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Film-Kritik
22.06.2016

"The Neon Demon" im Kino: Einblick in die bizarre Modeszene von L.A.

Traum oder Wirklichkeit? Im Film "The Neon Demon" verschwimmt so einiges. Elle Fanning spielt Jesse. Der Film kommt am 23. Juni in die deutschen Kinos.
Foto: Koch Media/dpa

"The Neon Demon" ist der zweite L.A.-Film von Regisseur Nicolas Winding Refn nach "Drive". Dabei ist im Kino viel Horror zu sehen. Die Kritik zum Film.

Bei "The Neon Demon sagt ein Modedesigner, dass Schönheit nicht alles sei: "Sie ist das Einzige." Ein Hauch Sarkasmus mag da mitschwingen, aber im Grunde meint er es ernst. Nur Äußerlichkeiten zählen in der Modebranche - Farben, Formen, Fabrikationen. Und so "perfekt" wie die Stoffe und Entwürfe müssen auch jene sein, die sie präsentieren. Denn auch für sie sei Schönheit "die wichtigste Währung, die wir haben". Die schillernden Oberflächen der Modeszene von L.A. stehen im Zentrum des zehnten Films des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn.

"The Neon Demon" erzählt von der Modeszene von L.A.

Die Modewelt erweist sich als perfektes Thema für das eigenwillige, hyperkünstlich aussehende Kino des Dauerprovokateurs, der fünf Jahre nach "Drive" in die Metropole an der Westküste der USA zurückkehrt. Refn schwelgt in der puren Ästhetik cooler Designs, pompöser Sets und attraktiver Körper, er findet in der bühnenhaften Künstlichkeit der Fashion-Welt genau jene Mischung aus Sinnlichkeit und Abstraktion, die seine Arbeiten so unverwechselbar macht.

Wäre da nicht die Titelsequenz, die so typisch nach Refn aussieht: Mit ihrem grell gelackten Farbenspiel und sphärischen Elektrobeats könnte man sich anfangs glatt in einer ganz normalen amerikanischen Erfolgsstory wähnen. Jesse (Elle Fanning), 16-jährige Waise vom Land, will es als Model schaffen und erobert Los Angeles im Sturm. Mit ihrer natürlichen, unverfälschten Schönheit überzeugt sie Branchenveteranen wie die Agentin Jan (Christina Hendricks mit einem Kurzauftritt) und lehrt die Konkurrenz das Fürchten.

In diesen ersten Minuten nimmt der Film recht deutlich die kalte Trivialität der Branche aufs Korn, allenthalben egoistische Exzentriker. Dabei kommt keine Szene ohne Spiegel aus. Selbst wenn sie ihr Gegenüber ansehen, schauen diese Menschen sich doch eigentlich nur selbst an. Später wird Jesse, die längst nicht so naiv und zartbesaitet ist, wie es zunächst den Anschein hat, ihr eigenes Spiegelbild küssen. "Ich bin nicht so hilflos, wie ich aussehe", lautet ihr Credo.

Abbey Lee als Sarah in "The Neon Demon" - einem Film über die Modewelt von L.A.
Foto: Koch Media/dpa

Nicolas Winding Refns Film "The Neon Demon" zeigt Horror

Für einen Mann ist da kein Platz: "The Neon Demon" gehört, im Gegensatz zu Refns bisherigen testosteronstrotzenden Heldenporträts, den Frauen. Und dem Horror. Denn Refn versetzt seine Story mit Versatzstücken dieses Filmgenres. Gleich zu Beginn zeigt er Jesse als blutverschmierte, kunstvoll drapierte Badewannenleiche, was sich dann aber als Fotomotiv erweist. Später scheinen die Horrorszenen dazu zu dienen, die Ereignisse auf verquer-ironische Weise zu kommentieren. Ist die Modebranche nicht ein Blutsaugergeschäft? Geht man hier nicht über Leichen?

Eine klassische Geschichte erzählt "The Neon Demon" jedenfalls nicht. Immer wieder werden Handlungsfäden und Figuren abgeschnitten, und wenn Jesse zum ersten Mal auf den Laufsteg darf, driftet das Geschehen vollends in die Halluzination ab. "The Neon Demon" ist ein Film, der zwischen Traum und Wirklichkeit wechselt. epd

The Neon Demon, USA, FrankreichDänemark 2016, 117 Min., FSK ab 16, von Nicolas Winding Refn, mit Elle Fanning, Karl Glusman, Keanu Reeves

The Neon Demon

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