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17.05.2018

Der Spalter ist zurück in Cannes

Lars von Trier

Wieder umstritten: Lars von Trier

„Unerträglich“, „grausam“: Das waren Reaktionen von Zuschauern, die Lars von Trier, 62, mit seinem Film „The House that Jack built“ über einen Serienkiller in Cannes aus der Vorführung geekelt hat. Wieder ein Skandal, nachdem der Däne wegen Hitlersprüchen zuletzt vom Festival verbannt worden war? Dank Werken wie „Dogville“ und „Dancer in the Dark“, für den er in Cannes 2000 die Goldene Palme erhielt, gilt der Däne aber auch als Meister seines Fachs. Sein neuer Film mit Matt Dillon und Bruno Ganz wurde beim Festival außerhalb des Wettbewerbs gezeigt.

Soll Ihr Thriller schockieren?

Ich versuche immer, so weit wie möglich zu gehen. Das Publikum kann aus der Vorführung gehen oder nicht. Aber Dinge, die im wahren Leben passieren, sind schlecht, übel und böse. Und das sollte in Filmen erzählt werden, gleich ob Fiktion oder nicht.

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Es stört Sie also nicht, wenn die Zuschauer vorzeitig Ihre Filme verlassen?

Das ist gut so, denn das bedeutet, dass der Film etwas bewegt, zu denken gibt.

Sie wurden vor sieben Jahren wegen Ihrer Aussage, dass Sie ein „ein bisschen“ mit Adolf Hitler sympathisieren, in Cannes zur unerwünschten Person erklärt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich denke, ich bin Opfer von Twitter geworden. Das war sehr schmerzlich. In meiner Heimat hätte man mich richtig verstanden. Ich war naiv, denn Frankreich hat große Probleme mit seiner Vergangenheit und dem Vichy-Regime. Ich hätte das wohl eher noch in Deutschland sagen können, nicht aber in Frankreich.

Hat Sie das überrascht, dass Sie seit diesem Skandal im Jahr 2011 wieder nach Cannes geladen wurden?

Damit habe ich nicht gerechnet. Das war ebenso überraschend, wie zur Persona non grata erklärt zu werden. Aber eigentlich bin ich sogar etwas stolz darauf, denn ich kenne niemanden außer mir, der diesen Status erhalten hat. Nicht mal Harvey (Weinstein).

Was halten Sie von der MeToo-Debatte, die immer größere Kreise zieht?

Niemand kann fehlerfrei durchs Leben gehen. Jeder hat irgendwann einmal etwas zu bedauern. Aber das ist eine gute Idee, dafür ist auch das Internet gemacht. Ich sehe darin aber auch Gefahren. Menschen werden schuldig gesprochen ohne Richter.

Ist Ihr aktueller Film mehr noch als die vorherigen ein Selbstporträt?

Er ist nicht als Selbstporträt gedacht. Aber ich finde mich in allen Charakteren wieder. In dem des Serienkillers Jack am meisten. Er glaubt, dass er ein Künstler ist, und das glaube ich auch von mir.

Sabine Glaubitz, dpa

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