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Krumbachs Musikgeschichte: Von Militärkapelle zur Musikschule – Tradition in Mittelschwaben

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Musik und Gesang prägen seit jeher die Stadtgeschichte: Wie Krumbach seit Jahrhunderten klingt

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    Die „rühmlich bekannte Knaben-Capelle Krumbach“ bei ihrem Tournee-Abschlusskonzert in München am 10. August 1889.
    Die „rühmlich bekannte Knaben-Capelle Krumbach“ bei ihrem Tournee-Abschlusskonzert in München am 10. August 1889. Foto: Stadtarchiv Krumbach/Foto Weiss

    Nicht erst seit der Einstufung als anerkanntes kulturelles Mittelzentrum und „Herz“ Mittelschwabens qualifiziert sich die Stadt Krumbach, im wahrsten Wortsinn „tonangebend“ zu sein. Tatsächlich werden Musik und Gesang stets gefördert, wird Instrumentalunterricht in guter Tradition gepflegt. Ein Großteil der Bevölkerung huldigte schon immer gerne der Muse des Gesangs und der Musik. Instrumentalmusik und Gesang standen nach dem Urteil aus berufenem Munde auf einer von „Laien selten erreichten Höhe“ und fanden weit über den Heimatkreis hinaus ihre Würdigung.

    Musiktradition in Krumbach: Früh geprägt durch Militärkapellen

    Die Instrumentalmusik pflegten die Landsleute eigentlich schon zu allen Zeiten: Das einheimische Landwehrbataillon, der Vorläufer des Musikvereins, war dafür schon im vorletzten Jahrhundert ein markantes Beispiel. Mit Veranlagung und Zähigkeit brachte hier der pensionierte Militärmusikmeister des bayerischen Jägerbataillons, Esterl, eine erstaunlich leistungsfähige Musikgruppe zusammen. Aus „Freundschaftsgründen“ gastierten sehr häufig Musikmeister des zwölften Infanterie-Regiments; vornehmlich ein Herr von Nesen reihte Krumbacher Musiker in sein Korps ein. Die eigenen Aufführungen in sogenannter „türkischer Besetzung“ waren auserlesene Konzerte und weit über das Kammeltal hinaus bekannt.

    Die Musik des Landwehrballions in den 1830er Jahren. Sie gilt als Vorläufer des Musikvereins Krumbach.
    Die Musik des Landwehrballions in den 1830er Jahren. Sie gilt als Vorläufer des Musikvereins Krumbach. Foto: Stadtarchiv Krumbach/Foto Weiss

    Einige der damaligen Mitwirkenden: Georg Neidhardt, Kling-Goll, Thalhofer, Kaiser senior und junior, Miller, Hörmann, Hilber, Herzog, Weinzierl, Landsberger, Maier, Schleifer, Schiersner, Aletsee, Bayer, Reinauer. Besonders genannt zu werden verdienen Chorregent Stoll als ausgezeichneter C-Trompeter (dem im Übrigen so ziemlich alle Instrumente geläufig waren), Alois Neidhardt als Klarinetten-Solist, Kling-Goll als Althornbläser, Jakob Wolf als der aus Selbstbildung mit eisernem Fleiß gleich gute Flötist wie Geiger; dann nicht zuletzt Kaspar und Toni Altstetter als vortreffliche Bläser.

    Knabenkapelle und Konzertreisen: Höhepunkte im 19. Jahrhundert

    Konzert der ersten Krumbacher Musik- und Gesangschule mit der Aufführung eines von Friedrich Gleitsmann einstudierten Singspiels. Aufnahme etwa Ende der 1920er Jahre.
    Konzert der ersten Krumbacher Musik- und Gesangschule mit der Aufführung eines von Friedrich Gleitsmann einstudierten Singspiels. Aufnahme etwa Ende der 1920er Jahre. Foto: Stadtarchiv Krumbach/Foto Weiss

    Ende der 1880er Jahre wurde auf Anregung der Bevölkerung vom unermüdlich tätigen Chorregenten Stoll eine Knabenkapelle in der Stärke von annähernd 40 Jungen gegründet. Josef Miller, damals selbst „Aktiver im Ensemble“, schreibt hierzu in seinen Jugenderinnerungen: „Nach einer entsprechenden Ausbildungszeit waren wir imstande, kleine Konzerte in und um Krumbach zu geben. Bei lokalen Festlichkeiten wurden wir häufig eingesetzt. Als Ende der Achtzigerjahre die Nachricht von der Genehmigung der Eisenbahn nach Günzburg eintraf, mussten wir die allseits freudigst aufgenommene Kunde mit Musik durch die Straßen tragen. Im August 1889 wurde sogar eine Konzertreise unternommen, die über Mindelheim, Landsberg, Schongau und Weilheim bis nach Augsburg und München führte.“

