In nur acht Monaten wurde er in Balzhausen aufgebaut, der größte Batteriespeicher Schwabens. Wenn Fotovoltaikanlagen und Windräder zu viel Strom für die Netzkapazität produzieren, dann springt eine Speicheranlage ein, die rund 90 Megawattstunden Speicherkapazität hat, was jener von rund 2000 Elektroautos entspricht. In das Projekt investiert die Firma Green Flexibility aus Kempten hier nach eigenen Angaben rund 35 Millionen Euro. Die Eröffnung hatte in sozialen Medien zu Hunderten Kommentaren geführt. Nun reagiert das Unternehmen Green Flexibility auf die wichtigsten Vorwürfe und räumt mit unwissenschaftlichen Aussagen auf.
Das Reizwort in der Online-Debatte lautete „Flächenfraß“. Nutzerinnen und Nutzer fürchteten, dass fruchtbares Agrarland von Energieinvestoren aufgekauft und versiegelt werde. Green Flexibility weist diese Sorge grundsätzlich zurück. „Die entscheidende Frage sollte eigentlich nicht sein, wie viel Fläche eine Anlage belegt, sondern welchen Systemnutzen diese Fläche stiftet“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme des Unternehmens. Wenn zweitausend Quadratmeter helfen, Netzengpässe zu reduzieren, erneuerbaren Strom besser zu nutzen und fossile Ausgleichsenergie zu vermeiden, ist das „ein hoher volkswirtschaftlicher Nutzen pro Quadratmeter“.
Green Flexibility sieht viele Vorteile für die Region Balzhausen
Hinzu kommt ein technisches Argument: Batteriespeicher könnten gar nicht beliebig errichtet werden. „Sie sind an wenige, netztechnisch sinnvolle Standorte gebunden“, erklärt das Unternehmen. Konkret bedeute das, dass sie nur in unmittelbarer Nähe von Umspannwerken realisierbar seien, wovon es in ganz Deutschland nur eine begrenzte Anzahl gebe. „Von einem flächendeckenden Wettbewerb um Agrarflächen kann daher keine Rede sein.“ So liegt auch der Balzhauser Speicher direkt neben dem örtlichen Umspannwerk, auch „Einspeisesteckdose“ genannt, von dem Strom aus der Region ins Netz eingespeist wird.
Unverständnis kommt seitens Green Flexibility an der Kritik und deren Abbildung in unserem Medium, da sie den hohen Nutzen für die Region betonen. Arbeitsplätze entstehen durch die automatisierte Anlage nicht, doch der Bau sei mit ansässigen Unternehmen durchgeführt worden. Als wirtschaftlichen Beitrag verweist das Unternehmen auf Gewerbesteuereinnahmen: Die gegründete Projektgesellschaft werde der Gemeinde „hohe sechsstellige Gewerbesteuereinnahmen pro Jahr“ einbringen. Für eine kleine Gemeinde wie Balzhausen mit rund 1250 Einwohnerinnen und Einwohnern wäre das eine substanzielle Summe. Mittelfristig, so das Unternehmen, sollen zudem alle Bürgerinnen und Bürger von reduzierten Strompreisen profitieren.
Auf Anfrage zum energetischen Aufwand, der bei der Produktion entstand, erklärt Green Flexibility nun: Eine klassische energetische Amortisationszeit, wie sie etwa bei Photovoltaikanlagen berechnet wird, gebe es bei Batteriespeichern nicht – denn ein Speicher erzeuge keinen Strom, sondern verschiebe ihn zeitlich. Stattdessen lasse sich berechnen, nach wie vielen Lade- und Entladezyklen die für die Zellproduktion aufgewendete Energie rechnerisch wieder durch den Speicher bewegt worden sei. „Bei einem Speicher wie Balzhausen liegt diese Größenordnung – bezogen auf die Zellproduktion – bei etwa 50 Vollzyklen“, so das Unternehmen. Je nach Betriebsweise entspreche das „ungefähr ein bis zwei Monaten Betrieb“.
„Sobald man die Argumente auch darlegen kann, sind Großbatteriespeicher ökologisch, energetisch, volkswirtschaftlich und nachhaltig“, heißt es. Was in dem vorangegangenen Zeitungsartikel zitiert werde, sei „leider von Unwissen und auch Abneigung gegen erneuerbare Energien geprägt“. Aufklärung sei daher das Gebot der Stunde.
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