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Provenienz-Recherche

14.02.2018

Die herrenlose Kunst im Louvre

Nun will auch Frankreichs berühmtestes Museum das Tempo erhöhen

Die Säle liegen am Ende der Rubensgalerie, einem der meist besuchten Ausstellungsräume des Louvre Paris. Noch fehlt die Informationstafel, die darauf hinweist, dass hier sogenannte MNR ausgestellt sind – Werke, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs den französischen Nationalmuseen mit Auftrag übergeben wurden, die rechtmäßigen Eigentümer herauszufinden. Unter ihnen Raubkunst und Bilder, die über den deutschen Galeristen Hildebrand Gurlitt gehandelt wurden, einem der Haupteinkäufer für Hitlers Museum in Linz.

„Wir wollen damit Sensibilisierungsarbeit leisten. Ziel ist es, sie den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, denn diese Werke gehören uns nicht“, sagt Sebastien Allard, der Direktor der Gemälde-Abteilungen des Louvre. Man sei nur vorübergehender Hüter. Mit dieser Initiative reagiert das Museum auch auf eine immer wiederkehrende Kritik. In den vergangenen Jahren ist Frankreich wegen seiner schleppenden Provenienzrecherche immer wieder kritisiert worden, darunter auch der Louvre.

Die Eröffnung der beiden Säle sei eine Antwort darauf, so Allard. Auf der Liste der MNR, der Musées Nationaux Récupération, stehen mehr als 2000 Werke, darunter Gemälde, Zeichnungen, Möbel. Das Verzeichnis besteht aus Werken, die von den Nazis beschlagnahmt wurden, sowie aus Verkäufen von Verfolgten unter Zwang und aus Not. Etwa 1752 wurden dem Louvre anvertraut, darunter 807 Malereien. 296 befinden sich in Paris, der Rest wurde als Leihgaben auf mehrere Museen landesweit verteilt.

Die Werke mit der Abkürzung MNR sind in einem Katalog verzeichnet, der seit 1996 über die Internetseite Rose-Valland zugänglich ist. Mehr als 30 Werke hat der Louvre nun in den beiden Sälen vereint, darunter die um 1862 entstandene Landschaftsdarstellung „La Source du Lison“ von Theodore Rousseau. Die Interieurmalerei gegenüber stammt von Januarius Zick, der als Hauptmeister der deutschen Malerei des Spätbarocks gilt. Die Auswahl spiegle die Schulen wider, für die sich die Deutschen interessiert haben, führt Allard seine Erklärungen weiter aus. Meisterwerke im engeren Sinn seien wenige dabei, dafür aber Arbeiten, die historische Bedeutung hätten.

Nur ein Teil der Exponate sei NS-Beutekunst, betont Allard. Unter den Exponaten sind auch Werke, die von dem deutschen Händler Hildebrand Gurlitt gekauft und wiederverkauft wurden. Eines dieser belasteten Kunstwerke ist ein kleinformatiges Ölbild mit dem Titel „Bacchanale“. Weder das Entstehungsjahr ist bekannt noch der Name des Künstlers. Auch aus der Sammlung von Joachim von Ribbentrop, zwischen 1938 und 1945 Reichsminister des Auswärtigen Amts, sind Werke zu sehen. Ribbentrop gehörte zu jenen NS-Führern, die ab 1933 begannen, sich umfangreiche und wertvolle Sammlungen aufzubauen.

Von den 100000 unter NS-Herrschaft nach Deutschland gebrachten Kulturgütern wurden mehr als 60000 nach Kriegsende wieder an Frankreich zurückgegeben. Rund 45000 fanden bis 1949 ihre legitimen Eigentümer wieder, etwa 13000 Objekte wurden Anfang der 50er Jahre verkauft, weil sich keine Besitzer gemeldet hatten. Die übrig gebliebenen 2143 wurden dem französischen Staat als MNR zur Aufbewahrung übergeben, mit dem Auftrag, ihre rechtmäßigen Eigentümer herauszufinden. (dpa)

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