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Doppelschau
17.08.2017

Gurlitt und die Folgen

Raubkunst in Bonn und Bern

Der Schwabinger „Kunstfund Gurlitt“ hat nach Ansicht des Intendanten der Bonner Bundeskunsthalle, Rein Wolfs, vieles auf dem lange nicht bestellten Feld der Provenienzforschung, Raubkunst und Restitution in Bewegung gesetzt. „Ich denke, dass der Fall Gurlitt klarmacht, dass man lange zu wenig getan hat. Und dass nun vieles in ein schnelleres Fahrwasser geraten ist und Deutschland diesbezüglich wichtige Schritte macht“, erklärt Wolfs.

Auch in anderen Ländern sei zu beobachten, dass Provenienzrecherche mittlerweile einen höheren Stellenwert einnehme. Je länger die Zeit voranschreite, desto schwieriger wird es nach Rein Wolfs, verlässliche Ergebnisse zu erhalten. „In 20 Jahren ist das vielleicht unmöglich geworden. Auch die Nachfahren werden immer älter. Sobald öffentlicher Druck entsteht, kommt alles ins Rollen.“

Rein Wolfs äußert sich rund zweieinhalb Monate vor der geplanten Ausstellung „Bestandsaufnahme Gurlitt – Der NS-Kunstraub und die Folgen“ in der Bonner Bundeskunsthalle. Diese Schau ist dort vom 3. November 2017 bis zum 11. März 2018 zu sehen. Das Kunstmuseum Bern wiederum legt vom 2. November 2017 bis zum 4. März 2018 den Fokus auf „,Entartete Kunst‘ – Beschlagnahmt und verkauft“. Die Ausstellungen sollen nach Angaben von Wolfs darüber hinaus im September 2018 als Zusammenschnitt im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen sein.

„Dann wird es wohl auch einige neue Ergebnisse geben, sodass die Bestandsaufnahme in Bonn und Bern in einer weiteren Bestandsaufnahme fortgesetzt wird.“ Die Ausstellung in Bonn soll später auch im Kunstmuseum Bern zu sehen sein. Und Bonn plant, einen Teil der Berner Ausstellung zu zeigen. „Möglicherweise geht die Berliner Schau noch ins Ausland“, kündigt Wolfs an.

Im November 2013 war bekannt geworden, dass in einer Münchner Wohnung über 1200 Kunstwerke beschlagnahmt worden waren – der sogenannte „Schwabinger Kunstfund“ von Cornelius Gurlitt, Sohn von Hildebrand Gurlitt, der unter den Nationalsozialisten Kunsthändler war. Einige Werke aus dem „Schwabinger Kunstfund“ wurden mittlerweile restituiert: Zuletzt bekamen rechtmäßige Erben das Gemälde „La Seine vue du Pont-Neuf, au fond le Louvre“ von Camille Pissarro zurück. (kna)

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