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Bayerische Staatsbibliothek

07.08.2019

Das "Stern"-Bildarchiv kommt nach München

Peter Thomann porträtiert Paul Breitner als Fußball-Weltmeister 1974.
Bild: Peter Thomann

Die Bayerische Staatsbibliothek hat sich das analoge Fotoarchiv des Magazins "Stern" aus Hamburg gesichert. 2022 soll das Archiv vorgestellt werden.

Yasir Arafat ohne Kopftuch und Willy Brandt im Doppelripp-Hemd beim Rasieren, Mädels in verboten kurzen Röcken oder russische Soldaten 1993 beim Abzug aus Brandenburg. Und natürlich: Romy Schneider mit Zigarette und Weinglas, wie sie ausgelassen in die Kamera von Robert Lebeck lacht, 1981 in Quiberon in der Bretagne. Die Verfilmung dieses irren Drei-Tage-Interviews mit Marie Bäumer hat vor gut einem Jahr Furore gemacht. Die originalen Fotos waren im Stern zu sehen – wie auch alle anderen Zeitzeugnisse. Über 15 Millionen Bilder sind zwischen 1948 und 2001 für das Hamburger Magazin aufgenommen worden, und dieses exzeptionelle analoge Archiv ist nun in München gelandet.

An der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) hat man nicht lange gefackelt, als sich der Verlag Gruner + Jahr von seinen Schätzen trennen wollte. „Uns war sofort klar, dass es hier um nichts weniger als das visuelle Gedächtnis der Bundesrepublik und genauso die Bilder der internationalen Nachkriegsgeschichte geht“, sagt Klaus Ceynowa. Für den Stabi-Generaldirektor kam grundsätzlich nur eine Schenkung infrage.

Stern-Bildarchiv: 1400 Regalmetern Leitz-Ordner und 2300 Umzugskartons

Die Hamburger hatten zunächst noch mit einer Dauerleihgabe geliebäugelt, doch das Know-how der weltweit renommierten bayerischen „Gedächtnis-Institution“ konnte schnell überzeugen. Die Süddeutsche zitierte die Stern-Chefredaktion mit den Worten, in Hamburg hätte keine Institution mit den Möglichkeiten der BSB mithalten können.

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Die BSB kommt bei dieser Übernahme übrigens ohne zusätzliches Personal aus, das Archiv ist in einem guten, geordneten Zustand. Und es müssen auch keine neuen Räumlichkeiten angemietet werden. Die Rede ist von immerhin 1400 Regalmetern Leitz-Ordner und über 2300 Umzugskartons mit Abzügen und Dias. „Wir können intern ein bisschen umstrukturieren und setzen Prioritäten“, erläutert Ceynowa die Situation am Haus, „diese Fotografie ist schließlich eine Jahrhunderterwerbung“.

Fotografen sehen es positiv, dass ihr Lebenswerk auf Dauer bewahrt wird

Zudem hat die Stabi bereits eine große Sammlung mit rund 2,5 Millionen Fotografien, darunter bekannte Porträts oder die Archive, etwa des Architekten Tino Walz, des Journalisten Georg Fruhstorfer, der Kulturchronistin Felicitas Timpe und auch die Sammlung des einflussreichen Hitler-Fotografen Heinrich Hoffmann. Und nein, mit den vermeintlichen Hitler-Tagebüchern wolle man nichts zu tun haben, betont Ceynowa gleich von sich aus, um abwegigen Spekulationen zuvorzukommen. „Es gibt bei dieser Sache auch keinen Pferdefuß“, erklärt der BSB-Chef. „Wir haben uns verpflichtet, mit dem Stern-Archiv so umzugehen wie mit unseren eigenen Beständen und sie bis in alle Ewigkeit zu pflegen – und je nach den finanziellen Möglichkeiten zu digitalisieren.“

Auch die Mehrzahl der Fotografen sehe es positiv, dass ihr Lebenswerk auf Dauer bewahrt würde. Mit den meisten hätte man bereits die Nutzungsrechte geklärt, der Erlös von Vermarktungen würde fifty-fifty geteilt. Und die Honorare seien im üblichen Rahmen, also auch für kleine Verlage und Interessenten zu stemmen.

Vorgestellt wird das Stern-Archiv 2022 in einer großen Schau. Spätestens. „Denkbar wäre auch die Präsentation einzelner Fotografen oder Themen in mehreren Etappen“, sagt Ceynowa. „Denn egal, wonach Sie suchen, Sie finden hier zu allem etwas.“

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