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Salzburger Festspiele

13.07.2018

Ein Ort, an dem die Künste sich ballen

Im Salzburger „Jedermann“  spielen heuer wieder Tobias Moretti in der Titelrolle und Mavie Hörbiger als „gute Werke“.
Bild: Bild: Salzburger Festspiele, Matthias Horn

Das Sommerfestival an der Salzach ist nicht nur ein Magnet für Opernfreunde, sondern wartet alljährlich auch mit hochkarätigen Schauspielproduktionen auf.

Muss man nach Salzburg zu den Festspielen fahren? Wenn doch Mozarts „Zauberflöte“ in Kürze auch am Theater Augsburg aufgeführt werden wird? Und eine Schauspiel-Inszenierung von Star-Regisseur Frank Castorf aktuell auch in München zu sehen ist? Und die besseren Opern-Karten bei den Salzburger Festspielen schnell mal 200, 300, 400 Euro kosten können?

Ja, man bekommt das auch anderswo und vielfach günstiger. Und zugleich: Nein – diese Sommerfestspiele an der Salzach bieten einen Mehrwert, den eine Repertoire-Vorstellung an einem „normalen“ Theater nicht zu leisten vermag. Es ist die Kumulation, die das Besondere dieser Festspiele (20. Juli bis 30. August) ausmacht, diese Ballung an Kunst: Dass da eben nicht nur ein einzelnes Genre gepflegt wird, sondern neben der Oper auch das Schauspiel und neben Kammermusik und Klavierabend auch das große Orchesterkonzert. Dass da nicht bloß zwei, drei Neuinszenierungen auf dem Spielplan stehen, sondern sage und schreibe neun in sechs Festivalwochen. Dass da nicht nur das Arrivierte auf die Bühne gelangt, nicht nur Avantgardistisches, sondern beides zusammen.

Von Anna Netrebko bis Cecilia Bartoli

Eine eindrucksvolle Häufung ist auch, wer da alles an künstlerisch Beteiligten zusammenkommt. Bei den Sängern geben sich Weltstars wie Anna Netrebko, Cecilia Bartoli und Sonya Yoncheva die Klinke in die Hand. Auf der Theaterbühne ist die fabelhafte Sandra Hüller zu erleben, ebenso die nicht weniger formidable Sophie Rois. Und erst die Orchester – die residierenden Wiener Philharmoniker sowieso, dazu die Berliner, London Symphony, West-Eastern Divan – und die Solisten: Pollini, Kissin, Trifonov, Sokolov … Wer zählt die Namen?

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Natürlich lässt sich das in seiner ausufernden Fülle nicht alles im Einzelnen wahrnehmen. Aber die Vielfalt bildet den Hintergrund, der mit beiträgt zum einzigartigen Gesamtbild. Man muss gewiss kein Anhänger eines geistigen Magnetismus sein, um zu spüren, dass da im Sommer eine besonders kunstgeschwängerte Luft über den Gassen von Salzburg liegt, eine Hyper-Atmosphäre, die zweifelsfrei ihre Rückwirkungen hat auf die Inspiration der Künstler und auf die Aufnahmebereitschaft des Publikums.

„Jedermann“ wird wieder auf dem Domplatz gespielt

Und dann ist da noch die Stadt selbst. Nicht nur, dass in Salzburg der genius loci – keineswegs nur von Mozart, sondern auch von anderen Größen wie Max Reinhard oder Richard Strauss – merklicher zutage tritt als an anderem Ort. Die Stadt mit ihren pittoresken Barockfassanden ist im Sommer, wenn sich in den Dauer-Touristenstrom auch noch Zigtausende Festivalbesucher mischen, selbst eine Bühne. Wohlwissend um diese Qualität wird der obligatorische Hofmannsthal-„Jedermann“ ja auch mitten im Zentrum auf dem Domplatz gegeben.

Was hat die Oper zu bieten?

Fünf szenische Neuproduktionen gibt es in diesem Jahr. In Mozarts „Zauberflöte“ singen Matthias Goerne und Christiane Karg, Klaus Maria Brandauer ist als Erzähler mit dabei. Bei der „Salome“ von Richard Strauss ist man neben dem Dirigat von Franz Welser-Möst vor allem darauf gespannt, was Romeo Castellucci sich als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner hat einfallen lassen. Hoch gesteckt sind die Erwartungen immer auch, wenn Hans Neuenfels für die Regie verantwortlich zeichnet, diesmal für Tschaikowskys „Pique Dame“, deren Dirigent Mariss Janssons heißt. Auch Kent Nagano (musikalische Leitung) und Krzysztof Warlikowski sind zwei Namen, die stets Aufmerksamkeit verdienen, beide verpflichtet für Hans Werner Henzes „Bassariden“. Und für Monteverdis „Krönung der Poppea“ kommt Altmeister William Christie mit seinem Ensemble Les Arts Florissants nach Salzburg, Sonya Yoncheva singt die Titelpartie.

Was ist im Schauspiel zu sehen?

Johan Simons inszeniert den Schlagabtausch zwischen Sandra Hüller und Jens Harzer in Kleists „Penthesilea“. Für die Perner-Insel in Hallein haben sich Frank Castorf und sein Team die Dramatisierung von Knut Hamsuns Roman „Hunger“ vorgenommen – Marc Hosemann, Lars Rudolph und Sophie Rois sind mit dabei. Auch das Zwei-Personen-Stück „Kommt ein Pferd in die Bar“ ist eine Prosa-Adaption (nach David Grossmann), Aischylos’ „Perser“-Tragödie hingegen ein Stück aus den Anfängen des europäischen Theaters (inszeniert von Ulrich Rasche).

Das Angebot im Konzertsektor

Aus dem rund 70 Positionen umfassenden Konzertprogramm sei einer der diesjährigen Schwerpunkte herausgegriffen: der Zyklus sämtlicher Beethoven-Sinfonien mit Teodor Currentzis und MusicAeterna. Das Dirigenten-Enfant-terrible hat bisher schon tüchtig Staub von Mozart-Werken geblasen, sein Originalinstrumenten-Ensemble folgt ihm bedingungslos. Eine weitere Kombination dürfte nicht weniger Spannung versprechen: Kirill Petrenko dirigiert in zwei Konzerten die Berliner Philharmoniker, das Orchester, das er im kommenden Jahr als Nachfolger von Simon Rattle übernehmen wird.

Infos Das komplette Programm der Festspiele gibt es auf deren Internetseite (www.salzburgerfestspiele.at). Diverse Vorstellungen sind bereits ausverkauft, doch lohnt sich oftmals die kurzfristige Nachfrage. Das Kartenbüro in Salzburg ist telefonisch zu erreichen unter der Nummer 0043/6628045500.

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