Startseite
Icon Pfeil nach unten
Krumbach
Icon Pfeil nach unten
Thannhausen
Icon Pfeil nach unten

Thannhausen Stadtpolitik aus Bürgermeistersicht: Sanierung, Infrastruktur und Bürgerwünsche

Thannhausen

Thannhausens Bürgermeister auf nächtlicher Mission: Warum Alois Held der Nachtwächter der Stadt ist

  • |
  • |
  • |
  • |
    Bürgermeister Alois Held an seinem Schreibtisch in Thannhausen. Seit sechs Jahren hat er täglich einiges zu unterschreiben. Das wird auch die nächsten sechs Jahre noch so sein.
    Bürgermeister Alois Held an seinem Schreibtisch in Thannhausen. Seit sechs Jahren hat er täglich einiges zu unterschreiben. Das wird auch die nächsten sechs Jahre noch so sein. Foto: Annegret Döring

    Er traut Hochzeitspaare und ist nachts im Stadtgebiet Thannhausen quasi als „Nachtwächter“ unterwegs. Der Bürgermeister der Mindelstadt hat ein äußerst breites Aufgabenfeld - und er liebt es. Stets liegt viel zu unterschreiben auf seinem Schreibtisch. Dieser Tage hat die zweite Amtszeit von Alois Held in der Mindelstadt begonnen. Über seine erste Amtszeit und die Ziele für die nächsten sechs Jahre sprach er mit der Redaktion.

    Als Alois Held in Thannhausen als Bürgermeister anfing, verfügte er bereits über Erfahrung im Personalmanagement einer Baufirma, war eine Periode im Thannhauser Stadtrat und kannte die Themen. Außerdem hat er eine Ausbildung als Verwaltungsangestellter: „Verwaltung kannte ich also“, sagt der 43-Jährige. Damit war er auch jahrelang in der Bundeswehrverwaltung beschäftigt gewesen. Dennoch könne man nicht planen, Bürgermeister zu werden und darauf hinarbeiten. Es gebe Gelegenheiten und „man entscheidet sich über Nacht, dass man sich zur Wahl stellt“.

    Der Rat seines Vaters sei damals mitentscheidend gewesen, dass er diesen Schritt getan habe. Er sei keiner, der sich vordrängt, aber einer, der es durchziehe, „wenn man sich einmal dafür entschieden hat, mit allem, was kommt“, so Held. Schlag auf Schlag gehe es dann los mit 90 Prozent fremdbestimmten Terminen, die einem schnell den Kalender füllen. Automatisch komme man so ins Bürgermeistergeschäft hinein. Seine Arbeitsstunden messe er dabei nicht. Als Chef habe er aber auch Freiheiten, was das Freinehmen betreffe. „Es ist eine große Ehre für mich, so ein wahnsinnig abwechslungsreiches Amt machen zu dürfen.“ In dieser Wahlperiode komme das Kreistagsmandat hinzu. Verantwortung zu tragen und es sich dabei nicht leicht zu machen, gehöre für ihn dabei dazu.

    Eine besondere Holzkiste birgt eine Vielzahl von Stadtprojekten in Thannhausen in sich

    Nach sechs Jahren im Amt als Bürgermeister hat sich einiges an Projekten angesammelt, die in dieser Amtszeit realisiert wurden. Optisch zutage tritt dies in einer kleinen, als Buch gestalteten Holzkiste mit dem Thannhauser Stadtlogo als Intarsienarbeit darauf. Eine solche erhielten die Stadträte beim Weihnachtsessen von Alois Held. Drinnen liegt ein Stapel Fotos von alldem, was in der vergangenen Wahlperiode wichtig war.

    Eine besondere Holzkiste birgt eine Vielzahl von Stadtprojekten aus Thannhausen in sich als Fotodokumentation der vergangenen Wahlperiode. Bürgermeister Alois Held hatte sie den Stadtratsmitgliedern beim Weihnachtsessen als Geschenk überreicht.
    Eine besondere Holzkiste birgt eine Vielzahl von Stadtprojekten aus Thannhausen in sich als Fotodokumentation der vergangenen Wahlperiode. Bürgermeister Alois Held hatte sie den Stadtratsmitgliedern beim Weihnachtsessen als Geschenk überreicht. Foto: Annegret Döring

    Ein Projekt freut ihn ganz besonders, „dass wir mit der Innenstadtsanierung weitergekommen sind“. Er meint damit die Umgestaltung der Christoph-von Schmid-Straße. Lange Baustellenzeit habe den Anwohnern viel abverlangt, „doch es hat sich gelohnt“, so Held. Man habe jetzt einen sehr attraktiven Straßenraum mit mehr Bäumen als vorher in der Innenstadt. Die attraktive Gestaltung mit Vorbildfunktion der Stadt ziehe Folgeprojekte bei den Anwohnern nach sich, wie den viel besseren Eingang in die Pfarrkirche oder das umgestaltete Bruckschmiedhaus. Das Färberhaus komme besser zur Geltung und auch gegenüber entstehe ein neues Gebäude.

    Wenn es nach ihm gehe, könnte man in Zukunft gleich mit der Bahnhofstraße weitermachen. Aber das müsse dann der neue Stadtrat entscheiden. Für das umstrittene Thema könne man gut Fördermittel bekommen. Wichtig sei ihm, keine Denkmäler zu schaffen, sondern an der Infrastruktur dranzubleiben. Das tue man zum Beispiel bei der Sanierung des Hochbehälters sowie eines Faulbehälters der Kläranlage und Investitionen in die Prozessleittechnik der Wasserversorgung. Auch bleibe man am Thema Umgehungsstraße dran. Die Außensportanlagen am Mindelstadion werden saniert und auch ein neues Wohngebiet in Thannhausen soll bald Thema werden. Für den Breitbandnetzausbau brauche man noch einen Anbieter, der eigenwirtschaftlich ausbaut, da sei man auch dran.

