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02.04.2020

Drei berühmte US-Musiker als Corona-Opfer gestorben

Ellis Marsalis während des New Orleans Jazz & Heritage Festival. Der Musiker und Jazzpädagoge aus New Orleans starb an den Folgen der Lungenkrankheit Covid-19
Bild: Sophia Germer, dpa

Ellis Marsalis, Vater von Wynton und Branford Marsalis, ist tot – dazu Wallace Roney und Adam Schlesinger.

Zielgruppe Künstler: Die meisten von ihnen müssen sich in die Schar der 27,5 Millionen Betroffenen in den USA einreihen, die momentan ohne den Schutz einer Krankenversicherung versuchen, der größten Krise seit Jahrzehnten zu trotzen. Nun sind mit dem Jazzpianisten Ellis Marsalis, 85, dem Trompeter Wallace Roney, 59, sowie dem Liedermacher, Filmkomponisten, Emmy- und Grammy-Preisträger Adam Schlesinger, 52, drei bedeutende amerikanische Musiker an den Folgen der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

In der düsteren Statistik des Corona-Hotspots New York, wo bis gestern 47 439 Menschen positiv auf das Virus getestet worden waren und die Zahl der Todesopfer innerhalb von 24 Stunden von 1096 auf 1374 kletterte, ist das möglicherweise nur eine Randnotiz. Dennoch wirft der Tod der drei Musiker exemplarisch ein Licht auf die Situation im Land. In den USA fungieren Krankenversicherungen häufig als Leistung des Arbeitgebers – aber nur für Vollzeitkräfte. Musiker arbeiten in den meisten Fällen selbstständig oder in Teilzeit.

Ellis Marsalis war wie Wallace Roney schwarz und repräsentiert die klassische Musik Amerikas, von der nicht wenige behaupten, sie sei das einzige originäre Kulturgut der USA. Beim Patriarchen der berühmten Musikerfamilie Marsalis – darunter der Saxofonist Branford Marsalis und der Trompeter Wynton Marsalis – gehörte Musik zu den Grundfesten der Erziehung. Dass der begnadete Pianist erst landesweite Bekanntheit erlangte, als seine Söhne zu Jazz-Stars aufgestiegen waren, gehört zu den vielen seltsamen Wendungen des Genres.

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Einer der renommiertesten Künstler seiner Zeit

Ellis Marsalis genoss einen exzellenten Ruf als Lehrer, unterrichtete am New Orleans Center for Creative Arts, der Universität von New Orleans, sowie an der Xavier-Uni von Louisiana. Außerdem nahm er Platten mit Cannonball Adderley, Marcus Roberts und Courtney Pine auf. 2018 wurde er in die Louisiana Music Hall of Fame aufgenommen. „Mein Vater war ein Gigant als Musiker und Lehrer, aber ein noch großartigerer Vater“, erklärte Branford Marsalis. Das Institut Jazz at Lincoln Center New York, das von Wynton Marsalis geleitet wird, würdigte den Verstorbenen als „einen der renommiertesten Künstler und Musikpädagogen seiner Zeit – oder aller Zeiten“.

In großen Fußstapfen bewegte sich auch Wallace Roney, der noch 2018 im Neuburger Birdland-Jazzclub gastierte. Er genoss das Privileg, als einziger Trompeter von Miles Davis persönlich gefördert worden zu sein. Miles erkor ihn zu seinem Nachfolger, als er Roney 1991 bei seinen letzten Konzerten fast alle solistischen Parts überließ.

Roney starb im St. Joseph’s University Medical Center in Paterson/New Jersey – immerhin bis zuletzt ebenso medizinisch versorgt wie der Filmkomponist Adam Schlesinger. Oscar-Preisträger Tom Hanks, der mit seiner Frau auch an Covid-19 erkrankt war, schrieb, ohne Schlesinger und sein Lied „That Thing You Do!“ hätte es seine Produktionsfirma „Playtone“ nie gegeben. Der Hit hatte Schlesinger 1997 eine Oscar-Nominierung eingebracht.

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