Josef Lipp, 67 Jahre, aus Rettenbach:
„Ich bin jahrelang bei jedem Wetter auf dem Rad gesessen. Sommer wie Winter, die sechs Kilometer zur Arbeit hin und zurück. Doch wenn man es gewohnt ist, macht einem selbst Regen nichts mehr aus. Der Alltag auf dem Rad hat aber auch seine Tücken. Im Winter werden die Radwege nur abschnittsweise geräumt. Denn der Schneepflug räumt wirklich nur so lang, wie er muss, und keinen Meter weiter. In Günzburg war der Weg oft frei, aber kurz dahinter hörte es einfach auf. Also bin ich oft auf die Fahrbahn ausgewichen, die Straße ist dagegen immer geräumt.
Besonders gefährlich sind Senken und Kurven. Einmal hat es mich unter der Unterführung bei Rettenbach erwischt, eine unscheinbare Linkskurve an einem nicht besonders kalten Tag – und trotzdem so glatt, dass ich keine Chance hatte. An solchen Stellen muss man sich wirklich zurückhalten und die Bremsen gedrückt lassen.
Das zweite große Thema sind die Autofahrer. Viele biegen ab, ohne zu schauen, ob ein Radfahrer kommt, obwohl ich Vorfahrt hätte. Ich suche deshalb immer den Blickkontakt und fahre im Zweifelsfall langsamer, um rechtzeitig bremsen zu können. Als Radfahrer darf man nicht auf seiner Vorfahrt bestehen. Wenn mich ein Auto erwischt, kann der Kopf auf den Asphalt aufschlagen. Und das ist etwas völlig anderes als ein Sturz in der Kurve. Böse Absicht unterstelle ich den Autofahrern dabei nicht, das ist einfach Unachtsamkeit.
Und trotz allem: Nach meinem langen Schultag als Lehrer war das Radfahren immer meine beste Therapie. Der Kopf wird sofort wieder frei, die Fahrt hat mir sehr gutgetan.“
Jana Schlosser, 34 Jahre, aus Krumbach:
„Ich nutze eigentlich für alle Wege das Fahrrad: zum Einkaufen, zur Arbeit, zum Kindergarten, zu den Eltern, zu Freunden. Das Fahrrad ist für mich kein Hobby, sondern Alltag. Als Familie haben wir zudem nur ein Auto, und wenn mein Mann damit bei der Arbeit ist, ist das Rad ohnehin die einzige Option. Aber ich fahre es auch aus Überzeugung, wegen der frischen Luft, der körperlichen Betätigung und des Umweltschutzes. Selbst bei Regen bin ich gerne unterwegs, mit der richtigen Kleidung macht das Spaß, und dieses Gefühl möchte ich auch an meine Kinder weitergeben.
Krumbach hat durchaus ein gutes Netz an kleinen Radwegen und ruhigeren Nebenstraßen, das empfinde ich als echten Vorteil. Doch an den Hauptstraßen wird es schwieriger, vor allem, wenn man mit Fahrradanhänger und Kindersitz unterwegs ist. Dann rückt einem schon mal ein Lkw gefährlich nah. Besonders problematisch sind für mich die Bahnübergänge. Viele davon sind nur für Fußgänger ausgelegt und für meinen Anhänger zu schmal, ich komme nicht darüber, selbst wenn ich das Fahrrad schiebe. Das zwingt mich zu teils erheblichen Umwegen über die Hauptstraße, wo ich dann gemeinsam mit dem Autoverkehr über den regulären Bahnübergang fahren muss. Das ist sehr umständlich.
Auch die erhöhten Randsteine sind ein echtes Hindernis – für mich mit Anhänger, aber auch für Kinder, die noch unsicher fahren und dann absteigen und das Rad hochschieben müssen. Hinzu kommt: Auf vielen Wegen teilen sich Radfahrer und Fußgänger die gleiche Fläche. Kommt einem dann ein Kinderwagen entgegen, wird es mit Anhänger schnell eng.
Ich wünsche mir mehr Barrierefreiheit und klar markierte Radwege an den großen Straßen, so wie es beispielsweise bereits einen an der Lichtensteinstraße gibt. Dadurch werden insbesondere Autofahrer stärker dafür sensibilisiert, den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zu den Radfahrenden einzuhalten. Dabei ist mir immer ein respektvoller Umgang aller Verkehrsteilnehmer untereinander wichtig – unabhängig davon, ob sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Auto unterwegs sind, denn jeder hat seine Daseinsberechtigung und möchte sich sicher fühlen.“
Josef Bäurle, 63 Jahre, aus Günzburg:
„Ich bin im Landkreis Günzburg sehr viel mit den verschiedensten Arten von Fahrrädern unterwegs, wechsel aber auch gerne über die Landesgrenze ins benachbarte Baden-Württemberg, wo bereits hinter Niederstotzingen die Ausläufer der Schwäbischen Alb beginnen. Dort lässt es sich auf vielen verkehrsarmen Nebenstraßen und geteerten Feldwegen herrlich entspannt radeln. Obwohl in unserer Region der Fahrzeugverkehr deutlich höher ist, wurde in den vergangenen Jahrzehnten überproportional ins Radwegenetz investiert, das mittlerweile sehr gut ausgebaut ist. Das muss ich lobend erwähnen.
