Krumbacher Geschichte: Badeordnung, Leichenmähler und Friedhofsregeln aus vergangenen Zeiten
Krumbach
Statt Bikini nur Strandanzug: Als Amtsschimmel und Sittenwächter das Leben in Krumbach regelten
Von Badevorschriften über Leichenmähler bis zu Begräbnisregeln: Historische Verordnungen zeigen, wie Behörden einst tief in den Alltag der Menschen eingriffen.
Strenge Sitten herrschten einst im Krumbacher „Flussbad an der Kammel“. Bis zum Jahr 1950 war die städtische Badeanstalt für „Männlein und Weiblein getrennt“ in Betrieb.Foto: Stadtarchiv Krumbach/Foto Weiss
Strenge Badevorschriften im Krumbach der 1930er-Jahre
Ganz speziell auf die örtlichen Verhältnisse in Krumbach zugeschnitten war die Badeordnung für Besucher des Stadtbades. Das „Flussbad an der Kammel“ nahe der Brunnenstraße war seit 1924 eröffnet. Neben aus Holz gefertigten Umkleidekabinen gehörten zum „Inventar“ der Badeanstalt etwa 1800 Quadratmeter der Kammel und 2400 Quadratmeter Bodenfläche.
Strenge Sitten herrschten dort nach dem Willen der Stadtväter. Einer Verordnung zufolge waren „Kinder unter sechs Jahren für die Benutzung des Stadtbades in Begleitung der Eltern jederzeit freigelassen“. Sie konnten zusammen mit den Eltern sowohl das Männer- als auch das Frauenbad daneben (ein Bretterzaun trennte beide Abteilungen) besuchen.
Historische Verordnungen und Amtsbekanntmachungen geben Einblick in den Alltag früherer Generationen in Krumbach – vom Badebetrieb bis zum Begräbniswesen.Foto: Stadtarchiv Krumbach/Foto Weiss
Aus seuchenpolizeilichen Gründen wurde Anfang der 1950er-Jahre das Baden in der Kammel verboten; 1955 erfolgte die Schließung des Bades. „Seit’s s’Sterba aufkomma isch, isch ma s’Leaba nimme sicher …“ So sagt’s die schwäbische Spruchweisheit und geht mit dieser Feststellung wohl nicht ganz fehl. Was hingegen einigermaßen gesichert ist, das sind die Leichenmähler; und besonders in ländlichen Gefilden wird dieser Brauch der Verköstigung für Angehörige, Freunde und Vereinskameraden gepflegt.
Warum Behörden die Leichenmähler abschaffen wollten
„Vom Aus der Leichenmähler?“ Das Königliche Bezirksamt Memmingen hatte (wohl zurückgehend bis ins vorletzte Jahrhundert) seinerzeit gewisse „Ausschweifungen“ einigermaßen missmutig registriert und prompt durch Veröffentlichung im Amtsblatt den Schulkindern die Teilnahme an den Leichenmählern strikt verboten. Gleichzeitig wurde versucht, darauf hinzuwirken, „daß diese häßliche Sitte der nicht selten zu Trinkgelagen ausartenden Leichenmähler ganz verschwinde“. Beim Amt hatte man die Überzeugung gewonnen, dass es eine wahre Wohltat für die Bevölkerung wäre, wenn die Leichenmähler, die oftmals zu förmlichen Gastmählern mit mehreren Gängen ausgeartet seien, abgeschafft würden.
Vom östlich der Stadt gelegenen Demeterberg grüßte der „Demeter-Keller“ von Hürben aus in die Stadt. Heute ist dort die Gaststätte „Munding-Keller“ etabliert.Foto: Stadtarchiv Krumbach/Foto Weiss
Den Hinterbliebenen würden bedeutende Kosten erspart werden, während die auswärtigen Teilnehmer an einem Leichenbegräbnis die ihnen allenfalls für Zehrung erwachsenen Unkosten wohl nicht als Last empfinden würden. Auch wäre niemand mehr gezwungen, an einem oft stundenlang dauernden Mahl teilzunehmen und dabei, insbesondere zur Erntezeit, seine Berufsarbeiten zu versäumen. Überhaupt – und mit diesem Argument schloss sich eine Gemeinde dem Vorschlag des hohen Amtes an – „erscheint es ungeeignet, bei tief erschütternden Sterbefällen ein förmliches Festmahl zu halten“.
Das Königliche Bezirksamt selbst gab der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck, „es möge das schöne Beispiel“, das die vorgenannte Gemeinde „mit diesem, einen wahren Fortschritt bedeutenden Beschluß gegeben hat, baldigst vielseitige Nachahmung finden“.
Die Betrachtung im Rückblick festigt die Erkenntnis, dass es wohl beim Wunsch geblieben ist. Man hält’s nun im Schwabenland (und wohl auch drumherum) eher mit der praktischen Erkenntnis, wenn man betont: „Von der Wiege bis zur Bahre – sind die schönsten Lebensjahre …“
Der Westfriedhof und die Entwicklung des Begräbniswesens
„Nur ‚echte‘ Krumbacher werden begraben.“ Apropos Lebensjahre: Die sind bekanntermaßen gezählt – und am Ende, meist in etwa zeitgleich vor dem eben beschriebenen „Leichenschmaus“, findet das Begräbnis statt. Und schon begeben wir uns auf den Krumbacher Friedhof. Nein, nicht wirklich – wir machen einen kurzen heimatgeschichtlichen Rückblick in die Entwicklung des Westfriedhofes. Der Bau stammt aus einer Zeit, in der Bürgermeister Benjamin Miller an der Spitze des Ortes stand, der im Verlauf seiner 30-jährigen Amtstätigkeit einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung Krumbachs leistete. Der Rückblick in die „gute alte Zeit“ zeigt, dass erst wenige Jahre zuvor, im Jahr 1850, der alte Friedhof um die Pfarrkirche „St. Michael“ aufgelassen wurde. Als es Probleme mit der Belegung gab, wurde bei der damaligen „Feldkapelle“ an der Straße nach Babenhausen der neue Friedhof geschaffen, dessen Planung allerdings bereits bis ins Jahr 1730 zurückgeht.
Nach Fertigstellung des neuen Westfriedhofs wurden nur „echte“ Krumbacher weiter im Friedhof an der Pfarrkirche St. Michael“ begraben.Foto: Manfred Keller
Allerdings diente der neue Friedhof 120 Jahre lang nur den neu nach Krumbach gekommenen Familien als Grabstätte; die alteingesessenen Bürgerfamilien behielten ihre Grabplätze bei der Kirche. Dies ging bis zum Jahr 1850. Einzelne mussten sich allerdings auch schon früher mit der Auflassung ihrer Grabstätten einverstanden erklären, da für die Kirche Platz gebraucht wurde und das Schulhaus „an der Friedhofmauer“ in jenen Tagen vergrößert wurde. Der Westfriedhof musste dann ein erstes Mal erweitert werden; gleichzeitig wurde der Friedhof bei der Kirche ganz aufgelassen. Die Entwicklung der Stadt machte es in der Folgezeit erforderlich, im Jahr 1961 einen neuen Teil anzulegen; weitere Vergrößerungen sollten notwendig werden.
Diskutieren Sie mit
XXX 0 Kommentare
hier kommen komentare rein
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren