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05.06.2009

Bühnenverein sieht Theater und Orchester bedroht

Leipzig (dpa) - Der deutsche Bühnenverein sieht eine ganze Reihe von Theatern und Orchestern nach jahrelangem Stellenabbau am Rande ihrer Arbeitsfähigkeit angelangt.

"In den vergangenen 15 Jahren sind über 7000 von einst 45 000 Stellen gestrichen worden, vor allem im künstlerischen Ensemblebereich. Bei weiteren Kürzungen wären die Ensembles nicht mehr arbeitsfähig", sagte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Klaus Zehelein, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Seit Freitag treffen sich in Leipzig rund 250 Theater- und Orchesterchefs und Kulturpolitiker zur zweitägigen Jahreshauptversammlung des Bühnenvereins.

"Das wichtigste Thema ist die Frage nach der Zukunft der Ensemble- und Repertoire-Theater und Orchester", sagte Zehelein. Die reichhaltige deutsche Theaterlandschaft sei seit Jahrhunderten gewachsen. "Viele Länder beneiden uns darum. Sie ist ein Teil unserer Geschichte, den wir nicht aufkündigen dürfen", betonte der Präsident. "Oder sollen wir sagen, wir machen es wie in Italien, wo Berlusconi sich anschickt, die Künste tot zu sparen?" Italiens Regierungs-Chef hatte die staatlichen Mittel für die Kunst drastisch gekürzt.

Von Leipzig solle das Signal ausgehen, dass die Bühnen ein bedeutender Teil der Gesellschaft sind. "Wir wollen noch einmal sehr deutlich klären, welche Arbeit wir leisten", sagte Zehelein. "Wir eröffnen immer wieder neu Erfahrungs- und Spielräume zu einem gemeinsamen Erlebnis, das über das Alltägliche hinaus Möglichkeiten, Wünsche und Sehnsüchte - jenseits vermeintlicher Notwendigkeiten - wachzuhalten vermag." Das Hauptproblem der Theater sei, dass das allgemeine Denken von der Ökonomie bestimmt ist. "Aber die Kunst ist etwas, was sich jenseits des Kosten-Nutzen-Denkens entfaltet."

Bühnenverein sieht Theater und Orchester bedroht

Der Bühnenverein-Chef kritisierte, dass viele Länder und Kommunen die Theaterbeschäftigten beim Verdienst stiefmütterlich behandeln. "Sie verhandeln für den Öffentlichen Dienst und wollen die Ergebnisse dann den Bühnen nicht zugestehen. So müssen Haustarife vereinbart werden, bei denen die am Theater Arbeitenden auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und die Tariferhöhung verzichten", sagte Zehelein. Irgendwann werde die Schere zwischen dem Öffentlichen Dienst und den Theatern zu groß. Besonders betroffen seien die Neuen Bundesländer, wo das Einkommen noch immer niedriger sei als im Westen Deutschlands.

www.buehnenverein.de

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