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Krumbach

04.11.2019

„... benehmt euch wenigstens anständig!“

Die Fußball-Schülermannschaft der Oberrealschule Krumbach sicherte sich vor 61 Jahren einen unerwarteten Sieg gegen die Günzburger Alterskameraden. Unser Bild zeigt: (von links) Winfried Augart, Kurt Ulrich, Theo Waigel, Walter Neubert, Konrad Fendt, Werner Kühnel, Roland Hrubey und Günther Wolf. Es fehlen Alfred Scharnbacher und Alwin Süß sowie der verstorbene Dietmar Heinka.
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Die Fußball-Schülermannschaft der Oberrealschule Krumbach sicherte sich vor 61 Jahren einen unerwarteten Sieg gegen die Günzburger Alterskameraden. Unser Bild zeigt: (von links) Winfried Augart, Kurt Ulrich, Theo Waigel, Walter Neubert, Konrad Fendt, Werner Kühnel, Roland Hrubey und Günther Wolf. Es fehlen Alfred Scharnbacher und Alwin Süß sowie der verstorbene Dietmar Heinka.
Foto: Hans Bosch

Ein Fußballspiel vor 61 Jahren gibt ungewöhnliche Einblicke in die Krumbacher Schulgeschichte. Unter den Aktiven war auch Ex-Finanzminister Theo Waigel.

„Vor der Halbzeit 0:2, nach der Pause 2:2 und kurz vor Schluss 2:3“, lautet der Kurzbericht über ein Schüler-Fußballspiel zwischen den beiden Oberrealschulen von Günzburg und Krumbach, das am 29. Oktober 1958 ausgetragen wurde. Den siegbringenden Treffer schoss Dietmar Heinka, damals Schüler der neunten Klasse am Krumbacher Gymnasium. Im Spielbericht in den Mittelschwäbischen Nachrichten ist zu lesen, dass es sich um ein „hartes, aber äußerst faires Spiel“ gehandelt habe, das die Gäste letztlich verdient gewonnen haben. Der Krumbacher Elf war die Revanche der im Juni 1958 in Krumbach erlittenen 1:5-Niederlage gelungen und sie wurde für die jungen Fußballer um Sportlehrer Franz Sättler ein umso größerer Erfolg, da Günzburg als sehr spielstark bekannt war und schon namhafte Gegner besiegt hatte. Der damalige Aktive Theo Waigel erinnert sich: „Sie waren damals in unserer Altersgruppe schon bayerischer Meister.“

Nach 61 Jahren gab es jetzt durch die Initiative des ehemaligen Bundesfinanzministers ein erstes Wiedersehen der damaligen Elf und ein vielfältiges Erinnern an die Schulzeit sowie die berufliche Laufbahn der elf Aktiven, denn es gab keinen Ersatzmann. Im Gasthof Diem trafen sich zum Gedankenaustausch die ehemaligen Schüler ebenfalls am 29. Oktober, also dem gleichen Tag, an dem vor über sechs Jahrzehnten das historische Fußballspiel stattfand. Es wurde ein spannender und zugleich heiterer Abend mit vielen interessanten Episoden aus der Jugendzeit, in der das damalige Krumbacher Schulwesen eine große Rolle spielte.

Überraschender Sieg in Günzburg

Da war vielfach die Rede vom Wirken des stellvertretenden Schulleiters Alfons Schmid, der wenige Jahre vorher von Günzburg nach Krumbach gekommen war. Seine Aussage vor diesem Spiel hat Waigel noch in guter Erinnerung: „Chancen habt ihr keine, doch hoffe ich, dass ihr euch wenigstens anständig benehmt.“ Als er dann vom überraschenden Sieg erfuhr, glaubte er es nicht und erkundigte sich selbst in Günzburg per Telefon. Waigel: „Doch dann war seine Freude groß.“ Mit „gemischten Gefühlen“ hatte auch Torwart Konrad Fendt (er war später Schulleiter in Ichenhausen) die Zugreise angetreten, war er doch von Betreuer Sättler „ganz unerwartet einfach ins Tor gestellt“ worden. Dessen Rat: „Die Günzburger können auch nur laufen und schießen und das könnt ihr auch.“

Die weiteren und noch heute in Krumbach und Niederraunau wohnhaften Aktiven waren der spätere Gymnasiallehrer Roland Hrubey, Diplom-Ingenieur Walter Neubert und der Physio-Therapeut Günther Wolf (genannt Lupus). Vervollständigt wurde die Mannschaft von dem aus Münsterhausen stammenden und heute in Weißenhorn lebenden Gymnasiallehrer Kurt Ulrich, dem Pädagogen Winfried Augart aus Neuburg/Kammel und dem Chemiker Werner Kühnel, der nahe Bonn wohnhaft ist. Nicht zum Treffen kommen konnten Alwin Süß, der bis zu seiner Pensionierung im Wirtschaftsministerium tätig war und heute in München lebt, sowie der aus Ebershausen stammende Sonderpädagoge Alfred Scharnbacher, der seinen Ruhestand in Wiesbaden verbringt. Bereits verstorben sind vor einigen Jahren Dietmar Heinka und der Trainer und Sportlehrer Franz Sättler.

Zu einer größeren sportlichen Leistung reichte es im späteren Leben bei keinem der damals so Großen. Lediglich Konrad Fendt spielte zusammen mit seinen Krumbacher Kameraden in der Faustball-Bundesliga. Waigel war mehr im politischen Sportbereich aktiv und stürmte auf Kreisebene viele Jahre bei den Landkreisstolperern und in Bonn in der Bundestagsmannschaft. Heute sagt er dazu: „Das waren keine hohen Erfolge, aber immer schöne persönliche Erlebnisse.“ So wundert es nicht, dass er den Günzburger Sieg noch immer mit der deutschen Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Bern im Jahre 1954 vergleicht: „Damals waren die Ungarn wie bei uns die Günzburger haushoher Favorit und die unerwarteten Erfolge für mich umso wertvoller.“

Nationalspieler Helmut Haller war des Öfteren in Mittelschwaben

Die Leistung der Schulmannschaft über die benachbarte Oberrealschule hatte durchaus einen Nachklang und zwar in Siegen über die Realschulen in Krumbach und Thannhausen sowie Weißenhorn. Vorbilder im sportlichen Bereich waren zur damaligen Zeit für die angehenden Abiturienten der aus der Tschechoslowakei nach Krumbach gekommene Jugendbetreuer Uli Prillinger mit seinem markanten Ausspruch: „Spiel Ball in Loch!“ und ebenso der Augsburger Nationalspieler Helmut Haller, der öfters im mittelschwäbischen Raum weilte und zur Freude von vielen Jungfußballern auf manchem Dorfplatz seine Technik zeigte.

Besonders Theo Waigel war es, der an dem Abend so manche Episode aus seinem politischen Schaffen und den Begegnungen mit Sportlern aus aller Welt zum Besten gab. Es tauchten hier Namen wie Bundespräsident Theodor Heuss, US-Präsident Henry Kissinger, die Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt sowie die Besuche von Herbert Wehner in Krumbach und Franz Müntefering in Thannhausen auf.

Eines stand am Ende fest: Das nächste „Nachspiel“ der erfolgreichen Schülermannschaft findet nicht erst in zehn Jahren und nicht auf grünem Rasen statt, vielmehr im nächsten Jahr erneut bei einem Dämmerschoppen im Bereich von Oberrohr.

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