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Jubiläum

18.11.2017

Berliner Theater-Schönheit

Seit 125 Jahren gibt es das Haus, an dem Brecht Erfolge feierte

Das Theater am Schiffbauerdamm ist mit seinem neobarocken Stil eines der schönsten Theater Berlins, ein Juwel. Als am 19. November 1892 die Eröffnung stattfand, war das Kaiserreich noch jung und das Theater bekannte sich zu einer klassischen Tradition: Gegeben wurde Goethes „Iphigenie auf Tauris“. Aber schon im folgenden Jahr öffnete es sich der Moderne – mit der Uraufführung von Hauptmanns Sozialdrama „Die Weber“ in der Regie von Otto Brahm.

Heute ist es vor allem mit dem politischen Theater Bert Brechts (1898–1956) verbunden. Das begann schon in der Weimarer Republik: 1928 führte der mutige Intendant Ernst Josef Aufricht die „Dreigroschenoper“ erstmals auf. Brechts frecher Text und Kurt Weills zündende Musik machten in der Inszenierung von Erich Engel aus diesem Vorläufer des modernen Musicals den größten Publikumserfolg der Weimarer Republik. Die „Dreigroschenoper“ war brillantes Unterhaltungstheater.

Aber die Attacke gegen den Kapitalismus war nicht zu übersehen. Damit gehörte das Theater am Schiffbauerdamm zur politisch orientierten Avantgarde der 20er Jahre, die von Regisseuren wie Erwin Piscator und Leopold Jessner geprägt wurde. Gegenpol war das poetische Theater Max Reinhardts, der, bis er ins Exil ging, als Intendant das Deutsche Theater in Berlin leitete.

Der politisch orientierte Theaterstil wurde in der NS-Diktatur gestoppt, er konnte sich erst nach 1945 weiterentwickeln. Dazu beigetragen hat der aus dem Exil zurückgekehrte Brecht: Er spielte mit seinem Ensemble zuerst im Deutschen Theater in Berlin, zog dann aber 1954 um an den Schiffbauerdamm. Helene Weigel wurde Intendantin, Brecht künstlerischer Leiter. Berliner Ensemble, Kurzform: BE, war nun der offizielle Name des Theaters. Schnell wurde es auch international berühmt und zu vielen Gastspielen eingeladen.

Das Berliner Ensemble war somit das künstlerische Aushängeschild der DDR. Trotzdem blieb das Verhältnis zur Staatsführung nicht einfach. Das zeigt auch Brechts Gedicht „Die Lösung“ über den Volksaufstand am 17. Juni 1953. Darin heißt es, das Volk habe sich das Vertrauen der Regierung verscherzt: „…wäre es da / Nicht doch einfacher, die Regierung / Löste das Volk auf und/Wählte ein anderes“.

Schon nach dem frühen Tod Brechts im Jahr 1956 und besonders nach dem Tod Helene Weigels 1971 hatte das Berliner Ensemble unruhige Zeiten zu überstehen. Immerhin wurde das Repertoire erweitert, zum Hausautor Brecht kamen nun Autoren wie Heiner Müller, Volker Braun und Strindberg. Die Leiter der Bühne und die Regisseure wechselten immer wieder. Von 1992 bis 1995 gab es sogar eine Fünfer-Intendanz mit drei ostdeutschen und zwei westdeutschen Regisseuren, die nicht richtig funktionierte. Als 1999 Claus Peymann, bis dahin Intendant des Wiener Burgtheaters, die Leitung des BE übernahm, verschaffte er dem Haus wieder großes Ansehen. Der wichtigste Autor des Theaters ist Brecht geblieben.

Für die Nacht vom 18. auf den 19.November lädt das BE zum großen Jubiläumsfest. Motto: „Happy Birthday, altes Haus“. (epd)

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