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06.04.2018

Der gierige Blick über den eigenen Tellerrand hinaus

Malerei Was die so unterschiedlichen Künstler Peter Paul Rubens und Jean-Michel Basquiat verbindet

Frankfurt am Main Wer nur von seiner eigenen Sache etwas versteht, versteht auch davon nichts. Die alte Erkenntnis kommt dem in den Sinn, der jetzt zwei Frankfurter Ausstellungen besichtigt, die zwei Künstlern wahrlich unterschiedlicher Ästhetik gewidmet sind: Peter Paul Rubens und Jean-Michel Basquiat.

Hier der „weiße“ flämische Maler des Barock mit gediegener künstlerischer Ausbildung (1577–1640), dort der afroamerikanische New Yorker „Straßenkünstler“ (1960–1988), ein Post-War-Kind, Hip-Hopper, Autodidakt, abhängig von Drogen, die letztlich seinen frühen Tod bedeuteten. Und doch verbindet beide geniale Maler, dass sie sich intensivst um Verständnis bemühten, was ihre Vorgänger und Kollegen schufen, was im kulturellen Umfeld in der Historie und zu ihrer Zeit geschah. Rubens kopierte fast ein Leben lang die Werke älterer Meister (besonders Tizian!) – zunächst, um sich zu schulen, später, um zu studieren, sich ein Motiv-Repertoire zu erschließen, zu variieren, zu verbessern im Sinne künstlerischen Wettstreits. Insbesondere, was er sich bei seinem Italien-Aufenthalt Anfang des 17. Jahrhunderts – zeichnerisch – aneignete, ja einverleibte an antiken Ausdrucksformen, dies ist nun im Frankfurter Städel erhellend zu betrachten. Den muskulösen Oberkörper eines Kentauren formte er um zum gegeißelten Christus, den Torso vom Belvedere zum auferstehenden Christus, den Herkules Farnese zum Christophorus.

In der Frankfurter Schirn wiederum, ebenfalls geleitet von Philipp Demandt, ist in mehr als 100 Werken nachzuverfolgen, welch aufsaugender und gierig die Kulturgeschichte verwertender Maler Jean-Michel Basquiat war. Mit dem Bild des Straßenkünstlers sind nicht zwangsläufig die großen eigenen Kollektionen an Künstler-Monografien, Jazz-Platten, Filmen vereinbar, die Basquiat sich dienlich machte. Da Vincis Codices, die Kunst von Matisse und Picasso wird herangezogen und auch Tizian… Dass es Querbezüge zu den gestischen Kürzeln und Schrifteinmalungen von Cy Twombly gibt, den Basquiat 1979 im New Yorker Whitney Museum gesehen hatte, ist augenfällig. Und im Metropolitan Museum von NY studierte Basquiat ebenfalls zeichnend Kunstwerke – wie Rubens einst in Rom.

Nicht weniger ist in Frankfurt zu betrachten als das Doppel von Naturtalenten, die die Kunst vorantrieben – mit ihr selbst als Quelle.

Rubens im Städel, Laufzeit bis 21. Mai, Katalog 39,90 Euro

Basquiat in der Schirn, Laufzeit bis 27. Mai, Katalog 49,95 Euro

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