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Literatur

15.06.2018

Die Exil-Villa von Thomas Mann wird wieder genutzt

Die Computergrafik zeigt das restaurierte Thomas-Mann-Haus in Los Angeles.
Bild: Rebuild.ing, H2S Architekten, dpa

In den 1940ern war sie das Exil-Zuhause für Thomas Mann. Nun ziehen in die Villa in Kalifornien deutsche Stipendiaten ein. Bundespräsident Steinmeier reist an.

Für Thomas Mann war es das Haus der „Seven Palms“: Im hügeligen Pacific Palisades in Los Angeles – von Zitronenhainen und Palmen umgeben – fand der Schriftsteller nach der Emigration aus Nazi-Deutschland für sich und seine Familie in den 1940er Jahren eine Exil-Heimat. Jetzt wird das zweistöckige weiße Haus mit der Adresse „1550 San Remo Drive“ im vornehmen „Riviera“-Viertel zum Domizil für deutsche Stipendiaten. Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist die Einweihung des „Thomas Mann House“ an diesem Montag ein wichtiger Stopp auf seiner mehrtägigen Kalifornien-Reise.

Das Residenzprogramm soll Intellektuellen Gelegenheit zum Austausch untereinander und mit dem Gastland über die großen Fragen unserer Zeit bieten – so lautet die erklärte Zielsetzung der Einrichtung. Am Kauf der Villa durch die Bundesregierung war Steinmeier 2016 als Außenminister maßgeblich beteiligt. Für das „Weiße Haus des Exils“, wie er es damals nannte, zahlte Deutschland einem kalifornischen Luxusmakler rund 13 Millionen Dollar. „Das ist überhaupt nichts für diese Gegend“, sagte die Architekturhistorikerin Lilian Pfaff kürzlich. Das Grundstück alleine sei schon so viel wert. Pfaff schreibt ein Buch über das Werk des deutschstämmigen Architekten Julius Ralph Davidson (1889-1977), einer der Hauptvertreter der kalifornischen Moderne, der das Haus 1942 für Mann baute.

Kein Denkmalschutz für das Haus

Nach den Manns, die 1952 in die Schweiz zogen, lebten hier über 60 Jahre der kalifornische Anwalt Chet Lappen und seine Frau Jon. Das kulturelle Erbe ihrer Immobilie war ihnen bewusst, aber unter Denkmalschutz stand das Haus nicht. 2016 wurde es von Immobilienmaklern als Millionenobjekt in einer „ultra-exklusiven“ Nachbarschaft angepriesen. Der künftige Besitzer könnte ein Traum-Anwesen errichten, sprich das alte Haus abreißen, so die Empfehlung. Autoren, Verleger und Künstler in Deutschland liefen Sturm. Per Online-Petition forderten sie die Bundesrepublik auf, das Haus zu erwerben und zu einem Erinnerungs- und Begegnungsort auszubauen. Der drohende Abriss wurde abgewendet.

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Als erster Stipendiat zieht im Juni der Schauspieler Burghart Klaußner ein, gefolgt von der Berliner Soziologin Jutta Allmendinger, dem in Göttingen lehrenden Thomas-Mann-Forscher Heinrich Detering und dem Mikroelektroniker Yiannos Manoli. Auch die Journalistin Sylke Tempel war ursprünglich ausgewählt worden, doch im Oktober verunglückte die Politik-Expertin tödlich bei einem Sturm.

Der Grundriss blieb erhalten

Mit fünf Millionen Dollar wurden die Renovierungsarbeiten am Haus beziffert. Alles wurde von Grund auf saniert. Der Grundriss blieb erhalten, doch vom alten Innenausbau ist nicht mehr viel übrig. Bis auf das historische Herzstück im Erdgeschoss – Manns früheres Arbeitszimmer, in dem der Literaturnobelpreisträger Werke wie „Joseph, der Ernährer“ und den Musikerroman „Doktor Faustus“ schrieb. In diesem Büro erarbeitete der Hitler-Gegner in den Kriegsjahren auch seine BBC-Radioansprachen „Deutsche Hörer!“

Laute Empfänge und viele Gäste am San Remo Drive? Das waren anfangs ihre Bedenken, erzählt Shirley, die neben der Mann-Villa wohnt. Die Sorge hätten die Betreiber ausgeräumt. Die Nachbarn seien froh, dass das alte Haus erhalten werde. „Sonst hätte das ein Bauunternehmer kaufen können, alles abgerissen und drei monströse Villen hingestellt.“ Barbara Munker, dpa

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