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Schauspiel

27.02.2018

Zwergenaufstand im Garten

Gekühltes Bier und Gartenzwerg: Matthias Klösel gastierte im Heimatmuseum Krumbach.
Bild: Elisabeth Schmid

Matthias Klösel gastierte im Heimatmuseum in Krumbach

Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, das Bier ist gekühlt und das Kofferradio spielt „Bella Ciao“. Die Theaterwerkstatt Augsburg gastierte mit dem Stück „Aufstand der Gartenzwerge“ im Krumbacher Heimatmuseum.

„Ja das waren noch Zeiten damals, als es nach Italien an den Strand ging, mit Erika, meiner Frau, damals jung und schön und schlank! Schlank ist die Erika nicht mehr, nein, sie ist fett“, siniert der arbeitslose Sprengmeister Jürgen Schmauser. Er sitzt im ordentlichen Schrebergarten und denkt über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nach. Monologisch lässt Schauspieler Matthias Klösel als Schmauser Zuschauer und vor allem seinen Gartenzwerg Karl-Heinz an seinem Lamento teilnehmen.

Zwischen den Erzählungen steht er immer wieder vom Gartenstuhl auf, um Rasen zu mähen oder Unkraut zu zupfen. Oder er holt eine frische Flasche Bier gekühlt aus dem Goldfischbecken. Schmauser sorgt sich: Sein einziger Rückzugsort, sein Garten soll plattgemacht werden und einer neuen Wohnanlage weichen. Er grantelt, was werden soll. Sein einziger Sohn ist vom anderen Ufer, „Kein Wunder, die Erika hat ihn verzärtelt“, jammert er. Probleme mit den Nachbarn, den Ausländern hat er auch. Nicht, dass er was gegen Ausländer hätte, nein bewahre. Schmauser fläzt sich in den Gartenstuhl im Jogginganzug und ist mit sich und der Welt unzufrieden.

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Klösels Monologe bringen die Zuschauer immer wieder zum Lachen und Schmunzeln. Er ist aber auch eine wirklich traurige Gestalt. Aber da ist noch etwas, die Einsamkeit und die Aussichtslosigkeit seiner Situation berühren und machen nachdenklich. Klösel hat das Stück selber geschrieben und will auf die Situation vieler Kleingärtner aufmerksam machen. Der Schrebergarten ist für viele eine Möglichkeit, ihrem (oft verpfuschten) Dasein einen Sinn zu geben. Wenn der den verzweifelten Menschen genommen wird, was bleibt ihnen dann noch?

Das zeigt Klösel dann zum Schluss: Mit zwei Dynamitstangen sprengt er sich in die Luft, ganz „dschiadmäßig“, so meinte er.

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