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Festival der Nationen
26.09.2021

Fulminanter Auftakt in Bad Wörishofen mit Pianistin Beatrice Rana

24.09.2021, Klassikfestival Bad Wörishofen, Festival der Nationen 2021 im Kurhaus Bad Wörishofen im Allgäu, Eröffnungskonzert mit Beatrice Rana, Klavier, François Leleux, Dirigent, Camerata Salzburg.
Foto: Bernd Feil/m.i.s.

Pianistin Beatrice Rana glänzt beim Festival der Nationen in Bad Wörishofen mit Beethoven. Die Camerata Salzburg liefert mit Mozart den Gegenpol.

Hoch oben stehen Mozart und Beethoven auf dem Programm des Festivals der Nationen: Ja, Bad Wörishofen freut sich bis Anfang Oktober auf Arien, Konzerte und große Sinfonien der beiden Wiener Koryphäen. Ob jetzt Beethoven der größte und Mozart der einzige Komponist am Musik-Firmament ist, ist hier nicht die Frage, wahre Genialität zeigt sich erst im Profil, in der Gegenüberstellung.

Fulminanter jedenfalls hätte der Auftakt nicht sein können, Beethovens Emperor-Konzert fiel mit Pauke in vollem Tutti-Ornat förmlich mit der Tür ins Haus. Hellwach der Reflex der Solistin Beatrice Rana, improvisatorisch frei wie virtuos ergriff sie vom Flügel Besitz, um den zweiten Knalleffekt auszulösen, auf den sie noch brillanter antwortete, ehe dann ein dritter Beethoven-Schlag ihr virtuoses Spiel kulminieren ließ. Gebieterisch strahlte das Hauptthema auf – spektakulärer lässt sich das nicht darstellen. Eine Sogwirkung baute sich auf, Impetus herrschte vor, aber nicht im Wettstreit zwischen Solistin und Orchester, Beethovens symphonisch weites Sujet erfordert zugleich Energie und langen Atem. Hier stolz gebietender Tutti-Klang, dort kammermusikalische Intensität – eine Bipolarität, nur schwer zu fassen wie zu vermitteln. „Zusammengefasster, energischer und inniger habe ich noch keinen Künstler gesehen“, so Goethe im Originalton.

Pianistin Beatrice Rana wahrt die Mitte zwischen Bizeps und Klangseele

Ranas Trumpfkarte war nicht, virtuos mit der Pranke zu dominieren und das Feinlyrische ins Schattendasein zu rücken, nein, ihr Klavierton gewann auch in den Pianissimo-Gefilden Tragweite und Plastizität. Achtsam wahrte die Solistin die diffizile Mitte zwischen Bizeps und Klangseele. Souverän und energisch meisterte sie den virtuosen Anspruch: silbern in den klingenden Läufen, kraftvoll, ohne Gedöns in den Oktavenpassagen, geschmeidig in den sich subtil auflösenden Trillerketten.

Im Adagiosatz war die Camerata nicht mehr der brüske, sondern der freundliche Begleiter, spann feinklingend einen Teppich, auf dem Rana in gedämpftem Klang Beethoven voller Feinsinn adelte. Das Finale klang dann sieghaft auf, als wäre Beethoven eine Last von der Schulter gefallen, und steigerte sich ausgelassen voller Lebensfreude. Jener Funken der Freude hatte gezündet, beherzt entfacht von Dirigent François Leleux. Der strahlenden Beatrice Rana stand Herzensfreude ins Gesicht geschrieben, die in der Zugabe – dem Prelude Nr. 8 – aufwogend in emphatische Chopinfreude umschlug.

Mozarts Prager Sinfonie kommt aus der Tiefe

Mozarts Prager Sinfonie bildete den Gegenpol: keine Spur mehr von den heiteren, italienisch gefärbten Buffo-Sinfonien, nein, Mozart sprengt hier förmlich jene normative Kraft des Faktischen, greift dem Geist Beethovens vor und kreiert ein großes singuläres Werk, das aus der Tiefe kommt. Die Camerata, ganz in ihrem Element, profilierte jenes Prager Hochgefühl, das sich zuerst polyphonsatt aufschwang und kraftvoll kulminierte, voller Explosivkraft in der Allegro-Durchführung. Das Andante in der Mitte gab mehr als ein Zwischenspiel, rückte voller Cantabile in „Don Giovanni“-Nähe. Das Menuett verbannte Mozart, sodass im Finale temperamentgeladen die Kapriolen Figaros naherücken und voller Elan zünden konnten. Das lockte den Meister in der Ouvertüre höchstpersönlich herbei, überschwänglich diese Spielfreude, Figaro hier, Figaro dort.

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