Newsticker

Jeder zweite Deutsche würde sich gegen Corona impfen lassen
  1. Startseite
  2. Kultur
  3. Bischof Viktor Dammertz hat die Augsburger Diözese befriedet

Nachruf

02.03.2020

Bischof Viktor Dammertz hat die Augsburger Diözese befriedet

Bischof Viktor Josef Dammertz (1929 – 2020) wurde am Heiligen Abend 1992 zum Oberhirten von Augsburg ernannt.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Von 1993 bis 2004 war Viktor Josef Dammertz Bischof von Augsburg. In dieser Zeit gelang es ihm - ruhig aber bestimmt - die aufgewühlte Diözese zu beruhigen.

Er hatte sich schon auf den Ruhestand gefreut, als ihn Papst Johannes Paul II. an Heiligabend 1992 im Alter von 63 Jahren zum Bischof von Augsburg ernannte. Elf Jahre füllte der Ordensmann Viktor Josef Dammertz dann dieses kräftezehrende Amt aus, ehe er an seinem 75. Geburtstag am 8. Juni 2004 davon entpflichtet wurde. Mit 90 Jahren ist Bischof Dammertz am Montagmorgen in seinem Heimatkloster St. Ottilien (Kreis Landsberg) gestorben.

Noch am Aschermittwoch habe er im Kreis der Missionsbenediktiner den Gottesdienst gefeiert. In den Tagen danach aber verließen ihn die Kräfte, berichtet Stefanie Merlin, die Sprecherin des Klosters. 65 Jahre gehörte Dammertz der Ordensgemeinschaft an, war ihr Erzabt von 1975 bis 1977 und dann 15 Jahre lang der Abtprimas der weltweiten benediktinischen Gemeinschaft. Erzabt Wolfgang Öxler würdigte Dammertz als „bescheidenen, ausgleichenden Menschen“, der sich in seiner Zeit als Erzabt von St. Ottilien für die zukunftsfähige Bildung junger Menschen eingesetzt hat.

Bischof Dammertz traf seine Entscheidungen gut beraten, aber entschieden

„Mit Bischof Viktor Josef Dammertz verliert unsere Diözese einen Bischof, der als guter Hirte aufmerksam auf die ihm anvertrauten Schafe gehört hat“, erklärte der zukünftige Bischof von Augsburg, Prälat Bertram Meier. Mit seiner ausgleichenden Wesensart gelang es Dammertz, die nach der Ära von Bischof Josef Stimpfle in Richtungskämpfen aufgewühlte Diözese nachhaltig zu beruhigen. „Die Jahre seiner Amtszeit waren geprägt von seinem Einsatz für die Einheit unter den Gruppen und Strömungen, die es im Bistum gibt“, erklärte Meier.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Bischof Viktor Josef Dammertz war ein Mann der eher leisen Töne. Im Geist seines Ordensvaters Benedikt versuchte er, erst alle Beteiligten anzuhören, ehe er dann gut beraten, aber durchaus entschlossen seine Entscheidungen traf. Für sein Bischofsamt wählte er das Motto: „Für euch – mit euch“. Vor allem lag ihm an einer geistlichen Vertiefung seiner Gläubigen und er rief ein „Jahr der Berufung“ aus.

Dammertz ist am 8. Juni 1929 in Schaephuysen am Niederrhein geboren. Er trat 1953 als Novize in die Erzabtei St. Ottilien ein und studierte Philosophie und Theologie in Münster, Innsbruck und Rom, das er mit dem Doktor in kanonischem Recht abschloss. 1957 wurde er zum Priester geweiht. Von 1960 bis 1975 war Dammertz Generalsekretär der Benediktinerkongregation von St. Ottilien, 1975 wurde er der vierte Erzabt von St. Ottilien. In seiner Amtszeit wurde die bauliche Erweiterung des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums vorangetrieben und es fiel die Entscheidung, sich als eine der ersten Ordensschulen dem noch jungen Schulwerk der Diözese als Schulträger anzuschließen.

2015 kehrte Dammertz nach St. Ottilien zurück

Als Abtprimas der weltweiten Benediktinischen Konföderation bereiste er nahezu alle Kontinente und kannte aus eigener Anschauung, unter welchen Bedingungen die katholische Kirche dort jeweils lebte. Diesen weiten Horizont, verbunden mit großen Sprachkenntnissen bracht er auch in sein Augsburger Bischofsamt ein. „Von ihm habe ich gelernt, als Priester verfügbar und mobil zu bleiben“, erklärte sein ernannter Nachfolger Bertram Meier. Dammertz hatte ihn aus der Position des Stadtpfarrers und Dekans von Neu-Ulm 1996 nach Rom in das Vatikanische Staatssekretariat entsandt und sechs Jahre später wieder in die Heimat zurückgerufen.

Seinen Ruhestand verbrachte Dammertz zunächst in St. Alban am Ammersee. Als er gebrechlicher wurde, kehrte er 2015 nach St. Ottilien zurück. Meier hat ihn dort am vergangenen Freitag noch besucht und mit ihm gebetet. „Er hat mir fest die Hand gedrückt und sich auf die Bischofsweihe gefreut: ,Ich muss nach Augsburg , um dem Bertram die Hände aufzulegen‘.“ Nun wird Dammertz im Augsburger Dom seine letzte Ruhestätte finden.

Lesen Sie dazu auch: St. Ottilien: Die Mönche trauern um Bischof Dammertz

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren