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Barbara Sieb aus Krumbach gestorben: „Kronprinz“-Wirtin mit 97 Jahren verstorben – ein Nachruf

Krumbach

Kronprinz-Wirtin „Bärbel“ kassierte Autoschlüssel ein und nahm das Leben in die Hand – ein Nachruf

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    Barbara Sieb machte den „Kronprinz“ zum Wohnzimmer der Stadt und griff ein, wenn andere längst nicht mehr weiterwussten.
    Barbara Sieb machte den „Kronprinz“ zum Wohnzimmer der Stadt und griff ein, wenn andere längst nicht mehr weiterwussten. Foto: Sammlung Vogt

    Wer Barbara Sieb kannte, der erinnert sich mindestens an eine Geschichte mit ihr. Vielleicht an eine feucht-fröhliche aus ihrem Lokal, dem „Kronprinz“. Vielleicht an eine, in der sie einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort war – mit einem offenen Ohr, einem aufmunternden Satz und notfalls auch mit dem Autoschlüssel eines Gastes in der Hand. Am Montag, 18. Mai, ist Barbara Sieb im Alter von 97 Jahren friedlich eingeschlafen. Mit ihr geht eine Frau, die in Krumbach über Jahrzehnte einfach dazugehört hat.

    Geboren wurde Barbara Sieb am 24. November 1928 in Beratzhausen in der Oberpfalz. Ihr Start ins Leben war schwierig. Sie kam schon als Baby in eine Pflegefamilie und wuchs auf einem Bauernhof auf. Vielleicht genau wegen ihrer Kindheit entwickelte sie dieses riesige Herz für Menschen, denen das Leben ebenfalls nicht nur Sonnenseiten schenkte. Und davon gab es im „Kronprinz“ viele.

    Der „Kronprinz“ wurde für viele Menschen zum zweiten Zuhause

    Als Sieb 1964 die Krumbacher Traditionsgaststätte übernahm, ahnte wohl niemand, dass daraus einmal viel mehr werden würde als nur ein Wirtshaus. Der „Kronprinz“ wurde zum Krumbacher Wohnzimmer, Stammtisch, Trostpflaster und manchmal fast schon zur Sozialstation. Wer Probleme hatte, ging zur „Bärbel“. Wohnungssuche? Behördenschreiben? Geldsorgen? Ärger zu Hause? Irgendwie wusste sie immer Rat.

    Und wenn jemand zu tief ins Glas geschaut hatte, dann konnte es passieren, dass Barbara Sieb kurzerhand den Schlüssel einkassierte und sagte: „Du fährst heute nirgends mehr hin – ich fahr dich heim.“ Genau das machte sie aus: herzlich, direkt, lebensklug und voller Tatkraft. 2010 hat die Wirtin ihr Lokal für immer zugesperrt, das Nichtraucherschutzgesetz soll sie dazu „gezwungen“ haben.

    Barbara Sieb blieb bis zuletzt offen, herzlich und mitten im Leben

    Aufgeben war jedoch nie ihr Ding. Ihr Lebensmotto lautete: „Hinfallen – aufstehen – Krone richten – weitermachen.“ Und das lebte sie wirklich bis zuletzt. 2023 feierte sie ihren 95. Geburtstag – fit, gut gelaunt und mitten unter den Leuten. Als der Musikverein Waltenhausen ihr ein Ständchen brachte, wurde nicht nur geschunkelt, sondern natürlich auch getanzt. So war Barbara Sieb eben. Immer mittendrin.

    Dabei hätte sie allen Grund gehabt, sich irgendwann einfach zurückzulehnen. Krieg, schwere Zeiten, Verluste, gesundheitliche Rückschläge – Barbara Sieb kannte das Leben in all seinen Facetten. Sie verlor früh ihren zweiten Mann, meisterte das Leben mit ihren Kindern oft unter schwierigen Bedingungen und kämpfte sich immer wieder durch gesundheitliche Probleme.

    Die Krumbacher Wirtin half Menschen weit über den Alltag hinaus

    Erst Anfang dieses Jahres zog sie nach einem schweren Sturz und einem gebrochenen Oberarm ins Seniorenheim. Eigentlich sollte das nur vorübergehend sein, so ihr Plan. Doch ihre Kräfte wurden weniger. Trotzdem blieb sie „die Bärbel“ – freundlich, dankbar und mit einem Lächeln unterwegs, solange es ging. Ihre Familie ist besonders dankbar für die liebevolle Betreuung im AWO-Seniorenheim, wo Barbara Sieb in ihren letzten Wochen mit viel Wärme und Menschlichkeit begleitet wurde.

    Barbara Sieb hinterlässt fünf Kinder, neun Enkelkinder und zwölf Urenkel – und dazu unzählige Menschen, die sie in ihrem Leben begleitet hat. Die Familie bittet darum, persönliche Kondolenzschreiben an Barbara Vogt, Obere Gänshalde 12 in 86381 Krumbach, zu schicken. Die Bestattung ist am Freitag, 19. Juni, am Krumbacher Westfriedhof geplant, zuvor findet der Trauergottesdienst um 10 Uhr in St. Michael statt.    

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