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Exklusiv
22.08.2021

Philosoph Rüdiger Safranski kritisiert Art der politischen Debatte in Deutschland

Immer erreichbar sein ist etwas für Dienstboten, sagt der Philosoph Rüdiger Safranski.
Foto: Patrick Seeger, dpa

Exklusiv Der Philosoph Rüdiger Safranski kritisiert die aktuelle Politik scharf. Er sagt auch: Im Moralisieren der Debatten herrscht Selbstgerechtigkeit und Ahnungslosigkeit.

Der Bestseller-Philosoph Rüdiger Safranski („Romantik“, „Gothe und Schiller“) kritisiert die deutsche Politik scharf. „Wenn man bedenkt, welche Probleme wir haben und auf uns zukommen – Klimawende, Siegeszug der Autoritären Systeme weltweit etc. –, wirkt die gegenwärtige politische Kultur hierzulande fast wie ein schlechter Witz“, sagt er im Interview mit unserer Redaktion.

Philosoph Rüdiger Safranski: Debatte um Lachen Laschets "vollkommen infantil"

Der 76-Jährige würde sich wünschen, dass in der Politik Sachgemäßheit wieder stärker werde als die medial erzeugte Personalisierung. Und seine Kritik betrifft auch die Medien: „Als vollkommen infantil kommt es mir vor, wie tagelang das „Lachen“ von Laschet und anderes läppisches Zeug in den Medien breitgetreten wurde.“

Safranski sieht auch deutliche Fehlentwicklungen in Debattenkultur, in der eine sehr starke Tendenz zum „moralisierenden Aufherrschen“ gebe: „Das Problem beim Moralisieren ist die penetrante Selbstgerechtigkeit. Oft geht es in den Debatten nur darum, für sich selbst einen moralischen Mehrwert abzuschöpfen.“ Das sei heute bis in den Umgang mit der Sprache hinein zu beobachten.

Rüdiger Safranski: "Wer moralisch argumentiert, ist deshalb nicht moralisch"

Der Autor, vom dem an diesem Montag das neue Buch „Einzeln sein“ erscheint und der auch aus dem einstigen „Philosophischen Quartett“ im Fernsehen bekannt ist, mahnte: „Vergessen wir nicht: Wer moralisch argumentiert, ist deshalb noch nicht moralisch.“

Und zur Selbstgerechtigkeit komme gerade in historischen Debatten oftmals noch die Ahnungslosigkeit: „Wenn man einen Erich Kästner, dessen Bücher 1933 verbrannt wurden, nur unter Vorbehalt gelten lässt, weil er nicht ins Exil gegangen ist und darum eine verdächtige Figur sei – da muss man schon ziemlich ahnungslos sein in Bezug auf den Nationalsozialismus.“

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