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Gala

11.12.2017

Der Film für alle Fälle

Beim Europäischen Filmpreis holt „The Square“ eine ganze Reihe von Trophäen

Erst die Goldene Palme von Cannes und die Nominierung für den Auslands-Oscar, jetzt die Ehrung als bester europäischer Film des Jahres. Die schwedische Gesellschaftssatire „The Square“ von Ruben Östlund räumte bei der Verleihung des 30. Europäischen Filmpreises aber nicht nur in der Königskategorie ab. Fünf weitere Trophäen holte die in der Kunstszene spielende Komödie. Für die Deutschen gab es am Samstagabend in Berlin nur einen Trostpreis. Maria Schrader erhielt für ihr Stefan-Zweig-Biopic „Vor der Morgenröte“ den Publikumspreis.

Keine Chance gegen die starke Konkurrenz hatte dagegen die deutsche Schauspielerin Paula Beer, die für ihre Rolle in dem Drama „Frantz“ von François Ozon als beste Darstellerin nominiert war. In dieser Kategorie gewann die in Freudentränen aufgelöste Alexandra Borbély für ihre Rolle in dem ungarischen Berlinale-Gewinner „Körper und Seele“. Auch Regisseur Simon Verhoeven hatte kein Glück. Er war mit seinem Flüchtlingsfilm „Willkommen bei den Hartmanns“ in der Kategorie Beste Komödie nominiert – und verlor gegen den großen Sieger des Abends, „The Square“, der damit sowohl den Spielfilm- als auch den Komödienpreis einheimste.

Mit „The Square“ (Das Quadrat) setzte sich der unterhaltsamste und bissigste Film dieses insgesamt starken Jahrgangs durch. Hauptdarsteller Claes Bang wurde zu Recht als bester Schauspieler geehrt gegen die Konkurrenz etwa von Colin Farrell und Josef Hader durch. Der Däne Bang spielt einen Museumschef in der Sinnkrise, der mit seinen eigenen Vorurteilen konfrontiert wird. Der Film erzählt von der vermeintlich toleranten westlichen Wohlstandsgesellschaft und hält den Zuschauern den Spiegel vor. Weitere Preise für den Film gab es in den Sparten Regie, Drehbuch und Szenenbild.

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Die französisch-amerikanische Schauspielerin Julie Delpy nahm den Preis für einen „Europäischen Beitrag zum Weltkino“ entgegen. Per Videobotschaft gratulierte ihr der amerikanische Schauspielkollege Ethan Hawke, mit dem sie mehrmals drehte („Before Sunrise“, „Before Midnight“). „Ich bekomme diesen Preis für das Überleben in diesem Geschäft“, meinte Delpy mit Blick auf die Situation von Frauen in der Filmwelt. Bei der Party nach der Gala wollte sie Tombola-Lose zur Finanzierung ihres neuen Films verkaufen. Der Gewinner sollte ein Frühstück mit ihr bekommen. Das erste Los kaufte Comedian Thomas Hermanns, der als Moderator durch die Gala führte.

Die Rede von Akademiepräsident Wim Wenders zum 30. Filmpreis-Geburtstag fiel explizit politisch aus. Der sichtlich aufgewühlte Regisseur hielt eine flammende Rede für Europa und gegen erstarkenden Nationalismus. Den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhielt der sehr gerührte russische Regisseur Alexander Sokurow („Vater und Sohn“). Er nahm die Auszeichnung aus den Händen der polnischen Regie-Altmeisterin Agnieszka Holland entgegen.

Erneut machte sich die Filmakademie für den inhaftierten ukrainischen Regisseur Oleg Senzow stark – dieses Mal mit Unterstützung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, der im Publikum saß. (dpa)

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