Obstsortenerhaltungsgarten Münsterhausen: Neue Streuobstwiese im Landkreis Günzburg angelegt
Münsterhausen
Damit historische Apfelsorten nicht verschwinden: Münsterhausen legt neuen Garten an
Im südlichen Landkreis Günzburg ist ein weiterer Obstsortenerhaltungsgarten entstanden. Das Projekt verbindet Naturschutz, regionale Identität und bürgerschaftliches Engagement.
Streuobstwiesen im Landkreis Günzburg: Beitrag zum Erhalt alter Obstsorten
Im April 2024 bekam der Landkreis Günzburg unter Federführung der Unteren Naturschutzbehörde seinen ersten Obstsortenerhaltungsgarten, den ersten dezentralen Garten dieser Art in Schwaben. Der Garten mit 70 Bäumen befindet sich auf dem Areal Pro in Leipheim, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Fliegerhorstmuseum.
von links: Münsterhausens Bürgermeister Erwin Haider, Benedikt Knaier sowie das Ehepaar Harald und Marina Behr (im letzten Jahr Träger des Naturschutzpreises des Landkreis Günzburg).Foto: Kilian Zagel
Genau zwei Jahre später entstand nun der erste Obstsortenerhaltungsgarten im südlichen Landkreis Günzburg. Er verdankt sich einer Kooperation zwischen dem Streuobstwiesenverbund e. V., vertreten durch seinen Vorsitzenden Harald Behr, und der Marktgemeinde Münsterhausen, vertreten durch Bürgermeister Erwin Haider. Nachdem der Gemeinderat Münsterhausen dem auf 25 Jahre angelegten Pachtvertrag für die Wiese sowie dem von Jakob Nagengast entwickelten Konzept zur Anlage und Pflege der Bäume zugestimmt hatte, pflanzte ein gutes Dutzend Vereinsmitglieder am 18. April 15 Bäume.
Engagement für Artenvielfalt: Bürger pflanzen neue Obstbäume in Münsterhausen
Zum Schutz der Wurzeln bekamen die Bäume einen Wühlmaus-Drahtgitterkorb. Ein Verbissschutz sichert die Rinde, drei Pfähle sorgen für die Standsicherheit der neu eingesetzten Bäume. Um die Wiese, auf der die Bäume angepflanzt wurden, ökologisch aufzuwerten, wird sie mit mehreren Totholzhaufen, Steinhaufen, Benjeshecken und einer Naturhecke versehen.
Die Aktion markierte den Abschluss einer dreijährigen Vorbereitungszeit. Begonnen hatte alles damit, dass Benedikt Knaier 2023 Kontakt zum Streuobstwiesenverbund aufnahm. Benedikt Knaier geht seit 2020 einer außergewöhnlichen Leidenschaft nach: Er fährt mit dem Rad über die Dörfer und sucht nach seltenen alten Apfel- und Birnensorten. Er nimmt Kontakt zu den Besitzern der Bäume auf, erkundigt sich nach Geschmack, Haltbarkeit und Verwendungsmöglichkeiten des Obstes. Anschließend schickt er die Äpfel und Birnen an Fachleute zur Sortenbestimmung.
Naturschutzprojekt mit Zukunft: Obstsortenerhaltungsgärten in Schwaben im Ausbau
Das Wissen und die Kontakte von Benedikt Knaier wurden zur Grundlage für die Idee, einen Obstsortenerhaltungsgarten anzulegen. Im Februar 2024 brachte Benedikt Knaier Edelreiser von 14 heimischen Apfel- und vier Birnbäumen mit und führte gemeinsam mit Bobo Veh und Marlies Hildebrand eine Veredelungsaktion durch (wir berichteten). 51 Obstbäumchen entstanden bei dieser Aktion. Sie wurden zwei Jahre lang im Topf gezogen, 15 davon wurden in den neuen Obstsortenerhaltungsgarten gesetzt.
Es gebe noch reichlich Platz auf der Wiese, meint Vereinsvorsitzender Harald Behr, Benedikt Knaier solle seine Entdeckungstouren weiterhin unternehmen. Noch deutlich mehr alte Obstbäume zu „erneuern“ – das ist das eine Ziel, das Harald Behr und seine Mitstreiter mit dem Obstsortenerhaltungsgarten verfolgen. Der Garten soll zudem ein lebendiger Mittelpunkt werden: Ort für Informationen und Begegnungen, für Veranstaltungen und Aktionen mit dem Zweck, Fachleute zusammenzubringen sowie mehr Bewusstsein in der Bevölkerung für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und den Erhalt der schwäbischen Landschaft zu entwickeln.
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