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Krumbach/Landkreis

09.11.2015

Zerreißprobe für die Sudetendeutsche Landsmannschaft

Felix Vogt Gruber.
Bild: Hans Bosch

Es gibt eine heftige Diskussion, ob die Wiedergewinnung der Heimat Fixpunkt bleibt. Auseinandersetzung vor Gericht geht weiter

Das Thema stand im Fokus der Frühjahrs-Bezirksversammlung im Mai (wir berichteten) und war jetzt auch bei der Herbsttagung am Samstag, die erneut im Gasthof Munding stattfand, Hauptpunkt einer sechsstündigen Veranstaltung. Es wundert nicht, dass dazu der stellvertretende SL-Bundes- und zugleich bayerische Landesvorsitzende Steffen Hörtler aus Bad Kissingen und der Klagevertreter der südbayerischen Allianz, Ingolf Gottstein aus Mönchengladbach, eigens nach Krumbach gekommen sind.

Sie erlebten eine teils heftige Diskussion mit Für und Wider der Satzungsänderung, wobei inzwischen bei einer ersten Verhandlung das Landgericht München am 3. November zwar mehrere formale Fehler feststellte, über die jedoch erst beim nächsten Gerichtstermin am 15. Januar 2016 entschieden wird.

Bis dahin herrscht also Stillstand, der jedoch Zeit für weitere Diskussionen und Gespräche zwischen den beiden Bezirksverbänden und dem Bundesvorstand bietet. Das dürfte auch notwendig sein. Der Bezirksvorsitzende Felix Vogt Gruber zeigte sich dazu bereit und ebenso der Landesvorsitzende, wenngleich von Einigkeit bisher nicht die Rede sein kann. Aber auch unter den schwäbischen Kreisverbänden besteht Unruhe. Während sich die einen für ein „vernünftiges Miteinander“ (Ehrenobmann Ernst Wohlrab aus Friedberg) aussprachen, ist inzwischen für Alfred Buchmann (Günzburg) die „Zeit zu schade“, die er derzeit für die Landsmannschaft einsetzt. Andere fühlen sich vom Landesverband, aber auch von der Bezirksvertretung „nicht ausreichend informiert“, was Kreisgruppen sogar veranlasste, die Zahlung der Mitgliederbeiträge an den Landesverband zu stornieren. In einem Punkt waren sich die Kontrahenten schließlich einig: „Die Tschechen freuen sich doch am meisten, wenn wir untereinander streiten.“

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Wie die Konfrontation ausgeht, wird wohl vom Landgericht entschieden. Deutlich machte der Landesvorsitzende trotzdem, dass sich Bundes- und Landesvorstand künftig um eine „bessere Verständigung“ zu den Bezirks- und Kreisverbänden bis zu den Ortsgruppen bemühen wollen. „Nie wieder Flucht und Vertreibung, darum kämpfen wir doch gemeinsam seit 70 Jahren“, sagte Hörtler. Und weiter: „Heute sind weltweit rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht“, jedoch mit einem Unterschied: „Sie erfahren zumindest bei uns eine Willkommenskultur, die wir 1946 nicht erlebt haben.“

Zurück zur Tagesordnung führte die zwei Dutzend schwäbischen Kreisvorsitzenden und Delegierten ihr Bezirksvorsitzender. Im Vordergrund steht für ihn der Erhalt der Ortsgruppen, selbst wenn sich Fusionen auch bei Kreisverbänden wegen der Altersstruktur nicht vermeiden lassen werden. Erfreulich sei jedoch, dass sich die Jugend verstärkt für die SL-Arbeit interessiere. Obwohl sich Kassenwart Adolf Bier (Meitingen) „aus formalen Gründen“ nicht in der Lage sah, konkrete Zahlen – sie werden im Frühjahr nachgereicht – zu nennen, wurde der Vorstand einstimmig entlastet. Einmütigkeit herrschte ebenso bei den Neuwahlen: Felix Vogt Gruber (Gundelfingen) wurde mit großer Mehrheit als Vorsitzender bestätigt und ebenso Adolf Bier als Kassenwart sowie Dieter Fiedler (Ziemetshausen) als Schriftführer. Vogt Gruber stehen als Stellvertreter Edmund Schiefer (Mindelheim) und Viktor Polansky (Ettringen) zur Seite, da die bisherigen Amtsinhaber nicht mehr kandidierten.

Der umstrittene Paragraf:

Wohl erst durch ein Gericht wird der Streit zwischen der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft und den schwäbisch/oberbayerischen Bezirksverbänden entschieden.

Es geht dabei um einige Sätze aus dem Paragrafen 3.

Eingangs heißt es in ihm: „Die SL verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke, die im In- und Ausland zum Tragen kommen.“ Diese Zwecke sind: Bisherige Fassung der Absätze c und d: „... den Rechtsanspruch auf die Heimat, deren Wiedergewinnung und das damit verbundene Selbstbestimmungsrecht der Volksgruppe durchzusetzen“ und „... das Recht auf Rückgabe beziehungsweise gleichwertigen Ersatz oder Entschädigung des konfiszierten Eigentums der Sudetendeutschen zu wahren“.

Neue Fassung Verlängert wird der Absatz b: „... an einer gerechten Völker- und Staatenordnung mitzuwirken, in der die Menschen und Grundrechte, das Recht auf die Heimat und das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Volksgruppen für alle gewahrt und garantiert werden. Dazu gehört, dass die EU-Grundrechtecharta in allen ihren Teilen für alle EU-Mitgliedstaaten uneingeschränkt verbindlich gemacht wird“. Es folgt dann noch Absatz c: „... Verstöße gegen diese Rechte wie Völkermord, Vertreibungen, ethnische Säuberungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, menschen- und völkerrechtswidrige Enteignungen sowie Diskriminierungen weltweit zu ächten und dort, wo sie erfolgen, auf der Grundlage eines gerechten Ausgleichs zu heilen“. (b)

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