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Buchtipp Frühjahr
05.03.2020

"Der Mangel" von Oskar Roehler: Fast grandios

Oskar Roehler: Der Mangel. Ullstein, 176 Seiten, 23 Euro

Mal ein anderer Roehler: Der Autor und Regisseur erinnert sich in "Der Mangel" an eine Kindheit in ärmlichen Verhältnissen

„Wir waren voll einer heiligen, begierigen Freude, die uns umtrieb und nicht ruhen ließ, aber dass sich diese Freude eines Tages einmal in eine stumpfsinnige Gier und Kompensation eines leeren und völlig in die Irre geleiteten Lebens korrumpieren könnte, davon hatten wir nicht die geringste Ahnung. Im Jahre 1964, als wir fünf Jahre alt waren, waren wir alle gleich.“

Sie waren Kinder der ins fränkische Zonenrandgebiet umgesiedelten Sudetendeutschen, Kinder von Ausgegrenzten, Gebildeten, die fürs schiere Überleben malochen mussten, Kinder des Mangels. Aber das konnte für die, die sich nicht „vom System fressen“ ließen, auch bedeuten: „Niemals würden wir uns nach dieser harten Schule damit begnügen aufzugeben, nur weil der Körper oder der Geist nicht wollte.“ So jedenfalls entstand er, der Berserker, Oskar Roehler , der sich hier wieder erinnert – und inszeniert.

Aber anders als in bisherigen Romanen wie „Mein Leben als Affenarsch“ oder „Selbstverfickung“ ist die Pose des drastischen Regisseurs in „Der Mangel“ über weite Strecken Nebensache. Roehler , inzwischen 61 und berühmt für Filme wie „Der alte Affe Angst“ oder „Elementarteilchen“, versteht es, Szenen und Charaktere so eindrücklich zu zeichnen, dass das Leben fesselt, Heimat, irgendwo zwischen Edgar Reitz und Käthe Kollwitz. Da ist er grandios. Und wird auch erkennbar, als Zögling eines Anthroposophenlehrers, der doch eigentlich ein Faschist war … Zur Leseprobe

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