Newsticker

Mit Ausnahme der Kanaren: Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Spanien
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Zwei Handball-Urgesteine beim TSV Niederraunau treten ab

Niederraunau

01.08.2020

Zwei Handball-Urgesteine beim TSV Niederraunau treten ab

Über den Handball wurden sie Freunde fürs Leben: Armin Hessheimer (links) und Mathias Waldmann haben im Trikot des TSV Niederraunau viel erlebt. Jetzt haben sie ihre aktive Karriere beendet.
Bild: Alexander Sing

Plus Mit Mathias Waldmann und Armin Hessheimer verliert der TSV Niederraunau zwei Stützen der Mannschaft. Ihre Karrieren zeigen eindrücklich, wie dieser Verein tickt.

Der TSV Niederraunau fühlt sich wohl mit seinem Image als Dorfverein. Er pflegt dieses Bild sogar: Jeder kennt jeden, die Teams bestehen nahezu ausschließlich aus Eigengewächsen, die ihrem Verein ein Leben lang treu bleiben, und auch privat viel miteinander unternehmen. Dass das keine leeren Worte sind, zeigen die Karrieren von zwei Spielern, die jetzt nach vielen Jahren im Raunauer Trikot ihre Handballschuhe an den Nagel gehängt haben: Mathias Waldmann und Armin Hessheimer.

Während ihre ehemaligen Teamkollegen unter Coach Udo Mesch für den Saisonstart in die Landesliga schwitzen, sitzen die beiden diesen Sommer gemütlich bei Waldmanns auf der Terrasse. „Es ist ganz angenehm, nicht mehr jeden Abend weg zu sein“, sagt Mathias Waldmann. Der 34-Jährige ist Vater von drei Kindern und freut sich, jetzt mehr Zeit für seine Familie zu haben. „Ich wollte auch einfach noch fit genug sein für andere Sachen. Und nicht erst aufhören, wenn mein Körper total kaputt ist“, begründet Waldmann seine Entscheidung weiter. Er wolle weiter sportlich aktiv sein. Deshalb habe er bereits vor mehr als einem Jahr entschieden: Am Ende der Saison ist Schluss.

Mit Waldmann und Hessheimer ist der TSV Niederraunau aufgestiegen

Ähnlich ist es bei Armin Hessheimer. Der Torwart hatte immer wieder mit kleineren Verletzungen zu kämpfen, im Winter sorgte eine Operation am Sprunggelenk dann für eine lange Auszeit. „Um Weihnachten habe ich mich dann entschlossen, dass es genug ist.“ Es ist der vorläufige Endpunkt eines Umbruchs im Team des Landesligisten. Die Spielergeneration um Waldmann und Hessheimer hatte die Raunauer Mannschaft viele Jahre geprägt, in ihre Zeit fiel unter anderem der Aufstieg in die Bayernliga. Nach und nach zogen sich diese Spieler in den vergangenen Jahren zurück. Nun ist von der „alten Garde“ nur noch Kapitän Michael Thalhofer übrig, der nach einem Kreuzbandriss noch an seinem Comeback arbeitet.

Zwei Handball-Urgesteine beim TSV Niederraunau treten ab

Gerade in der vergangenen Saison hatte sich aber gezeigt, dass die „Alten“ immer noch wichtig sind. Nicht selten hatten Routiniers wie Spielmacher Waldmann knappe Partien zugunsten der Raunauer entschieden. Kommt der Abschied also zu früh? Mathias Waldmann widerspricht. „Für die Mannschaft ist es ein guter Zeitpunkt. Ich bin ohne schlechtes Gewissen gegangen“, sagt er. „Nur so kann eine neue Hierarchie entstehen. Ich bin damals auch nicht in die erste Mannschaft gekommen und habe sofort den entscheidenden Wurf übernommen.“ Armin Hessheimer pflichtet ihm bei: „Die Jüngeren müssen jetzt selbst in die Bresche springen. Sie sind aber auch gewachsen vergangene Saison. Die packen das.“

Beim TSV Niederraunau ist die Nachfrage fürs Handball groß

Mathias Waldmann sieht einige Kandidaten für die Nachfolge auf seiner Position in der Rückraummitte. „Wir haben da eine hohe Leistungsdichte, ein Konkurrenzkampf kann nur guttun“, betont er und nennt Björn Egger, Oliver Blösch, Johannes Rosenberger, Oliver Kiebler und Marius Waldmann als Anwärter auf den Posten des Spielmachers.

Die langjährigen Leistungsträger sehen der sportlichen Zukunft auch deshalb gelassen entgegen, weil sie wissen: Jede Menge talentierte, junge Spieler rücken nach. Die Nachfrage ist groß, insgesamt 14 Teams hat der TSV Niederraunau für die kommende Saison gemeldet, 28 Trainer beschäftigt der Dorfverein. Fast alle Spieler sind, wie Waldmann und Hessheimer, aus Niederraunau oder den umliegenden Gemeinden, spielen von klein auf beim TSV. „Wenn man so früh anfängt, bindet man Talente langfristig an den Verein“, erklärt Mathias Waldmann. „So war es schon bei uns, als wir bei den Minis angefangen haben. Das Team ist gemeinsam aufgewachsen, da entstehen viele Freundschaften.“

Waldmann und Hessheimer wollten nie zu einem anderen Verein wechseln

Das sei der Hauptgrund für die beiden gewesen, warum der Wechsel zu einem anderen, womöglich höherklassigen Verein, sie nie interessiert habe. „Klar gab es Angebote“, sagt Armin Hessheimer. „Aber keiner wollte weg, nur weil er woanders vielleicht ein paar Euro verdient hätte. Dazu haben wir uns zu wohl gefühlt.“ Auch nach ihrer aktiven Zeit wollen die Raunauer ihrem Verein treu bleiben. Beide haben in ihrem Heimatort ein Haus gebaut und eine Familie gegründet. Mathias Waldmann trainiert bereits seit vielen Jahren die Minis. Und auch Armin Hessheimer kann sich gut vorstellen, in irgendeiner Funktion zurückzukehren.

Zunächst wollen sie aber, sobald es möglich ist, ihren Ausstand in der Mannschaft nachholen. Denn der ist wegen der Corona-Krise ausgefallen. „Es war schon komisch, dass es so zu Ende geht“, sagt Mathias Waldmann über die abgebrochene Saison. „Unser letztes Spiel war nicht sonderlich gut, wir haben gegen Ismaning verloren. Aber wir wussten vorher gar nicht, dass es unser letztes Spiel sein würde.“

Künftig werden die beiden Kumpels als Zuschauer bei den Raunauer Spielen dabei sein und ihre Handballfreunde anfeuern. Und eine vernünftige Abschiedsfeier wird es sicher auch noch geben. Wie es sich für einen Dorfverein gehört.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren