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Ausstellung
27.03.2019

Van Gogh liest Charles Dickens

Die Tate Gallery London zeigt den britischen Einfluss auf den großen Maler

Jahre bevor er ernsthaft zu malen begann, verbrachte der holländische Meister Vincent van Gogh (1853 – 1890) Jahre in London. Der Künstler in spe erforschte die Drei-Millionenstadt zwischen 1873 und 1876 überwiegend zu Fuß, vertiefte sich in Literatur, besuchte Museen und entdeckte die Grafikkunst. Mit der Ausstellung „Van Gogh and Britain“ („Van Gogh und Großbritannien“) füllt die Galerie Tate Britain nun eine Lücke: „Wir erzählen die relativ unbekannte Geschichte von der Wirkung Großbritanniens auf van Gogh und dessen Einfluss auf britische Kunst“, so Tate-Direktor Alex Farquharson.

„Wie ich London liebe!“, schrieb van Gogh 1875 an seinen Bruder Theo. Besonders die sozialkritischen Romane von Charles Dickens hatten es ihm angetan, aber auch George Eliot und Shakespeare. Naturgemälde der Maler Constable und Millais faszinierten ihn ebenso wie die radikale Sozialkritik der grafischen Künstler, angeführt von Gustave Doré. „Mein ganzes Leben ist darauf ausgerichtet, aus den alltäglichen Dingen, die Dickens beschreibt, etwas zu machen“, schrieb van Gogh. Er verdingte sich in London – weitgehend erfolglos – als Kunsthändler, und auch als Lehrer und Prediger. Skizzen von Kirchen, Schulen und Themsebrücken schmückten seine Briefe.

Zu sehen sind in London nun rund 50 Gemälde van Goghs, darunter viele aus Privatbesitz. Sein berühmtes Selbstporträt von 1889, seine Sonnenblumen und Gartenstiefel sowie das von der Themse inspirierte Gemälde „Sternennacht über der Rhone“ (1888) gehören dazu. Es wird einem Nebel verhangenen Themsegemälde von James McNeill Whistler gegenübergestellt. Nach Angaben der Tate ist die Nachhaltigkeit der Londoner Eindrücke auf van Gogh bis zum Ende seines Lebens zu erkennen. „Rundgang der Gefangenen“ (nach Doré) aus dem Jahr 1889 zeuge davon. Im Gegenzug habe van Gogh nachfolgende britische Künstlergenerationen beeinflusst, von Walter Sickert bis Vanessa Bell. Am deutlichsten wird dies an der Serie von Porträt-Studien, die Francis Bacon 1957 von van Gogh schuf (bis 11. August). (dpa)

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