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Konzert in München

16.06.2019

Das war nicht der normale Andreas Gabalier-Wahnsinn in München

Laut ist er allemal - Andreas Gabalier spielte auf seiner Tour zum 10-jährigen Bühnenjubiläum auch in München.
Bild: Heiko Becker, imago (Archiv)

Zum vierten Mal in Folge im ausverkauften Olympiastadion: Beim zehnjährigen Jubiläum sollte es für Andreas Gabalier ganz besonders gut werden. Wurde es aber eher nicht.

Zunächst einmal hat der Steirer an diesem Abend ganz schön Glück gehabt. Denn viele der laut Veranstalter 69.000, laut Gabalier 72.000 Zuschauer im jedenfalls im vierten Jahr in Folge für ihn ausverkauften Olympiastadion werden es direkt auf dem Nachhauseweg noch erlebt haben. Wenn das eigentlich angekündigte Wetter tatsächlich zu jener Zeit am Samstagabend tatsächlich nach München gekommen wäre, wäre es nicht nur ein bisschen nass, ein bisschen ungemütlich geworden. Der heftige Regen, die Blitze und starken Windböen hätten die große Volks-Rock'n'Roll-Party durchaus vermiesen können. Taten sie aber nicht – und der 34-jährige Held dankte denn auch während des dreistündigen Konzerts innig gen Himmel.

Denn er hatte ja Großes vor. Nicht nur, dass er eben wieder die volle Hütte zu seinen Füßen liegen hatte, abertausende Frauen in Dirndl, abertausende Männer in Lederhosen, jung wie alt, ganz so, wie er es in seinen Lieder und dazwischen in Ansprachen ja verkündet, dass es zu sein hat in einer Welt, die noch in Ordnung ist.

Und nicht nur, dass dieser Auftritt in München diesmal erstmals so etwas wie das Zentrum einer ganzen Reihe von Stadionkonzerten darstellt, die er zu seinem zehnjährigen Karrierejubiläum nun wagt – und offenbar auch da gewinnt, die ersten Konzerte in Frankfurt und Berlin ein Erfolg, für die weiteren etwa in Nürnberg und Gelsenkirchen und Stuttgart und Wien gibt es höchstens noch Restkarten. Nein, es sollte hier in München ja gleich auch noch „ein Denkmal“ für seine Bewegung der Volks-Rock'n'Roller entstehen.

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Andreas Gabalier in München: Moderator probte mit dem Publikum die Grade der Begeisterung

Nachdem Gabalier auch schon bei „MTV unplugged“ aufgetreten ist: Hier in München wurde nun für eine große, eigene Live-DVD aufgezeichnet. Und dass das keine halben Sachen sind, die dabei rauskommen sollen, betonte der Sänger wiederholt mit dem Hinweis, dass das ein Landsmann und weltweit erfolgreicher Brausehersteller und Milliardär und Medienunternehmer und Sportsponsor in die Hand genommen hat, die Nennung von Marke und Namen kam auf der Bühne jedenfalls nicht zu kurz.

Und der Hinweis auf den Dreh auch nicht. Schon vor Show-Beginn probte ein Moderator mit dem Publikum die drei Grade der totalen Begeisterung – und auch Andreas Gabalier erinnerte immer wieder daran, dass die Fans „verantwortlich“ seien für die Gestaltung dieses Denkmals. Es sollte also etwas ganz Besonderes werden, das diese ja tatsächlich wahnsinnige Entwicklung des Phänomens Gabalier zum Zehnjährigen am Höhepunkt dokumentierte.

Zumal sich nach dieser Tournee Andreas Gabalier ja in eine noch nicht zeitlich benannte Pause verabschiedet und den vier Konzerten in Folge in München 2020 erst mal sicher kein fünftes folgen lassen wird...

Gabalier entschuldigt sich für "zwei, drei oder fünf" Fehler

Am Publikum hat es nun nicht gelegen, dass es nicht der perfekte Abend geworden ist. Man muss ja nicht extra betonen, dass spätestens bei „Hulapalu“ die Arena Kopf steht, aber auch schon bei „Hallihallo“ oder eigentlich ja von Beginn an: Da kommt der Triumphator einfach seitlich in die Arena spaziert und bahnt sich seinen Weg durch die kreischende Masse.

Und dieses Publikum nimmt das da bereits in den Fanfaren angespielte „Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen“ im Lauf des Abends immer wieder bereitwillig auf. Es ist nach „Volks-Rock'n'Roller“ als zweitem und „I sing a Liad für di“ als viertem Song sowieso schnell auf Touren gebracht. Dieses Publikum erhebt sich sogar, wie Gabalier fordert, zu seinem in Pianoversion vorgetragenen „Steirerland“, als wäre es tatsächlich eine Hymne. Und es lässt zum abschließenden, zuverlässig rührenden „Amoi seg' ma uns wieder“ die gewünschte „Kirchenatmosphäre“ bei andächtiger Stille einkehren. Nicht wenige weinen da eh.