Trotzdem gibt es natürlich immer noch Lücken und Verbesserungsmöglichkeiten. So befindet sich eine besonders gefährliche Strecke zwischen Remshart und Offingen: Schmale Straße, kurvenreich, viel Verkehr und kein Radweg. Und auch auf dem Radweg von Kleinkötz nach Günzburg, in der sogenannten Munasenke, gibt es eine unübersichtliche Stelle, an der die Radfahrer Vorfahrt gewähren müssen, obwohl die Autofahrer fünf Meter weiter sowieso anhalten müssen. Da habe ich schon mehrere gefährliche Situationen durch querende Pkw erlebt. Die Vorfahrtregelung sollte dort dringend zugunsten des Radverkehrs geändert werden. Zudem gibt es oft hohe Absätze durch Randsteine an querenden Straßen, die insbesondere an Rennrädern zu einem Plattfuß führen können oder nicht ausreichend kenntlich gemachte Metallpfosten, die das Befahren von Brücken oder Straßen durch vierrädrige Fahrzeuge verhindern sollen. Und auch im Stadtgebiet Günzburg ließe sich noch etliches verbessern, um dort das Radfahren attraktiver zu machen.
Was im Laufe der vergangenen Jahre nicht nur mir aufgefallen ist: Das Verhalten der Autofahrer gegenüber Radfahrern ist aggressiver geworden. Das geht über Hupen, Faust zeigen, teilweise bis zu beleidigenden Gesten. Deshalb würde ich mir von diesen Leuten in diesem Moment einen Blickwinkelwechsel wünschen, weil viele von ihnen ja selbst auch Rad fahren. Als Radfahrer ist man eben immer der schwächere Verkehrsteilnehmer.
Ich fahre seit meiner Kindheit Rad, bin aktiver Triathlet und nehme auch oft an Radrennen teil. Für mich ist das Fahrrad die schnellste, sparsamste und stressärmste Art, von A nach B zu kommen, und man lernt dabei regelmäßig nette Leute kennen. Und gut für die Umwelt ist es obendrein!“
Erika Herold, 53 Jahre, aus Berkheim:
„Ich bin im Landkreis Günzburg vorwiegend aus Freizeitgründen mit dem Fahrrad unterwegs. Doch seitdem die Spritpreise so extrem gestiegen sind, auch zunehmend aus praktischen Motiven. Und manchmal bin ich mit dem Rad eben schlichtweg schneller als mit dem Auto. Das Radnetz hier im Landkreis finde ich ehrlich gesagt hervorragend ausgebaut und beschildert. Da würde ich jetzt nicht viel verändern wollen, das ist wirklich positiv hervorzuheben.
Was mich dagegen viel beschäftigt, ist das Miteinander auf den Wegen. Das ist manchmal schön und rücksichtsvoll, aber eben nicht immer. Autos fahren gerade auf den Landstraßen teils erschreckend knapp an einem vorbei, bei großen Lkw hat man gar das Gefühl, vom Fahrtwind mitgerissen zu werden. Andere Autofahrer wiederum nehmen sich vorbildlich Zeit und halten genügend Abstand. Dieses Miteinander wünsche ich mir eigentlich von allen.
Auch unter Radfahrern selbst gibt es Nachholbedarf: Die Klingel wird kaum noch benutzt, Handzeichen beim Abbiegen ebenso wenig. Besonders problematisch ist das eben, wenn mich ein schnellerer E-Bike-Fahrer etwa am Berg überholen will. Diese Ignoranz gibt es hier aber auch bei Autofahrern. Wenn ich etwa kurz am Wegesrand anhalte, um mich mit Komoot zu orientieren, werde ich teilweise angehupt. Dabei wären ein wenig mehr Geduld und positive Kommunikation so einfach.
Brenzlig wird es insbesondere an Kreuzungen, wo Radwege queren: Autofahrer fahren oft bis zur Kreuzungskante vor, ohne zu schauen, ob ein Radfahrer kommt. Blickkontakt aufnehmen wäre eigentlich das Mindeste, aber der fehlt leider oft. Mehr Vorausschau und Rücksicht auf allen Seiten würde vieles sicherer machen.“
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