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200 Jahre Nationaltheater

11.10.2018

Die Elbphilharmonie von München

Blick von der Hinterbühne der Bayerischen Staatsoper in den festlich erleuchteten Zuschauersaal mit seinen fünf Rängen
Bild: Foto: Wilfried Hösl

Die Bayerische Staatsoper ist ein besonderer Ort für besondere Inhalte. Luxus-Vorwürfe, Baustellen-Klau, Brand und Bombardierung bestimmen ihre Historie.

Knappe öffentliche Kassen und große Bauvorhaben – das sorgt meist für Diskussionen. Geht es nicht eine Nummer kleiner?

Das war schon vor 200 Jahren so, als in München das Bayerische Nationaltheater gebaut wurde.

„Schauen Sie sich die Elbphilharmonie an, das ist durchaus vergleichbar“, meint Staatsopern-Intendant Nikolaus Bachler. „In zehn Jahren werden alle stolz auf die Elbphilharmonie sein und alle Probleme sind vergessen.“ Ähnlich wie bei dem 2017 eröffneten Hamburger Konzerthaus hatten sich beim Nationaltheater in München die Bauarbeiten in die Länge gezogen: 1811 schon hatte man unter dem jungen Architekten Karl von Fischer mit viel Optimismus den Grundstein gelegt. Dann wurde es schwierig. Geld war knapp, die Bauarbeiten wurden zwischendurch eingestellt und 1817 ging gar ein Dachstuhl in Flammen auf. Brandstiftung, munkelte man. Später verschwand eine Lieferung von Steinen, mit der von Fischer die Säulenhalle bauen wollte. Doch der Architekt Leo von Klenze war schneller. Er soll die Steine beschlagnahmt haben, weil er sie für den Bau seiner Glyptothek benötigte. So war im königlichen Hof- undNationaltheater am Eröffnungsabend 12. Oktober 1818 vieles noch nicht fertig – sogar Gerüste standen noch. Auf dem Programm: Die Uraufführung des Festspiels „Die Weihe“ von Ferdinand Fränzl.

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„Der Effekt, den das Ganze macht, war so grandioser und einziger Art“ 

Die Besucher waren begeistert von dem prachtvollen Haus, das König Maximilian I. Joseph in Auftrag gegeben hatte. Der Braunschweiger Intendant August Klinemann schwärmte von einem „in der That majestätischen Anblick“: „Der Effekt, den das Ganze machte, war so grandioser und einziger Art, dass er alles weit hinter sich ließ, was mir bisher in ähnlicher Hinsicht an anderen Orten vorgekommen.“

Von langer Dauer war die Pracht nicht. 1823 brannte das Haus nieder. Diesmal leitete von Klenze den Wiederaufbau, der zwei Jahre dauerte. 120 Jahre später hinterließ der Zweite Weltkrieg gravierende Spuren. Am Morgen des 4. Oktober 1943 stand nach den Bombenangriffen der Nacht nur noch eine Ruine. Lange Debatten folgten; es wurde sogar überlegt, das Haus komplett abzureißen. Doch dann baute man den klassizistischen Bau doch wieder auf. Am 21. November 1963 war Wiedereröffnung. Seitdem zeigt sich das Nationaltheater wieder mit Kristallkronleuchtern, blanken Spiegeln, Gold und rotem Samt.

Doch spielt das Drumherum überhaupt eine Rolle? Die Hülle sei für den Inhalt ganz wesentlich, findet Intendant Bachler. Der Mensch schaffe besondere Orte für besondere Inhalte. „Wenn Sie vor der Bayerischen Staatsoper stehen, fühlen Sie, dass hier seit 200 Jahren Musik und künstlerische Auseinandersetzung stattfinden“ – heute mit so berühmten Sängern wie Sopranistin Diana Damrau und Tenor Jonas Kaufmann. Dazu der Dirigent Kirill Petrenko.

„Kunst, die keine Botschaft hat, hat keinen Sinn“

Nicht immer aber war diese beschworene künstlerische Auseinandersetzung so spürbar wie vor 100 Jahren, als Kurt Eisner in der Nacht vom 8. auf den 9. November 1918 den Freistaat Bayern ausrief. Das Königliche Hof- und Nationaltheater wurde mit dem Ende der Monarchie zur Staatsoper. Am 17. November lud der Rat der Soldaten, Arbeiter und Bauern zur Revolutionsfeier in das Haus, Eintrittskarten fürs Volk waren kostenlos. Bruno Walter dirigierte die Leonoren-Ouvertüre aus Ludwig van Beethovens Befreiungsoper „Fidelio“ und Eisner war begeistert: „Das Kunstwerk, das wir eben gehört, schafft in prophetischer Voraussicht die Wirklichkeit, die wir eben erleben“, sagte er danach in einer vielbeachteten Rede. „In dem Augenblicke, da der Wahnsinn der Welt den Gipfel des Entsetzens erreicht zu haben schien, verkünden aus der Ferne Trompetensignale neue Hoffnung, neue Zuversicht.“

Revolutionäre Worte in unruhigen Zeiten. Auch heute sieht Intendant Bachler das Haus in der Pflicht, die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen zu suchen. „Es gibt heute vielleicht keine Revolutionsfeier, aber dass wir gesellschaftliche Bezüge herstellen und uns in den Stücken zu den zwischenmenschlichen und humanitären Themen äußern, ist von Bedeutung. Kunst, die keine Botschaft hat, hat keinen Sinn.“ (Cordula Dieckmann, dpa)

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