereine. Der „Sepawa“ (Seifen, Parfüm, Waschmittel) zählt 1600 Mitglieder. In Burg wird nicht nur die gesamte Verwaltung ausgeführt, hier werden auch alle im Namen des Vereins geplanten Veranstaltungen bin ins Detail organisiert. Der Verein bietet seinen Mitgliedern fachspezifische Fortbildungen, Vortragsreihen, Kongresse und Messen. Allein der jährliche Wissenschaftskongress im Berlin zieht rund 3000 Fachleute an, für die rund um die Fachvorträge eine Messe mit etwa 300 Ausstellern veranstaltet werden muss.

Den Bürgern anvertraut

Doch damit nicht genug. Auch die DGK hat sich den Burgern anvertraut. Die „Deutsche Gesellschaft für angewandte und wissenschaftliche Kosmetik“ hat ihre Geschäftsstelle ebenfalls in der alten Schule, wo sie von den Mitarbeitern des Verlages geführt wird. Dieser Verein zählt rund 1000 Mitglieder, denen er auch spezifische Qualifikationsmaßnahmen wie die Lehrgänge zum „Sicherheitsbewerter“, ermöglicht, die in Kooperation mit dem entsprechenden Industrieverband angeboten werden. Eine der ganz großen Aufgaben, erinnert sich Fischer, war die Ausrichtung des Weltkongresses des internationalen Dachverbands, zu dem auch die DGK gehört. Sie hat im vergangenen Jahr als Gastgeberin der weltweiten Organisation in München fungiert.

Dass so viele nationale und internationale Aktivitäten und wissenschaftliche Verlagsarbeit von insgesamt 17 Mitarbeitern heute von Burg aus geplant und gesteuert werden und immer wieder Gäste aus ganz Deutschland und dem Ausland in die alte Schule kommen, ist dem Zufall geschuldet. „Die Büroräume in Augsburg wurden zu klein und waren stark renovierungsbedürftig. Da ich in Muttershofen wohne, habe ich auch westlich von Augsburg gesucht und bin auf die alte Schule gestoßen,“ erzählt der gebürtige Weißenhorner. Mit seiner Entscheidung ist er zufrieden. „Meinen Besuchern gefällt die Lage hier ausgezeichnet. Der Blick ins Grüne und auf das Alpenpanorama ist einmalig. Hier schaut man nicht auf Hochhäuser und Bürofassaden. Und vom Flughafen bis hierher dauert es auch nicht länger als von Heathrow nach Kensington.“

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