    Einen genauen Bericht über diese Tournee hatte damals August Friedrich Gräff als 15-jähriger aktiver Mitwirkender verfasst. Das liest sich auszugsweise so: „Erstes Etappenziel der Tournee war am 4. August 1889 Mindelheim („Mittags: Suppe, zwei Leberknödel, Rindfleisch, Rettich und Gurken, Preiselbeeren, geröstete Kartoffeln und eine Semmel“). Ein Telegramm nach Krumbach abgeschickt, welches lautet: „Begeisterte Anerkennung für das Konzert. Kolossale Aufnahme. Herr Andreas Stoll mit seiner liebend Jugend.“ Tags darauf ging’s per Bahn nach Landsberg; Originalzitat Gräff: „Masse Leute im Garten. 85 Mark gesammelt.“ Als letzte Station der Konzertreise wurde München erreicht: „19 Minuten Verspätung am Zentralbahnhof.“ Nach ausgedehnter Stadtbesichtigung ging die Jungenschar in den Eberl-Bräu-Keller und „zu abends, ich ein Brod und eine Maß Bier; um 8 Uhr gingen wir ins Gasthaus den 3 Rosen am Rindermarkt und legten uns ins Bett.“ Der Folgetag begann um 6 Uhr mit wichtigen Tätigkeiten für den jungen Musikanten: „Stiefel und Glarinette geputzt.“ Mehrere Tage weilte die Musikerschar in München und gab täglich Konzerte. Beim Abschlusstermin vor dem Eberlbräu-Keller war „eine Masse Leute, alles zu wiederholen. Wiedemann und Bader zahlen fünf Humpen Bier.“ Die Heimfahrt ging dann über Dinkelscherben. Von dort aus fuhren die jungen Musiker Richtung Heimat „auf Glücks Fuhrwerk. Und brach der Wagen zweimal. Daheim erwartete man uns mit Fackeln und einer Unmasse Menschen. Man marschierte mit Musik hinein ins ‚Kreuz‘. Dort spielten wir noch drei Stück und bekamen noch Bier. Um zehn-einviertel Uhr ging ich nach Hause und ins Bett. Und dann war ich daheim…“

    Musikschule 1924 und Neugründung 1968: Ausbildung mit Geschichte

    Vor mittlerweile gut über hundert Jahren, genau 1924, war es, dass sich ein kleines Kollegium im öffentlichen Leben interessierter Bürger des großen Rufs erinnerte, den die Heimatstadt zuvor bereits in musikalischer und gesanglicher Beziehung genoss. Das Ergebnis war schließlich, eine (erste) Musik- und Gesangschule zu gründen. Der damalige Bürgermeister Herz unterbreitete dieses Anliegen den Ratsherren, die im März 1924 beschlossen, in dieser Sache initiativ zu werden.

    Friedrich Gleitsmann, war ab November 1924 Leiter der ersten Krumbacher Musik- und Gesangschule.
    Friedrich Gleitsmann, war ab November 1924 Leiter der ersten Krumbacher Musik- und Gesangschule. Foto: Stadtarchiv Krumbach/Foto Weiss

    In einem Aufruf wurden die Zielsetzungen deklariert: „Diese Schule setzt sich die Heranbildung ihrer Schüler zu brauchbaren Sängern und Musikanten zur Aufgabe und sucht Freude und Verständnis für edlen Gesang und Musik in alle Kreise der Bevölkerung zu tragen.“ Chorregent Andreas Stoll war die treibende Kraft, und als erster Schulleiter wurde der Krumbacher Heinrich Neidhardt gewonnen, der von 1895 bis 1898 das königliche Konservatorium in Dresden absolviert hatte und dazu das Reifezeugnis für das Dirigentenamt besaß.