Auch die Band und die Bühne liefern das stimmige Spektakel, ein bisschen Feuerfirlefanz inklusive. Allein Andreas Gabalier, ihm selbst macht der Druck des Besonderen an diesem Abend offenbar am meisten zu schaffen. Er entschuldigt sich sogar für „zwei, drei oder fünf“ Fehler, die er sich geleistet hat – der witzigste davon: Als er beim Übergang von einem Song zum anderen das Akkordeon abgibt und die Gitarre umlegt, daraufhin zu singen beginnen will, bis er merkt, dass er das Mikrophon mit dem Akkordeon abgegeben hat, also gar kein Mikro auf seinem obligatorischen Geweih-Ständer steckt.

Laut ist noch gleich gut: Gabalier röhrt mit voller Wucht

Aber neben weiteren Kleinigkeiten kommt eben auch noch dazu, dass Gabalier durchaus schon mal besser gesungen hat als an diesem Abend, vor allem in der ersten Hälfte, nach der er sich dann auch mal für eine Pinkelpause verabschiedet, während Fotos seiner bisherigen Karrierehöhepunkte über die Bühnenleinwand laufen. Es ist eigentlich wie mit dem Sound des Abends auch: Selbst in großen Arenen wie dem Olympiastadion ist laut noch nicht gleich gut. Der Sound also ist ziemlich laut, aber nicht besonders gut – und Gabalier röhrt mit voller Wucht, aber auch nicht besonders gut, und dafür im ruhigeren eher noch heiserer als sonst.

Natürlich bleibt der Abend trotzdem eine große Party, natürlich gehen Zehntausende trotzdem glücklich und trocken nach Hause. Und vielleicht fällt auch das jetzt schon wieder für den Star wie manchen Fan unter eine Form von Kritik, die dem „einfachen Steier Buam“, als der er sich ja so gern bezeichnet, auf bösartige Weise nicht gerecht wird.

Wie immer jedenfalls nimmt er vor seinem die Grundzüge der repräsentativen Demokratie kritisierenden und bei „MTV unplugged“ ja auch mit Xavier Naidoo gesungenen „A Meinung haben“ in viel konzentrierterer Rede als bei seinen sonst im Lauf des Abends eher ausfransenden Äußerungen auf, dass er mit wachsendem Erfolg ja in Zeitungsartikeln auch immer wieder kritisiert worden sei, obwohl er doch nur sage, was „normal denkende Leute“ eben denken – aber dass das heute eben offenbar nicht mehr so normal sei.

Aber nein, für diesmal geht es ja gar nicht um irgendeine gesellschaftliche Ordnung, nicht um Namen wie Strache, die man ja nennen könnte, sondern bloß um die Bewegung der Volk-Rock'n'Roller, die Andreas Gabalier auch dafür lobt, dass all die Ordnungsdienste wie auch die Polizei nur das Beste über sie zu berichten wüssten. Und um ihren Frontmann, der sich das Großartigste vorgenommen hatte für diesen „ganz besonderen Abend“, wie er von Anfang an betont – und dann eben „weiche Knie“ hatte, wie er am Ende zugab. Und das ist ja mal wirklich ganz normal, also vielleicht halt nicht ganz so Wahnsinn.

