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Deutsches Theater München
16.10.2021

Premiere für die Bühnenfassung von "Der Schuh des Manitu"

Die Darsteller Mathias Schlung und Daron Yates am Marterpfahl in "Der Schuh des Manitu" im Deutschen Theater München.
Foto: SLT, Anna-Maria Löffelberger

Der Aufwand, der für die Bühnenadaption des Filmhits betrieben wird, ist enorm und zahlt sich aus: Im Deutschen Theater München können die Zuschauer staunen.

„Ich trinke Ouzo, und was tust du so?“, das ist der Ohrwurm des neuen Musicals „Der Schuh des Manitu“. Kaum zu glauben, aber wahr, dass die Besucher des Deutschen Theaters mit dem albernen Text auf den Lippen das Haus nach drei höchst vergnüglichen Stunden verließen. Die meisten im Publikum waren offensichtlich Kenner und Fans von Bully Herbig, obwohl sein Kultfilm bereits vor 20 Jahren in die Kinos kam. Doch auch in der Bühnenadaption der legendären Karl May-Film-Parodie kamen sie voll auf ihre Kosten, denn sie hält den Vergleich mit dem Film-Hit aus, auch wenn der Humor auf der Bühne manchmal einfach grobkörniger ist.

Doch hier waren Profis am Werk: John von Düffel verantwortlich für das Buch, Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth, die erfolgreichen Autoren der Nockherberg-Singspiele als Songwriter und Textdichter, Ecco Meineke mit zwei witzigen Songtexten wie dem „Superperforator“. Zu bekannten Songs kamen Neu-Kompositionen, von donnernden Chorpartien, kraftvollen Solos bis hin zu Herzschmerz-Liebesduetten. Der Sound des kleinen Orchesters lief permanent auf Hochtouren, krachte - manchmal einen Tick zu laut! - so richtig und bediente mit teils schmissigen Melodien das Genre. Musikalisch geleitet vom souveränen Philipp Gras, in Szene gesetzt durch Andreas Gergen als Co-Produktion mit dem Salzburger Landestheater.

Das Musical "Der Schuh des Manitu!" jongliert kunstvoll mit Western-Klischees

Natürlich ist die Story total abstrus und bar jeder logischen Entwicklung, aber sie jongliert kunstvoll mit sämtlichen Western-Klischees - und mit all den ikonischen Bildern, die man aus diesem Genre im Kopf hat. Da reiten sie also wieder auf schwarzen Radl-Rossen durch die Prärie, prächtig singend wie die ganze Crew, die beiden bayerisch sprechenden Blutsbrüder: Apachen-Häuptling Abahachi (Mathias Schlung) und sein weißer Blutsbruder Ranger (Daron Yates). Diesmal auf Suche nach einer Stammkneipe für den Stamm.

Dass sie mehrmals am Marterpfahl landen, ist klar, dass der Bösewicht Santa Maria (Hans Neblung) als Immobilienmakler das komische Duo hereinlegt, um ihm die ominöse Schatzkarte abzujagen, ist folgerichtig, dass sich die Verwirrungen durch Winnetouch (Marc Seitz), den tuntigen Zwillingsbruder Apahachis, auf dessen bonboniger Puderrosa Beauty-Farm ins Absurde steigern und die unvermeidliche Lovestory zwischen dem sexy Saloon-Girl Uschi (Miriam Neumaier) und Ranger bis zum bürgerlichen Kinderwagen führen - so weit alles bekannt.

Die Aufführung arbeitet mit großen Effekten und Special-Gags

Aber das Wie macht´s, denn die Aufführung arbeitet mit großen Effekten und Special-Gags, wenn Tote plötzlich singen, mit optischen Überraschungen wie dem Trio aus „(T)Raumschiff Surprise“, gekonnt gesetzten ironischen Brüchen und komischem Wortwitz neben den obligaten Kalauern wie „tägliches Wake Up“ , vor allem aber mit Turbo-Tempo. Atemberaubend die unglaublich abwechslungsreich choreographierten Tanzeinlagen des erstklassigen Ensembles in super tollen Kostümen zwischen Indianer-Look, Saloon-Schick und Cowboy-Kult (Conny Lüders). Hier wurde - wie für die gesamte Produktion - richtig Geld in die Hand genommen, um satt was für die Sinne zu bieten. In kaum spürbaren „Quick Changes“ von 30 Sekunden wechseln sie das Outfit, um verwandelt wieder aus der Kulisse zu stürmen.

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Zu beiden Seiten des Bühnenportals stehen grob gezimmerte Holzgerüste im Western-Style. Aber hier wird weit mehr geboten, denn während im Hintergrund alle aus Western-Klassikern bekannten Bilder laufen, teils als ironisch gesetzte Film Stills mit den obligaten Kakteen, dann wieder als Filmsequenzen in der Technik früher Filme, schweben vom Bühnenhimmel Klappversionen von Saloon oder Puderrosa-Ranch herab (Sam Madwar). Hingehen, hören, schauen, staunen - und wiedererkennen!

Termine bis 9. Januar 2022 im Deutschen Theater München, telefonisch erreichbar unter 089/55234444

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