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13.08.2018

Der Terror und die Pop-Prinzessin

Inzwischen 25 und nun kein Mädchen mehr: Ariana Grande.
Foto: Universal

Ariana Grande Beim Anschlag auf ihr Konzert in Manchester starben letztes Jahr 22 Fans. Jetzt ist die Sängerin zurück

Der Tod und das Mädchen – dieses Nebeneinander von Sterblichkeit und blühendem Leben hat in der Kunst große Tradition. Zur brutalen Erfahrung ist sie am 22. Mai 2017 in Manchester geworden. Durch einen Selbstmordattentäter starben bei einem Pop-Konzert 22 Fans, über 500 wurden verletzt. Im Publikum zumeist Mädchen – und im Grunde stand auch noch eines auf der Bühne: Ariana Grande. Bekannt geworden durch Teenie-Serien im TV-Sender Nickelodeon, zur Pop-Prinzessin avanciert in den USA gleich mit dem Nummer-1-Debüt 2013 („Yours Truly“), weltweit ein Jahr später mit „My Everything“, mit Hits wie „Bang Bang“ und „Break Free“: Mit Leichtigkeit und Style, Tanzbarkeit und Romantik nahm der amerikanische Teenie-Traum in ihr Gestalt an, und Millionen Mädchen sangen mit.

Jetzt, wo sich Ariana Grande nach dem Horror von Manchester mit ihrem vierten Album zurückmeldet, sagt sie: „Ich war immer diese Süße, Singende, sexy Tanzende, das sexy Ding eben. Aber jetzt ist alles anders. Ich habe eine Message, und die kommt tief aus meinem Herzen. Ich habe, während ich geschrieben habe, hunderte Male geweint. Hier ist mein blutendes Herz.“ Der Titel des Werks aber lautet „Sweetener“ – Süßstoff? Ist das hier die Antwort der Kunst: Mädchen-Pop als künstlicher Versüßer des bitter endlichen, bisweilen schockierend fragilen Lebens? Also weiterhin süß – aber nun als bewusstes Trotzdem? Der erste neue Hit legt es nahe: „No Tears Left To Cry“ – wenn alle Tränen geweint sind, muss man wieder tanzen,dasWeiterlebenliebenlernen …

Aber das Süßstoffbild geht weiter. Der Song „Sweetener“ selbst ist das einzige Teenie-Trallala, es geht um glückliche Liebe, Ariana wird bald den Comedian Pete Davidson heiraten. Der Rest der Platte ist ernster, härter, beschäftigt sich mit Schattenseiten des Ruhms („Successful“) und, sehr hitträchtig, mit der Emanzipation („God Is A Woman“). Die Manchester-Reverenzen sind angenehm selten, setzen bloß den Rahmen, wenn im A-cappella-Auftakt „Raindrops“ Engel weinen und es in der Schlussballade „Get Well Soon“ um gute Besserung geht. Die Pop-Prinzessin ist tiefgründiger geworden, als Süßstoff bleibt ein Tröpfchen Liebe. Inhaltlich.

Äußerlich bildet die von Pharrell Williams („Happy“) produzierte Musik die Zuckerglasur. Gewürzt mit Kolleginnen wie Nicki Minaj („The Light Is Coming“) und Missy Elliot („Borderline“) leuchten hier poliert und pointiert alle nötigen Färbungen der zeitgenössischen Hitsphäre zwischen Dance, Pop und R&B auf. Es ist damit Ariana Grandes wohl bestes, sicher professionellstes Album. So zynisch ist das Business: Die Katastrophe zuvor beschert ihr die meiste Aufmerksamkeit jetzt – die galt es zu nutzen. Und das ist immerhin gelungen, ohne sich an der Katastrophe zu vergreifen.

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