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28.06.2009

150 000 kamen zur "Extraschicht" ins Ruhrgebiet

150 000 kamen zur «Extraschicht» ins Ruhrgebiet
Bild: DPA

Dortmund (dpa) ­ Abwechselnd steigen Fontänen aus Feuer und Wasser aus dem Klärbecken empor, während am Rand vier Musiker ihren elektrischen Violinen sphärische Klänge entlocken.

Der Aktion zur "Extraschicht" auf der Emscherinsel wollte der Wettergott wohl Konkurrenz machen und schickte zum Start der Kulturnacht am Samstag heftige Regenschauer und Blitze vom Himmel. Davon ließen sich 150 000 Besucher nicht abhalten und strömten zu den 40 industriellen Spielorten im Ruhrgebiet. Leicht waren die "Extraschichtler" an einem grünen Armband und den griffbereiten Schirmen zu erkennen.

Ganz passend war Wasser das verbindende Element der künstlerischen Aktionen auf der Emscherinsel, die sich zwischen dem Umspannwerk Recklinghausen und dem Herner Klärwerk abspielten. Kaum ein Besucher wippte nicht mit den Füßen, als die quirligen Frauen der Band "Venusbrass" mit temperamentvollen Rhythmus über die Insel zogen. Dann wirbelten Stelzenläufer ihre überlangen Beine und ein Jongleur seine brennenden Stäbe durch die Luft. "Wir können nicht alle Nummern zeigen, weil es zu nass ist", bedauerte der Leiter des Circus Schnick-Schnack.

Trotz Regen konnten laut Veranstalter bei der neunten "Extraschicht" aber alle rund 120 Veranstaltungen starten. Am meisten bangten die Duisburger Philharmoniker, die mit ihren empfindlichen Instrumenten im Hochofen des Landschaftsparks Nord spielten. Das frühere Industriegelände gehörte zu den Knotenpunkten des Kulturfests. Mit 45 000 Besuchern war die Zeche Zollverein in Essen der beliebteste Anziehungspunkt, denn an dem UNESCO-Weltkulturerbe ließen sich erste Blicke auf mehrere Projekte der Kulturhauptstadt 2010 erhaschen.

150 000 kamen zur "Extraschicht" ins Ruhrgebiet

Neben den bekannten Drehscheiben punkteten auch neue Spielorte. Vor der Zeche Lohberg in Dinslaken hatte sich beim Start der "Extraschicht" eine 150 Meter lange Menschenschlange gebildet, und den neuen Knotenpunkt Emscherinsel wollten manche Besucher gar nicht mehr verlassen: "Ich will noch mal den Erdnussflip sehen" quengelte ein Junge, nachdem die Knabberei bei einem Experiment mit Strom mit einem ohrenbetäubenden Knall vor dem Umspannwerk explodiert war.

Bis in die Morgenstunden drängten sich die Besucher in die zusätzlichen Busse und Bahnen zu den einstigen und heutigen Industriestandorten, obwohl eine einstündige Sperrung der nördlichen Bahnstrecke zwischen Dortmund und Düsseldorf die Pläne einiger Besucher durcheinanderwirbelte. "Gleich zum Hoeschgelände oder noch nach Phoenix West?", fragte sich eine Gruppe mit dem Ziel Dortmund.

Zum Hightech-Standort Phoenix West pilgerten viele Besucher als die französische "Compagnie Off" nach in der Dämmerung ein futuristisches Spektakel präsentierte. Sechs Parabolspiegel auf Kränen überragten die in grünes und rotes Licht getauchten Industriehallen und formierten sich wie von Geisterhand immer neu oder fingen Videoprojektionen ein. Die Inszenierung unterstrich eine Sängerin, die in einer Metallkugel steckte, mit ihrer durchdringenden Sopranstimme.

Nach Mitternacht drangen auch aus dem Dortmunder Fußballstadion noch Fangesänge, die zur erstmaligen Entdeckertour durch die heiligen Hallen von Borussia Dortmund eingespielt wurden. Am Rasen, in der Kabine und auf den Mannschaftsbänken posierten Besucher die ganze Nacht für Fotos. Danach marschierten sie mit geschwellter Brust durch den niedrigen, schwarz-gelben Spielertunnel wieder hinaus in die Nacht der Industriekultur, die erst um zwei Uhr abgepfiffen wurde.

www.extraschicht.de

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