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Günzburg

19.05.2018

Wo geht es für die Ludwig-Heilmeyer-Straße hin?

Einrichtungen wie der Tüv oder die Krankenhäuser, aber auch Anwohner an der Ludwig-Heilmeyer-Straße wären von einer Umbenennung der Straße betroffen. Bei der Diskussion um den umstrittenen Gründungsrektor der Uni Ulm gibt es aber noch weitere Möglichkeiten.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ulm und Freiburg haben bereits auf die neuen Erkenntnisse über den Gründungsrektor der Uni Ulm reagiert.  Umbenennung ist nicht die einzige Möglichkeit.

Die Stadt Freiburg hat ihren Ludwig-Heilmeyer-Weg bereits umbenannt. Der Heilmeyer-Saal im Grünen Hof in Ulm soll ebenfalls einen neuen Namen erhalten. Wie es mit der Heilmeyer-Straße in der Münsterstadt weitergeht, hat der dortige Gemeinderat noch nicht entschieden. Was sollte, könnte oder müsste die Stadt Günzburg mit ihrer Ludwig-Heilmeyer-Straße tun? Den Namen ändern oder ihn belassen? Oder gibt es noch andere Möglichkeiten? Darüber sprach Nicola Wenge, die Leiterin des Dokumentationszentrums und der KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg Ulm.

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Im Rahmen ihrer gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Günzburger Geschichtsforum“ hatten Volkshochschule und Historischer Verein Günzburg am Donnerstagabend zu der Vortrags- und Informationsveranstaltung zum Thema „Ludwig Heilmeyer – Versuch einer politischen Einordnung“ in den Festsaal des Bezirkskrankenhauses eingeladen. Der Ort sei bewusst gewählt worden, erklärte Vhs-Leiterin Petra Demmel. Denn nicht nur BKH und Kreisklinik, auch Ärzte, Apotheker, die Dr.-Georg-Simnacher-Stiftung oder die Kinderkrippe und künftig der Kindergarten Kids & Company wären von einer Namensänderung direkt betroffen.

Vor einigen Jahren hat die Stadt Günzburg schon einmal einen Straßennamen geändert. Christian Frank galt lange als unbescholtener und verdienstvoller Heimatkundler. Bis Forscher in Kaufbeuren darauf stießen, dass Frank ein überzeugter „Rassehygieniker“ gewesen war. Die Stadt im Allgäu und Günzburg benannten deshalb ihre Christian-Frank-Straßen um. In Günzburg ging das ohne großes Aufhebens über die Bühne. Schließlich waren nur eine Handvoll Bürger betroffen. Anders sähe das bei einer Umbenennung der Ludwig-Heilmeyer-Straße mit ihren vielen Anliegern aus.

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Als Gründungsrektor der Uni Ulm im Jahr 1967 hat sich Heilmeyer fraglos Verdienste um Günzburg und Reisensburg erworben. Er machte Uni Ulm und BKH Günzburg zu Kooperationspartnern, außerdem legte er den Grundstein dafür, dass aus dem maroden Schloss Reisensburg ein zukunftsweisendes wissenschaftliches Institut geworden ist. Günzburg und Reisensburg zeigten sich dankbar, wie Oberbürgermeister Gerhard Jauernig in einer kurzen Ansprache sagte. 1965 erhielt Heilmeyer die Günzburger Ehrenbürgerwürde, zwei Jahre später zog die damals noch selbstständige Gemeinde Reisensburg mit der gleichen Würdigung nach. 20 Jahre später wurde die Straße bei den Kliniken nach Heilmeyer benannt.

In absehbarer Zeit muss der Stadtrat entscheiden, ob der Straßenname bleibt. Bundesweit werde seit Jahren über die Umbenennung von Straßen, die nach Personen der Zeitgeschichte benannt sind, diskutiert, erklärte Nicola Wenge. Dabei gebe es immer wieder „Grenzfälle“. Ist auch Ludwig Heilmeyer einer? Freiburg habe den Mediziner bei all seinen Verdiensten als „schwer belastet“ eingestuft. Nicht zuletzt, weil er Gründungsmitglied eines nationalsozialistischen Ärztebundes war, nach dem Krieg Verbrechen verharmlost oder weiter an rassistischem Gedankengut festgehalten habe. Der Heilmeyer-Weg in Freiburg wurde in der Folge umbenannt.

Welche Möglichkeiten hat der Günzburger Stadtrat, der abschließend über die Ludwig-Heilmeyer-Straße entscheiden muss? Er kann den Namen belassen oder ändern. Es gebe aber auch noch weitere Varianten, erklärte die Referentin. So könnte etwa der Straßenname belassen werden, wenn zugleich mit Info-Tafeln auf „ambivalente Menschen“ wie Heilmeyer hingewiesen oder mittels Stelen und Erinnerungsorten der Opfer gedacht werde. Eine Umbenennung der Heilmeyer-Straße, so Nicola Wenge, wäre für die Anlieger ohne Zweifel mit einem hohen finanziellen und organisatorischen Aufwand verbunden.

Keine Lösung sei es allerdings, das Thema „wegzuschieben“. Stadt und Bürgergesellschaft müssten sich mit dem Thema Heilmeyer befassen – auf möglichst breiter Basis. Zu befürchten sei, dass eine solche Debatte „emotional“ geführt werde. Nicola Wenge plädierte für eine „nüchterne und sachliche“ Diskussion. Wer für den Erhalt der Heilmeyer-Straße sei, dürfe nicht in die rechte Ecke gestellt werden, umgekehrt dürften auch die Befürworter einer Namensänderung nicht angegangen werden. Die Rednerin: „Von gegenseitigen Diffamierungen ist abzusehen“. Wichtig sei eine wahrhaftige „historische und politische Aufklärung“.

Auf Nachfrage eines Versammlungsbesuchers erklärte Oberbürgermeister Gerhard Jauernig, der Stadtrat werde sich auf der Basis zahlreich gewonnener Erkenntnisse „in nächster Zeit sehr intensiv dem Thema widmen“. Mit welcher Tendenz, ist am Donnerstagabend offengeblieben.

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