    Womit die Thannhauser zum Bürgermeister in die Sprechstunde kommen

    Die Herabstufung des Naturfreibads zum Badeplatz ohne Eintrittsgeld komme „megagut“ in der Bevölkerung an. Das war notwendig geworden, weil man Schwierigkeiten hatte, genügend Aufsichtspersonal zu finden. Mit dem Badeplatz habe die Stadt einen tollen innerstädtischen Erholungsraum für die rund 6500 Einwohner, der dieses Jahr am 23. Mai öffnet. Held spricht auch über die Thannhauserinnen und Thannhauser. Viele von ihnen hat er inzwischen persönlich kennengelernt: teils beim Haustürwahlkampf, wo er fast 1000 Haushalte besucht hat, bei Bürgersprechstunden, Gratulationen zu runden Geburtstagen oder bei Trauungen, die er als Standesbeamter an Wochenenden immer mal wieder vornimmt. Das sind oftmals „sehr schöne Begegnungen“.

    Sein Ziel sei es, „dass man eine möglichst gesunde Gemeinde in allen Bereichen hat“. Doch bei Anliegen der Bürgerinnen und Bürger stelle er immer wieder fest, dass dabei fast ausschließlich persönliche Alltagsprobleme zur Sprache kämen. Rasenmähende, sägende oder schlecht parkende Nachbarn kämen zur Sprache oder der Hund des Nachbarn, nächtliches Böllern und der Baum vor dem Haus. Aufseiten der Bürgerinnen und Bürger sei oft kein Verständnis da, wenn eine Gemeinde diese Probleme nicht lösen könne. Erklärungen seinerseits zu den Gründen hätten anfangs zu Verständnis geführt, zunehmend gelinge dies aber nicht mehr, stellt Bürgermeister Held fest. Deeskalation und Charme würden bei solchen Gesprächen oftmals helfen, „sodass es insgesamt schon passt“.

    Der Badeplatz Thannhausen an der Badstraße macht dieses Jahr am 23. Mai auf. Das ehemalige Freibad kann ohne Badeaufsicht und auf eigene Gefahr genutzt werden. Der Eintritt ist frei.
    Der Badeplatz Thannhausen an der Badstraße macht dieses Jahr am 23. Mai auf. Das ehemalige Freibad kann ohne Badeaufsicht und auf eigene Gefahr genutzt werden. Der Eintritt ist frei. Foto: Markus Landherr (Archivbild)

    Künftig gehen in der Mindelstadt begonnene Vorhaben weiter. Etwa der Umbau der Mittelschule, der mit einem Kostenansatz von rund 26 Millionen Euro geplant war, wo man im Moment etwa 1,5 Millionen Euro unter Plan sei. Ziel sei, die Fensterfronten am Gebäude vor dem Winter dicht zu bekommen, damit man im Winter weiterbauen könne. Für die nächste Schulverbandssitzung steht schon das nächste Ausschreibungspaket an, so Held, der auch Vorsitzender des Schulverbands ist. Auch beim Hochwasserschutz geht es weiter. Aktuell sei der Haseldurchbruch geschafft.

    Beim ehemaligen Teilungswehr im Süden der Stadt, einem Projekt des Freistaats Bayern, werde man im Sommer fertig. In der Nähe können dann die Bauarbeiten für den Wasserspielplatz beginnen. Auch der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern beschäftigt die Stadt. Ein neues Gebäude soll hier den nötigen Platz bei der Grundschule schaffen. Allerdings seien die damit verbundenen Förderverfahren aufwendig und würden eine Zeitverzögerung mit sich bringen. Den Anspruch auf zehn Wochen Ferienbetreuung habe man mit Nachbargemeinden und Burtenbach auf die Beine stellen können. Drei Wochen solcher Betreuung hatte Thannhausen bereits in der Vergangenheit anbieten können. Nun müsse er nur noch eine Unterschrift für das Projekt einholen.

    Die Sanierung der Mittelschule in Thannhausen wird noch ein Weilchen dauern. Momentan ist man 1,5 Millionen Euro unter Plan, lässt Bürgermeister Alois Held wissen.
    Die Sanierung der Mittelschule in Thannhausen wird noch ein Weilchen dauern. Momentan ist man 1,5 Millionen Euro unter Plan, lässt Bürgermeister Alois Held wissen. Foto: Alexander Kaya (Archivbild)

    Apropos Unterschriften: Die muss der Bürgermeister vielfach leisten. Dicke Mappen stapeln sich dafür täglich auf dem Schreibtisch und er muss immer wieder Pause machen, damit die Hand nicht Schaden nimmt bei der Beanspruchung. Seine „Nachtwächtertätigkeit“ bringt da Abwechslung. Was es damit auf sich hat? Natürlich ist es nicht die originäre Bürgermeisteraufgabe, aber er interessiert sich halt für die Stadt und ihre Bewohner. Held geht nachts mit Taschenlampe ausgerüstet durch Thannhausen. An gewissen Brennpunkten treffen sich Leute, die auch mal laut werden. Diese spricht er an und versucht mäßigend auf sie einzuwirken. Oft gelingt es ihm, selten wird es brenzlig.

    Beim Sicherheitsgespräch mit der Polizei zeigte sich, dass Thannhausen kein Kriminalitätshotspot sei und die Zahlen unterdurchschnittlich für die Stadtgröße. So sagt Held: „Eigentlich ist Thannhausen a ganz schönes Städtle mit guter Lebensqualität, in dem der Bürger alles hat, was man für ein Standardleben braucht.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren