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15.06.2009

Ein Herz für die Oper

Ein Herz für die Oper
Bild: DPA

Leipzig (dpa) - Einen Wunsch hat Opernregisseur Joachim Herz für seinen heutigen 85. Geburtstag: Dass sich das Musiktheater endlich wieder auf seine besten Traditionen besinnt. In skandalträchtigen Inszenierungen sieht der weltweit anerkannte Theatermann einen Abgesang.

"Es gibt allgemein eine Entwertung von Maßstäben, die Folge ist völlige Beliebigkeit. Manche fühlen sich an nichts gebunden und niemandem verpflichtet. Dabei hat ein Regisseur eine doppelte Verpflichtung - dem Autor und seinem Werk gegenüber, aber auch dem Publikum gegenüber", sagt der Professor.

Unlängst war Herz bei einer internationalen Tagung an der Wiener Staatsoper zur europäischen Aufführungsgeschichte von Wagners "Der Ring des Nibelungen". Mit seinem Leipziger "Ring" hatte der gebürtige Dresdner in den 70er Jahren selbst Operngeschichte geschrieben. In Wien hätten junge Regisseure davon berichtet, dass ein Theater in Zeiten allgemeiner Reizüberflutung nur dann Kontra geben könne, wenn es selbst noch mehr Reize aufbiete, erzählt Herz: "Dadurch entsteht ein Nebel, den keiner mehr durchschauen kann und durchschauen soll. Die Beliebigkeit ist ein schlimmes Zeichen unserer Zeit."

Bei all den kritischen Tönen ist Herz kein Kulturpessimist. Dass er sich schon früher oft und mit klarer Sprache einmischte, hat seinen Freundeskreis nicht fortlaufend erweitert. Viele schätzen aber gerade die direkte Art des Künstlers, zu dessen wichtigsten Stationen Dresden, Berlin und Leipzig gehören. In allen drei Städten hat er studiert und später Positionen als Intendant, Operndirektor oder Chefregisseur bekleidet, an der Komischen Oper Berlin wurde er 1976 Nachfolger Walter Felsensteins. Aber auch im Ausland war Herz von Vancouver über Moskau bis Buenos Aires ein gefragter Mann.

Ein Herz für die Oper

"In Zeiten des Kalten Krieges und des politischen wie wirtschaftlichen Auseinanderdriftens der Systeme ist er mit seinen Inszenierungen ein Botschafter kultureller Verständigung gewesen", würdigt der Dresdner Hochschulprofessor Andreas Baumann den Jubilar. Zugleich sei Herz als Regisseur, Theaterwissenschaftler und Intendant aber auch immer "zu Hause" geblieben und so zu einer der markantesten Persönlichkeiten des DDR-Musiktheaters geworden. Dies ist in der Fachwelt unstrittig, auch wenn Herz Künstler aus der DDR im wiedervereinigten Deutschland allgemein für "totgeschwiegen" hält.

126 Inszenierungen und Neueinstudierungen von über 60 Opern hat er auf die Bühne gebracht, manche wurden Klassiker. Seine "Butterfly" an der Welsh National Opera von 1978 wird noch immer alle paar Jahre neu aufgelegt. Herz mag keine Inszenierungen hervorheben. Konkret spricht er nur von denen, die er leider nicht in Szene setzte, zum Beispiel Wagners "Rienzi" oder die "Trojaner" von Berlioz: "Die Liste ist lang", sagt der Künstler. Aber schließlich habe er selbst als Chef den Spielplan nicht nach eigenem Gusto gemacht. "Da ging es um das Ensemble, die Möglichkeiten des Hauses und das Publikum."

Als Regisseur war Herz die vergangenen Jahre nicht mehr tätig. Er wisse auch nicht, ob er gesundheitlich dazu in der Lage wäre, räumt er ein. Dabei verströmt er noch immer eine Energie, die anderen schon im aktiven Arbeitsleben abhanden kam. "Ich bin mit meinen Vorträgen und Vorlesungen ausgelastet." Den 85. Geburtstag will er nicht in der Oper verbringen. Anders als vor fünf Jahren, als er an diesem Tag in Mannheim über Oper diskutierte, bleibt er diesmal zu Hause. Kürzlich gab das Ehepaar Herz die Dresdner Wohnung auf und zog ins Leipziger Domizil. Am 15. Juni werden deshalb weiter Kisten ausgepackt.

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