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20.09.2017

Elena Ferrante: Weltliteratur aus Neapel?

Bestseller Der dritte Band der neapolitanischen Saga von Elena Ferrante um die zwei Freundinnen Lila und Lenu hat Schwächen. Aber klug und unterhaltsam ist er dennoch

Weltliteratur, Teil drei. Elena „Lenu“ Greco, die kluge Pförtnertochter, hat es hinaus in die Welt geschafft. Sie lebt in Florenz, knapp 500 Kilometer entfernt von Neapel, verheiratet mit einem jungen Professor aus einer angesehenen norditalienischen Familie, ihr erster Roman wird als Erfolg gefeiert. Ihre Freundin Lila hingegen hat sich von ihrem Ehemann getrennt, schuftet sich als Arbeiterin in einer Wurstfabrik die Finger blutig, kehrt abends ins Wohnsilo zum kleinen Sohn nach Hause. Einst Tür an Tür im gleichen Rione aufgewachsen, könnte der soziale Unterschied zwischen den zwei Freundinnen nicht größer sein … Soweit zum ersten Zwischenstand, weil man den Überblick im Ferrante-Kosmos bei mittlerweile über 1500 Seiten ja auch leicht mal verliert. „Ich hatte mich tatsächlich davongemacht“, resümiert Elena, die erfolgreiche der beiden Heldinnen nun in Band drei, um jedoch im darauffolgenden Satz ihren Irrtum schon wieder einzugestehen. Flucht nämlich ist gar nicht möglich, gefangen ist auch sie in einer Kette mit immer größeren Gliedern: „Der Rione verwies auf die Stadt, die Stadt auf Italien, Italien auf Europa, auf den ganzen Planeten.“

Weltliteratur also. Von großer literaturgeschichtlicher Bedeutung. Der Hype um die neapolitanische Saga mag etwas abgeklungen sein, der neue Band aber kletterte nach Erscheinen sofort auf Platz eins der Bestsellerliste und Superlative haften der Tetralogie so fest an wie je. „Schallmauerdurchbrecher“ schrieb die Zeit, Die Tageszeitung schwärmte vom „Jahrhundertepos“. Zumindest der Aufstieg in die Elite der literarischen Frauenfiguren scheint also beiden Frauen sicher: Elena und Lila in einer Reihe mit Madame Bovary oder Anna Karenina …

Dass Band drei, „Die Geschichte der getrennten Wege“, dem Etikett dann aber nicht gerecht wird, ist dennoch keine Enttäuschung. Wenn man den höchsten Maßstab anlegt, wirkt das Buch kleiner, als es ist. Spannend, süffig, intelligent – was für die Vorgänger gilt, gilt auch für Band drei, im Übrigen von Karin Krieger auch ebenso großartig übersetzt. Während es der Schriftstellerin in den ersten beiden Bänden aber mühelos gelang, anhand der Geschicke dieser zwei Mädchen ein pralles Sittengemälde der italienischen Gesellschaft zu malen, werden in Band drei die Anstrengungen sichtbar. Bis zur Erschöpfung lässt Ferrante ihre kluge Elena monologisieren, die politischen Umbrüche wie auch ihre eigene Auseinandersetzung mit dem Feminismus kommentieren, als ob sie der erzählerischen Kraft der Geschichte nicht immer trauen könne. Das führt gelegentlich zur Erklärungshuberei: „Letztlich kam ich zu dem Schluss, das sich vor allem besser verstehen musste, wer ich war. Meine weibliche Natur erforschen. Ich hatte es übertrieben, hatte mich gezwungen, mir männliche Fähigkeiten anzueignen. Ich glaubte, alles wissen zu müssen...“

Was Elena immer befürchtet, dass sie von den beiden die langweiligere, mittelmäßigere sei, kann man selbstverständlich als unberechtigte Selbstzweifel abtun. Wer eine Geschichte über so viele Jahrzehnte mit einem solchen Figurenreichtum und soviel Gespür für gesellschaftliche Stimmungen erzählen kann wie Elena, muss begabt, wenn nicht brillant sein. Aber wenn es eine Figur gibt, die neben Bovary und Karenina bestehen kann, dann ist eben doch ihre Freundin Lila, die sich selbst aus einer scheinbar ausweglosen Situation wieder befreien kann: Nachts, nach einem erschöpfenden Arbeitsalltag zwischen Schweinehälften und grabschenden Kollegen, studiert sie mit ihrem Freund „die Funktionsweise elektronischer Rechner“, lässt sich, um ihren Ehrgeiz endlich zu befriedigen, sogar mit dem Erzfeind ein: Michele Scolara, ein Boss der Camorra, der das Viertel beherrscht, wird zu ihrem Arbeitgeber, macht sie zur Chefin seines Lochkartenzentrums …

„Sie hatte ein bewegtes Leben, meines stand still“, muss Elena feststellen. In Florenz ist sie einsam, die Ehe entwickelt sich zum schlechteren, der zweite Roman will ihr nicht gelingen: „Mir fiel nichts ein, was über ein Duzend lahmer Seiten hinausging. Was also fehlte mir? Schwer zu sagen. Neapel vielleicht, der Rione …“ Oder eben doch Lila, gehasst, geliebt, unverzichtbar. „Ich musste mich außerhalb von ihr akzeptieren. Das war der springende Punkt.“

Ferrante entwickelt so etwas wie ein Versuchslabor. Sie lässt zwei kleine Mädchen am gleichen Punkt starten, protokolliert die unterschiedlichen Lebenswege, das Fazit aber in beiden Fällen: Als Frau hat man es schwerer, im Italien der 70er Jahre ohnehin. Die Mutterschaft füllt Elena nicht aus, degradiert von ihrem Ehemann zur braven Hausfrau bleibt ihr auch die gesellschaftliche Teilhabe verwehrt: Von den Protesten der 68er-Bewegung an den Universitäten wird ihr Leben nur gestreift. Nur gelegentlich, wenn Elena „in Wörtern wühlt“, fühlt sie sich ein wenig lebendig. Aber wie schon Lila wird sich auch Elena in Band drei befreien, von gesellschaftlichen Zwängen, alten Denkmustern, nicht aber von der Blindheit der Liebe. Nino, Windbeutel, Wissenschaftler, einst angehimmelter Mitschüler, dann Lilas Liebhaber, taucht wieder auf. Und nun?

Auf diese Antwort werden die Leser nun nochmal ein halbes Jahr warten müssen, Band vier soll im Februar erscheinen. „Manchmal hatte ich den Eindruck, dass der Boden unter meinen Füßen – die einzige Oberfläche, auf die man bauen konnte – bebte.“ So endet Band drei. Ein feiner, ein kluger Roman, ein Roman, den man mit Vergnügen und über seine Schwächen schnell hinweg liest. Gute Literatur eben, als ob das nichts wäre.

Elena Ferrante: Die Geschichte der getrennten Wege.

A. d. Ital. von Karin Krieger. Suhrkamp, 540 S., 24 ¤

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