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Krumbach

15.10.2016

Zwei Krumbacher sprechen über Gipfelglück und Rekorde

Werner Lieb (links) und Manfred Bauer bei Aufstieg zum Glockturm im Kaunertal in den Ötztaler Alpen. Von dem 3353 hohen Berg lässt sich die Aussicht auf die umliegenden 3000er genießen.
Bild: Karl Heiligmann

Vor 30 Jahren stand Reinhold Messner auf seinem 14. Achttausender. Werner Lieb und Manfred Bauer vom Alpenverein Krumbach blicken zurück auf eigene Bergerlebnisse und die Entwicklung des Alpinismus.

„Das Glück findet sich nicht am Gipfel, sondern in uns. Wenn wir ganz wir selbst sind.“ Diese Aussage traf Extrembergsteiger Reinhold Messner wohlbemerkt lange nachdem er am 16. Oktober 1986 als erster Mensch alle 14 Achttausender bestiegen hatte. Genau 30 Jahre ist das nun her. 16 Jahre (zwischen 1970 und 1986) und etliche Versuche hat er dafür gebraucht. Immer ohne Flaschensauerstoff. Nur um hinterher zu wissen, dass man das Glück nicht auf dem Gipfel findet? Dass der Weg das Ziel ist, wie schon Konfuzius wusste? Dass „dir der Gipfel erst gehört, wenn du wieder unten bist – denn vorher gehörst du ihm“, wie es Messners Bergkamerad Hans Kammerlander einmal formulierte?

Doch nicht nur Philosophen oder Extremsportler scheint die Natur, insbesondere die Erhabenheit der Bergwelt, zum Nachdenken über das Glück oder das Leben an und für sich zu bewegen. „Wenn ich im Zillertal einen Alpenapollo entdecke, oder ein Kiesweidenröschen irgendwo bei der Berliner Hütte, das ist auch eine Art Gipfelglück“, beschreibt etwa Manfred Bauer vom Krumbacher Alpenverein seine Begegnungen mit seltenen Schmetterlingen oder Bergblumen.

Seine Liebe zu den Bergen hat ihm bereits in sehr jungen Jahren sein Großonkel Johann eingeimpft. Der wiederum war zu seiner Jugendzeit während des Ersten Weltkrieges bei der k.u.k. Hochgebirgstruppe im Gebiet nahe Cortina in den Dolomiten stationiert. Wider Erwarten entkam er der Hölle der Alpenfront. Zurück in der Heimat, zog es ihn jedoch immer wieder in die Berge. Gemeinsam mit dem Großneffen radelte er, „ohne Gangschaltung“, wie Manfred Bauer betont, Richtung Allgäuer Alpen. Der Grundstein für Manfred Bauers Bergleidenschaft war gelegt.

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Im Kaunertal vom 3400 Meter hohen Glockturm auf die kleineren 3000er herunterschauen – schon wenn er davon erzählt, gerät er ins Schwärmen. Die Dolomitenberge, das Bergmassiv der Rosengartengruppe, der Langkofel, das überwältigende, nur wenige Minuten dauernde Schauspiel des Alpenglühens bei Sonnenuntergang – Sehnsuchtsorte und Jugenderinnerung in einem.

Etwas anders war es bei Werner Lieb, dem ersten Vorsitzenden der Krumbacher Sektion des deutschen Alpenvereins. Mit 30 Jahren hat er das erste Mal mit Freunden auf einer Berghütte übernachtet. Von da an ließen ihn die Berge nicht mehr los. Die Allgäuer Alpen und die Dolomiten hat er schon erwandert. In der Türkei war er auf dem Ararat. In Tansania, um die Weihnachtszeit einmal, auf dem Kilimandscharo. „Drei Tage lang regnete es beim Aufstieg“, erzählt Werner Lieb. „Bei 35 Grad am Fuß des Berges stiegen wir über Regenwald, Nebelwald und Heide hinauf durch Sandwüste und Eiswüste, wo es dann minus zehn Grad kalt war. Wir waren nass bis auf die Haut und froren in unseren Zelten. Um beim Laufen Tritt zu halten, sangen wir mit unseren afrikanischen Guides englische Weihnachtslieder.“

Abseits dieser Eindrücke ist er mit Bergkamerad Manfred Bauer einig: „Die Alpen sind am allerschönsten.“ Werner Lieb erklärt es so: „Der Ararat ist wunderschön. Aber es ist nichts drumherum. So ist es auch in Tansania, beim Mount Meru. Das ist ein Vulkankegel und außen rum ist Savanne. Sonst ist da nichts.“ Die Alpen aber mit ihrer großartigen Flora und Fauna, wo Werner Lieb immer wieder Bergwanderungen mit Blumenführung anbietet, wo Manfred Bauer seltene Mineralien findet, ist für beide ein Stückchen Himmel und Herausforderung zugleich.

Beide bestreiten nicht, dass auch in der Gefahr ein gewisser Reiz liegt. „Komm ich da hoch? Und komm ich da auch wieder runter?“, lauten Werner Liebs Überlegungen. Eine vernünftige Ausrüstung ist beiden Vereinskameraden wichtig. Immer mit Seil-Set, wie Manfred Bauer betont. Und immer mit Helm, wie Werner Lieb bekräftigt. Schon wegen der Steinschlaggefahr.

Mit sehr gemischten Gefühlen beobachten die beiden Männer den zunehmenden Alpentourismus. Schön einerseits, wenn sich die Menschen für die Natur interessieren. Aber muss alles diesen Eventcharakter haben, mit Glasplattformen über Steilwänden? Mit Gleitschirmfliegern und Mountainbikern, die ihre Räder mit der Bergbahn hochtransportieren, nur um dann die riskantesten Abfahrten zu suchen?

„Ich war einmal am Kesselkogel in Südtirol, als wir uns wegen eines aufziehenden Gewitters entschlossen, abzusteigen“, erzählt Manfred Bauer. „Da liefen dann tatsächlich zwei junge Leute in Shorts und so einem kleinen Rucksäckle an uns vorbei Richtung Gipfel. Das ist doch bodenloser Leichtsinn.“ „Oder an der Zugspitze“, ergänzt Werner Lieb, „wenn man da von der Höllentalseite hochgeht und von der anderen Seite werden jeden Tag 3000 bis 4000 Touristen mit der Bergbahn nach oben zur Restaurantplattform transportiert. Die laufen dann unter Umständen noch mit Sandalen da oben herum. Im Extremfall nehmen sie so auch noch den Gipfel ins Visier und versperren den Weg. Das macht keinen Spaß. Nie wieder geh ich auf die Zugspitze.“

Da passt wieder ein Zitat, von einem, der ebenfalls viel gewandert ist. Diesmal vom Dichter und Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“

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