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18.06.2019

Sehr geehrter Herr Schütz,

zum Glück, muss ich wohl sagen, bin ich heute erstmals auf eine Konzertkritik von Ihnen gestoßen.
Selten so etwas Übles gelesen.
Man kann Fan von jemandem sein oder eben nicht. Aber haben Sie nicht die Aufgabe, frei von eigenem Empfinden den Leser zu informieren? Aber da irre ich mich wohl…
Ich möchte ein paar kleine Korrekturen aus meiner Sicht zu Ihrem Artikel anführen:
Das Konzert war richtig gut, es sollte gut werden und es hats geschafft. Da ich bei jedem der 4 Konzerte anwesend war, erlaube ich mir dieses Urteil.
Ja, das Wetter hat gepasst – wahrscheinlich haben „die“ selbst im Himmel Angst vor den ganzen Rechten, die sich hier im Olympiastadion versammelt haben, um Ihrem Idol zu huldigen (Ironie aus). Gönnen sie es einem Künstler nicht, Glück mit dem Wetter zu haben, wo doch sehr viel Arbeit in so einem Konzert steckt? (in jedem Fall deutlich mehr, als in Ihrem Artikel)
Ob 69000 oder 72000, wen interessierts?! Ist das Neid oder wie muss man diese Äußerungen einstufen?
Bei jeder Fernsehklatscheraufzeichnung der ÖR proben speziell dafür eingestellte Leute mit dem extra ausgewählten Publikum die „Klatscher“, damit der TV-Zuschauer dann auch wirklich ein realistisches Bild der Sendung bekommt (wieder Ironie aus). Hier im Olympiastadion haben alle nur zu gern mitgemacht und es hat der Partystimmung keinen Abbruch getan.
Bühne, Band, Spektakel – alles perfekt, ein paar Fehler – sie seien ihm gern verziehen, denn live ist eben live und auch darum gehen wir zum Konzert.
Und ja, es ging an diesem Abend um unseren Volk-Rock'n'Roller, und wir haben ihn gern gefeiert und gönnen ihm den Erfolg von Herzen, denn der kam nicht von allein. Dafür brauchts harte Arbeit. Aber davon verstehen Sie ganz offensichtlich nichts.
Und… man muss die Probleme Österreichs an diesem Abend nicht beim Namen nennen, dafür sorgt schon unsere Presse. Darauf kann man sich ja wirklich verlassen!
Solche Leute... solche Schreiberlinge wie Sie, sind mir ein Graul. Toleranz einfordern, aber wenn eine Meinung nicht ins Bild passt, dann wird solange drauf rumgehackt, bis sie sich hoffentlich ändert. Aber sie können sicher sein, den Gefallen tun wir Ihnen nicht.

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17.06.2019

Sehr geehrter Herr Schütz,
dass Sie kein Gabalier-Fan sind, zeigen Ihre Berichte und Kommentare wenn es um den sog. "Volks-Rock´n-Roller" geht! Nach jedem Konzert blasen Sie mit Ihren Berichten in ´s gleiche Horn, das langweilt langsam.
Das er ein Künstler ist der polarisiert ist völlig ok, ich kann Helene Fischer auch nicht ausstehen, aber es gibt halt nun mal die Menge die den Künstler mag und solche die es nicht tun, zu letzteren gehören ganz offensichtlich Sie!
Auch de Leier vom Lied " a Meinung haben" ist immer dieselbe.....
Ich weiß Gabalier, Rammstein, etc... alles Rechte!!
Das bein einem Live Konzert nicht alles richtig laufen muss ... ja deshalb ist es Live, dass der Künstler Promotion macht, für seine neue DVD, auch normal, oder? Jeder Sänger, Comedian macht in eigener Sache Werbung während der Veranstaltung. auch für Sponsoren die solche Events sponsoren! Gut ich bin auch kein Freund vom Brausehersteller und seinen Millionen, aber er hat nun mal das Geld und investiert es in diverse Events und im Sport ... am besten alle Enteignen (wie es manchen Politiker fordern) ... :-)
Ganz ehrlich, es war eine Megaveranstaltung, beim dem drum herum, zumindest was ich mitgekommen habe, alles funktioniert hat, das Publikum von Jung bis alt mitgerissen hat und ... saublöd..... auch noch das Wetter gehalten hat, lach
Wäre das angekündigte Unwetter gekommen, hätte es vielleicht im schlimmsten Falle zu einem Abbruch geführt, und Sie hätten nichts zum schrieben gehabt, außer dass der Wettergott offensichtlich kein Gabalier-Fan gewesen wäre; war er aber!!!!!

Ein bisschen mehr Objektivität täte gut, die Berichte der letzten Jahre von Ihnen lesen sich alle gleich, es war nicht alles schlecht, man muss nicht alles mögen, bin gespannt auf den Bericht nach dem 5. Konzert in München, sofern es dies geben wird irgendwann, ich kann mir den Text hierzu schon vorstellen......

Nichts für ungut: Eben "a Meinung haben"

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16.06.2019

Also ich muss sagen, als nicht-gabalier Fan gibts mit Sicherheit einiges was nicht so gelaufen is wie’s vielleicht bei nem normalen Konzert gewesen wär, es war schon einiges gestellt für die Kamera.
Aber trotz allem wars ein Mega geiles Konzert und d gabalier hat alles gegeben und gezeigt dass er einfach der geilste is.
Man kann zwar Kritik äußern, aber dann alles Positive einfach weg zu lassen geht nicht!

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17.06.2019

Ich kenn den eigentlich gar ned.. gut Hulapalu oder so...nur seine Äußerungen in den sozialen Medien. Und da gilt: wer nicht mit dem Mainstream schwimmt wird niedergeschrieben (edit/mod)

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