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28.06.2009

Bachmann-Preisträger Jens Petersen im Porträt

Bachmann-Preisträger Jens Petersen im Porträt
Bild: DPA

Wien/Klagenfurt (dpa) - Sein Äußeres scheint in merkwürdigem Kontrast zu seinem Siegertext zu stehen. Hoch aufgeschossen, schlank, volles blondes Haar und ein offener, optimistischer Blick.

Man traut Jens Petersen, dem vor 33 Jahren in Pinneberg bei Hamburg geborenen Schriftsteller und Arzt, der jetzt mit dem 33. Ingeborg Bachmann-Preis (25 000 Euro) ausgezeichnet wurde, diese düstere, schmerzvolle Geschichte kaum zu, die in Klagenfurt - vielleicht als Einzige - alle sieben Juroren überzeugen konnte.

"Bis dass der Tod..." ist ein beklemmender Text, das letzte Kapitel eines noch unveröffentlichten Romans; realistisch fast bis zur Unerträglichkeit; das empfinden selbst die abgebrühten Juroren, die dem angehenden Neurologen mit dem frischen Gesicht einen der wichtigsten Literaturpreise des deutschsprachigen Raums zugesprochen haben. Als "post-apokalyptische Landschaften" beschreibt einer der berufsmäßigen Kritiker seine Schilderungen der hier beschriebenen Verzweiflungstat. Als "hoch-artifiziellen Text" bezeichnet ihn ein anderer Juror, ein "mit unerhörter Kunst geschaffener, lichtloser Raum", meint an Anderer.

Jens Petersen, der schon als Medizinstudent ein Weltenbummler gewesen ist, und der nun in Zürich lebt und arbeitet, gibt zu, dass es nicht zuletzt sein Beruf ist, der ihn zum Schreiben dieser bisher unveröffentlichten Zeilen gebracht hat. Dieser "ziemlich extreme Text" (so der Autor selbst) sei Ergebnis eines Maßes an "Grenzerfahrung, das für einen Arzt größer ist als in anderen Berufen". "Ich sehe in meiner Arbeit viel Schmerz", sagt er - fast entschuldigend. Doch der rege seine Kreativität an. Die nötige Präzision des Mediziners beeinflusst seine Kunst der Beschreibung, bei der er oft das literarische Seziermesser benutzt.

Bachmann-Preisträger Jens Petersen im Porträt

Schreiben sei ihm immer schon ein Bedürfnis gewesen, sagte Petersen in Klagenfurt. Er begann damit bereits als Jugendlicher. Auch journalistisch hat er gearbeitet, doch dann begann er mit dem Medizinstudium in München, Lima, New York und Buenos Aires. Jetzt macht er die Facharztprüfung an der Uni-Klinik von Zürich. Bereits sein erster Roman "Die Haushälterin" (2005, DVA) brachte ihm viele gute Kritiken und dazu den aspekte-Literaturpreis (ZDF) ein, dazu den Bayerischen Kunstförderpreis, den Kranichsteiner Literatur-Förderpreis und 2007 den Evangelischen Buchpreis. Daneben stehen mehrere veröffentlichte Erzählungen ("Torpedo auf sechs Uhr", "Im Auge des Jägers").

Wie stark die Lesung Petersens die Juroren berührte, machte der Österreicher Paul Jandl deutlich. Jandl hatte unmittelbar nach Petersens Vortrag am Freitag erklärt, "ich kann noch nicht entscheiden, ob es ein hochwertiger literarischer Text ist, oder Kitsch!" am Samstag nahm er dieses Urteil dann öffentlich zurück. Petersens Werk, so der Juror, sei ein "ganz ausgezeichnetes Stück Literatur."

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