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25.09.2017

Ein Theater ist besetzt

Eskalation im Streit um Volksbühne Berlin

Der Streit um den Intendantenwechsel an der Berliner Volksbühne ist heillos eskaliert: Seit Freitag haben Sympathisanten des geschiedenen Intendanten Frank Castorf und seines Theaterverständnisses das Haus am Rosa-Luxemburg-Platz besetzt. Die Leitung der Volksbühne um Intendant Chris Dercon will das seit gestern nicht länger hinnehmen: „Wir fordern, dass die Politik jetzt dringend ihrer Verantwortung nachkommt und handelt“, erklärten Intendant Chris Dercon und Programmdirektorin Marietta Piekenbrock in einer Mitteilung. Womit letztlich die Räumung des Theaters von den Besetzern gefordert sein dürfte.

Bei der Berliner Kulturverwaltung hatte es zuvor geheißen, es gebe weitere Gespräche mit den Hausbesetzer-Aktivisten; eine Räumung sei jedoch noch nicht angedacht. Eine Reaktion auf die direkte Forderung Dercons blieb bis zum Sonntagnachmittag aus.

Die Volksbühne besetzt hält das Künstlerkollektiv „Staub zu Glitter“. Ihre Übernahme sei als „darstellende Theaterperformance“ zu betrachten. „Wir wollen mit unserer transmedialen Theaterinszenierung ein Zeichen setzen gegen die aktuelle Kultur- und Stadtentwicklungspolitik“, schreiben die Aktivisten.

Stadtpolitische und soziale Themen seien zwar wichtig für die Hauptstadt, erklärten dazu Dercon und Piekenbrock. „Aber wir verurteilen die unverantwortliche Art und Weise“, mit der sich die Aktivisten am Freitagnachmittag das Haus griffen. Diese hätten ihre Anliegen über die Sicherheit der Mitarbeiter und auch über die ihres eigenen Publikums gestellt. „Und sie stellen sich in beispielloser Anmaßung über unsere Künstler und deren Arbeit.“ Dercon kündigte an, am Montag den Probenbetrieb, der am Freitag unterbrochen werden musste, wiederaufzunehmen. Das allerdings scheint mit den Veranstaltungen der Aktivisten unvereinbar.

Die Besetzung der Volksbühne hatte am Samstagabend so viele Menschen zu dem Theater gelockt, dass ein Einlass-Stopp verhängt werden musste. Mehr als 500 Leute seien aus Sicherheitsgründen nicht in den Räumen erlaubt, twitterten die Aktivisten. „Bitte seid solidarisch und kommt in den nächsten Tagen wieder.“ Zu ihren Unterstützern zählen sie laut einer Liste auch die Bands Beatsteaks und Tocotronic sowie den Autor und Kabarettisten Marc-Uwe Kling („Die Känguru-Chroniken“).

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Das Künstlerkollektiv hat inzwischen auch ehemalige Mitglieder der Volksbühne zum Mitmachen aufgerufen. Eine Sprecherin erklärte in der Abendschau von Rundfunk Berlin und Brandenburg, es werde nicht die Person Chris Dercons kritisiert, nur die Stadtpolitik. Die Aktion sei seit langem geplant gewesen.

Um die Zukunft des Theaters gibt es schon seit 2015 Streit. Auslöser ist die Übernahme des Hauses durch Dercon, der als Nachfolger des langjährigen Chefs Frank Castorf kam. Kritiker befürchten, dass die Volksbühne zu einem kommerzialisierten Eventtheater werden könnte. In dem Haus sind ab November Aufführungen des Dercon-Teams geplant. Derzeit finden Vorstellungen nur am zweiten Spielort auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof statt.

Die Volksbühne erklärte, dass die geplanten Vorstellungen dort selbstverständlich stattfänden. Den Aktivisten in der Volksbühne rieten sie: „Bitte lüftet mal.“ (dpa)

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