    Aufführung des Singspiels „Winzerliesel“ durch den Gesangverein „Liederkranz “ am 21. Februar 1925.  Dieser Termin gilt auch als Manifestation und Geburtsstunde der Krumbacher „Schlorper“-Faschingsgilde.
    Aufführung des Singspiels „Winzerliesel“ durch den Gesangverein „Liederkranz “ am 21. Februar 1925. Dieser Termin gilt auch als Manifestation und Geburtsstunde der Krumbacher „Schlorper“-Faschingsgilde. Foto: Stadtarchiv Krumbach/Foto Weiss

    Nahezu 150 sangesfreudige Krumbacher Buben und Mädchen ließen sich in die Singschule einschreiben; ein Schulgeld wurde nicht erhoben, lediglich auswärtigen Schülern musste der Unterricht monatlich zwei Mark wert sein. Der Instrumentalunterricht war recht „klassisch“ ausgerichtet: „Klavier, Violine, Viola, Cello, Tenorhorn, Clarinette“ wies der Stundenplan aus. Daneben waren auch sogenannte „Abendkurse für Damen und Herren“ ausgeschrieben. Nach dem Tod des Münchner Kapellmeisters Neidhardt im November 1924 ging die Leitung der Sing- und Musikschule auf den Stadtkapellmeister Friedrich Gleitsmann über. Dieser rief auch eine Kammermusikklasse für Erwachsene ins Leben und konnte im Jahr 1931 dem Stadtparlament berichten: „Es steht ein schlagkräftiges Salonorchester, das sich zusammengefunden hat, um in den gegenwärtigen schweren Zeiten um geringes Entgelt der Bevölkerung Musik für jeden Geschmack zu bieten.“

    Die Lokalfrage für eine entsprechende Unterrichtung der Schulzweige indes wurde mehr und mehr zu einer „Calamität“, sodass der Unterricht gelegentlich ins „Privatstudio“ des Herrn Kapellmeisters verlegt wurde. Als Abgeltung für dieses Entgegenkommen beschloss der städtische Finanzausschuss die „kostenlose Abgabe von drei Ster Fichtenholz (Prügel) frei Haus an Herrn Gleitsmann, jedoch nicht klein gemacht“. Kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs und viele Jahre danach war es wieder still geworden um den Hort, „wo für unsere Jugend ideelle Bestrebungen geweckt werden sollen, um sie vor den Gefahren des Müßiggangs fernzuhalten“ – so zitiert aus der Antragsniederschrift zur seinerzeitigen Gründung der Schule vom Jahre 1924.

    Doch auch der im Jahre 1862 gegründete Gesangverein „Liederkranz“ hatte weit über die Stadtgrenzen hinaus einen „guten Klang“. Die Mitglieder waren meistens zugleich Instrumentalmusikanten. „Große Söhne“ des „Liederkranzes“ waren der Hofopernsänger und Heldentenor Gerhäuser der Staatsoper München (Sohn des Apothekers Maier) sowie der Bariton und Hofopernsänger Bauberger (Sohn des gleichnamigen praktischen Arztes). Zu einem vollendeten Musiker entwickelte sich auch der in München lebende Heinrich Neidhardt (Sohn des Säcklermeisters Georg Neidhardt). Er wirkte lange Zeit als Gesanglehrer und als Solorepetitor verschiedener weiblicher Gesangsgrößen. Die gesangliche Begeisterung des Liederkranzes unter der überdurchschnittlichen Stimmführung des begabten Sangesbruders Xaver Mayer, genannt „Xör“, erbrachte immer wieder Preise bei verschiedenen Wettsingen. Musikalisch geschulte Dirigenten wie Oberlehrer Josef Zeiner, Amtsrichter Bachmaier und andere ernteten durchweg positive Kritiken.

    Daneben bildete sich, initiiert von jungen Sängern, ein „Konkurrenzunternehmen“: ein zweiter Gesangverein, „Frohsinn“ genannt, dem von Feuerwehrkommandant Max Reiner das Noten- und Liedmaterial des ruhenden Feuerwehr-Gesangvereins zur Verfügung gestellt wurde. Die „besseren Kräfte“ wurden allerdings später wieder dem „Liederkranz“ einverleibt. Erst neuzeitliche Bemühungen führten 1968 zur Gründung der städtischen Musikschule, die nacheinander von Peter Bosl, Jutta Kerber und Gertrud Zimmermann-Weja geleitet wurde. Mit Ablauf des Schuljahres 1993 hatte der Stadtrat aus Kostengründen das „Aus“ für die Einrichtung beschlossen.

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