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31.01.2019

Der Preisträger muss draußen bleiben

Australien ist weit: Internierungslager auf einer pazifischen Insel für Geflüchtete, die in Australien Schutz suchen.
Bild: dpa

Australien Ein Flüchtling wird für seine Texte doppelt ausgezeichnet. Einreisen darf er nicht

Melbourne Einer der wichtigsten australischen Literaturpreise geht in diesem Jahr an einen kurdischen Flüchtling, der seit Jahren auf einer abgelegenen Pazifik-Insel ausharren muss. Der iranische Kurde Behrouz Boochani bekam am Donnerstag in Melbourne den Literaturpreis des Bundesstaats Victoria zugesprochen. Die Auszeichnung ist mit 100000 australischen Dollar (etwa 63500 Euro) dotiert. Boochani konnte sie nicht selber entgegennehmen. Er darf die Insel Manus, wo er seit 2013 lebt, nicht verlassen.

Der Asylbewerber bekam den Victorian Prize für Literature für „No Friend But the Mountains: Writing from Manus Prison“ (in etwa: „Kein Freund außer den Bergen: Texte aus dem Gefängnis Manus“). Zudem wurde sein Erstlingswerk mit dem Preis als bestes Sachbuch bedacht, dotiert mit weiteren 25000 Dollar (knapp 16000 Euro). Nach Medienberichten ist dies die höchste Preissumme, die bislang in Australien für Literatur vergeben wurde.

Boochani schrieb das Buch nach Angaben seines Verlags mit SMS-Nachrichten, die er aus Manus an Helfer in Australien schickte. Die Insel gehört zu Australiens Nachbarland Papua-Neuguinea. Australien bringt dort seit 2013 Asylsuchende unter, die mit Booten versucht hatten, ins Land zu kommen, aber nicht hereingelassen wurden. Die Bedingungen dort werden von Ärzten und Flüchtlingshelfern als menschenrechtswidrig angeprangert. Australien steht deshalb auch international in der Kritik.

In Abwesenheit Boochanis nahm sein Übersetzer Omid Tofighian den Preis entgegen. Der Preisträger selbst sprach in einem Interview der Zeitung The Age von „paradoxen Gefühlen“. „Ich will das nicht feiern, solange ich um mich herum immer noch so viele unschuldige Menschen leiden sehe“, sagte er. „Gebt uns Freiheit. Wir haben keine Verbrechen begangen. Wir suchen nur Asyl.“ Australien hielt er vor, eine „barbarische Politik“ zu betreiben.

Boochani hatte mehrere Jahre lang mit hunderten anderer Flüchtlinge in einem Auffanglager hinter Stacheldraht gelebt. Nachdem Papua-Neuguineas oberstes Gericht das Lager für illegal erklärt hatte, ist er nun anderswo auf der Insel untergebracht. Nach Angaben seines Verlags hat er vom Studium in Teheran einen Abschluss in Politikwissenschaften. Er bezeichnet sich als Journalist, Schriftsteller und Filmemacher. (dpa)

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