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Bertolt Brecht Literaturpreis 2016

24.02.2016

Der Brechtpreis 2016 geht an Lyrikerin Silke Scheuermann

Lyrikerin Silke Scheuermann bekommt den Bertolt Brecht Literaturpreis 2016 überreicht.
Bild: Schöffling & Co.

Der Brechtpreis 2016 wird an die Schriftstellerin Silke Scheuermann vergeben. Zu Brecht hat die 42 Jahre alte Lyrikerin ein ambivalentes Verhältnis.

Die Lyrikerin Silke Scheuermann wird mit dem Bertolt Brecht Literaturpreis 2016 der Stadt Augsburg ausgezeichnet. Die Stadt vergibt den Preis zum achten Mal, mit Scheuermann wird nach der Dramatikerin und Prosa-Schriftstellerin Dea Loher zum zweiten Mal eine Frau mit dem mit 15.000 Euro dotierten Preis bedacht. Der Brechtpreis wird alle drei Jahre im Rahmen des Brechtfestivals an Menschen verliehen, die sich durch kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart in ihrem literarischen Schaffen ausgezeichnet haben. Die Verleihung des Bertolt Brecht Literaturpreises 2016 findet am Freitag, 26. Februar, im Goldenen Saal im Rathaus statt. Beginn ist 20 Uhr. Der Eintritt ist frei, Karten sind in der Bürgerinformation am Rathausplatz erhältlich.

Ähnlich wie Bertolt Brecht glänzt Silke Scheuermann, 1973 in Karlsruhe geboren und heute bei Frankfurt am Main lebend, durch Vielseitigkeit. Sie hat als Lyrikerin mit ihrem Gedichtband „Der Tag, an dem die Möwen zweistimmig sangen“ im Jahr 2001 die literarische Bühne betreten und danach einen Erzählband („Reiche Mädchen“), drei Romane („Die Stunde zwischen Hund und Wolf“, „Shanghai Performance“, „Die Häuser der anderen“), ein Kinderbuch („Emma James und die Zukunft der Schmetterlinge“) vorgelegt. Vor allem aber hat sie immer Gedichte geschrieben, versammelt in den Bänden „Der zärtlichste Punkt im All“, „Über Nacht ist es Winter“, „Skizze vom Gras“.

Bertolt Brecht Literaturpreis 2016: Scheuermann kann sich auch Theaterstück vorstellen

Als Dramatikerin ist sie bislang nicht in Erscheinung getreten. „Das liegt auch daran, dass ich die Kontrolle über meine Texte behalten möchte“, sagt sie im Gespräch. Ein kleinerer Monolog sei einmal entstanden. Ansonsten gehe sie unheimlich gern ins Theater und mache sich als Schriftstellerin Gedanken, ob sie als mögliche Dramatikerin ihre Texte komplett zur Inszenierung freigebe oder ob sie lieber mit dem Regisseur und der Bühne gemeinsam daran arbeite. „Das halte ich mir noch offen.“ Scheuermann schließt also nicht aus, dass es irgendwann einmal auch ein Theaterstück von ihr geben könnte.

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Eine große Überraschung sei es für sie gewesen, den Augsburger Brechtpreis zugesprochen zu bekommen. „Dass es ein Lyriker wird, hätte ich nicht gedacht“, sagt Scheuermann. An sich selbst habe sie in ihrem letzten Gedichtband beobachtet, dass da von ihrer Seite aus auch Gesellschaftskritik in ihre Lyrik einfloss, ein Punkt, an dem es eine Nähe zu Brecht gebe. „Da geht es mir darum, aktuelle Bezüge in Naturgedichten herzustellen.“

Nahe gekommen ist sie dem Werk Brechts in ihrem Studium der Theater- und Literaturwissenschaft in Frankurft am Main, Leipzig und Paris. Als sie 2006 in einer Diskussionsrunde am abc-Brecht-Festival in Augsburg teilnahm, setzte sich Scheuermann ab von Brecht. Über dessen Liebesgedichte sagte sie, sie seien in ihrem antibürgerlichen Gestus verbraucht. In dem Kontext präsentierte sie ihr nebenstehendes Gedicht „Brechts Lederjacke“.

Brecht war auch ein bedeutender Lyriker

Die Jury, in der unter anderem die Literaturkritiker Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung), Hubert Spiegel (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Uwe Wittstock (Focus) sowie der Theaterintendant Armin Petras (Schauspiel Stuttgart), der Literaturwissenschaftler Mathias Mayer (Uni Augsburg), Brechtforscher Jürgen Hillesheim (Augsburg) und Thomas Weitzel (Kulturreferent der Stadt Augsburg) vertreten waren, hob hervor, dass Brecht nicht nur als Theatermann in Erscheinung getreten sei, sondern auch als bedeutender Lyriker. Vor diesem Hintergrund werde mit Silke Scheuermann eine Schriftstellerin ausgezeichnet, „die vornehmlich mit ihrer Lyrik in subtiler, niemals dogmatisierender Weise das Zeitgeschehen in filigran-kraftvoller Metaphorik deutet und kommentiert und dabei eine sehr eigene und außerordentlich hohe ästhetische Qualität ihres Werkes erreicht“. In ihren utopischen Gedichten spiegele sich in faszinierender Weise die Gegenwart.

Das Brechtfestival 2016 findet vom 28. Februar bis zum 6. März 2016 statt.

Brechtfestival 2016: Das Programm im Überblick  

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