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Filmkritik
14.09.2021

Das macht den neuen "Dune" zu einem echten Kino-Erlebnis

Großes Kino im Breitwandformat samt Sandwurm.
Foto: WarnerBros.

Der Science-Fiction-Klassiker „Dune“ findet endlich seine filmische Erfüllung. Star-Regisseur Denis Villeneuve gelingt ein Kunststück, das nach Fortsetzung verlangt.

Der Planet Arrakis ist ein unwirtlicher Ort. Gnadenlos knallt die Sonne herunter und lässt die Temperatur schon in den frühen Morgenstunden rasch die 100-Grad-Marke überschreiten. Selbst mit Schutzanzügen ist diese Hitze nicht zu ertragen. Bis zum Horizont und darüber hinaus erstreckt sich die Wüste. Starke Stürme fegen über die Dünen. Riesige Sandwürmer durchwühlen die Landschaft und fressen alles auf, was sich bewegt. Eine Welt mit geringen Überlebenschancen – und dennoch ruhen alle Hoffnungen auf diesem kargen Wüstenplaneten, den Frank Herbert (1920–1986) zum Zentrum seines Science-Fiction-Epos gemacht hat.

Regisseur Villeneuve über "Dune": "Star Wars für Erwachsene"

Kein Filmprojekt hat in diesem Jahr größere Erwartungen generiert als Denis Villeneuves „Dune“. Als „Star Wars für Erwachsene“ hat er seinen Film bezeichnet, der den Auftakt zu einem riesigen Franchise bilden und in der postpandemischen Branchen-Depression endlich wieder die Publikumsmassen ins Kino locken soll. Sechs Bände hat Herbert zwischen 1965 und 1986 verfasst und seine Söhne haben das väterliche Œuvre noch um ein paar Bücher erweitert. Das reichhaltig bevölkerte Universum darin bietet einen unerschöpflichen Fundus für die filmische Wertschöpfung.

Ein Teil des starken Ensembles in "Dune" (von links): Rebecca Furguson und Zendaya, Javier Bardem und Timothee Chalamet.
Foto: Chia Bella James/Warner Bros/dpa

Aber genau wie der Planet Arrakis für die Fremdlinge zur Schicksalsfalle wird, haben sich seit seinem Erscheinen schon einige Produzenten und Regisseure an Herberts Romanzyklus die Zähne ausgebissen. Anfang der 70er hatte Arthur P. Jacobs die Filmrechte erworben, wollte ihn mit Regisseur David Lean („Lawrence von Arabien“) auf die Leinwand bringen. Und scheiterte. Wie der chilenische Regisseur Alejandro Jodorowsky. Mit 17 Stunden, einem Soundtrack von Pink Floyd und dazu Stars wie Mick Jagger oder Salvador Dalí. Bis heute gilt das „als bester Film, der nie gedreht wurde“. 1984 schließlich brachte David Lynch „Dune“ tatsächlich auf die Leinwand, wurde aber von der Kritik verrissen und floppte an den Kassen dramatisch.

37 Jahre später ist nun Denis Villeneuve am Zuge. Der franko-kanadische Regisseur hat schon in seinem linguistisch-philosophischen Science-Fiction „Arrival“ und dem unterschätzten Spät-Sequel „Blade Runner 2046“ bewiesen, dass er mit Intellekt und Stil Welten erschaffen kann, die auf der Leinwand eine faszinierende Strahlkraft entwickeln. Und das gelingt ihm auch hier. Von der ersten Minute an zieht der Film das Publikum hinein in sein Universum des Jahres 10191, in dem rivalisierende Fürstenhäuser um die Vorherrschaft ringen.

Villeneuve meistert die Herkules-Aufgabe: Die Wüste lebt, das Kino auch

Im Wüstensand von Arrakis glitzert der wichtigste Rohstoff des Imperiums. Spice nennt sich das Zeug – eine bewusstseinserweiternde Droge und unerlässlicher Bestandteil der modernen Raumfahrt. Fürst Leto Atreides (Oscar Isaac) bekommt das Protektorat übertragen und muss bald feststellen, dass der Auftrag keineswegs ein Freundschaftsbeweis des allmächtigen Imperators ist. Intrigen lauern im Palast wie die Sandwürmer in der Wüste. Und schließlich sind da noch die Ureinwohner, die sich gegen die Ausbeutung ihres Planeten zur Wehr setzen. Das Volk der Fremen hat sich dem Leben in der Wüste angepasst, verfügt über Schutzanzüge, in denen Schweiß und Urin in Trinkwasser verwandelt werden, und einen hellwachen Geist dank täglichem Spice-Kontakt.

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Letos Sohn Paul (Timothée Chalamet) hat sich seit Jahren auf diese Mission vorbereitet und hofft auf eine respektvolle Koexistenz mit den Einheimischen. Mutter Jessica (Rebecca Ferguson) gehört dem matriarchalen Orden der Bene Gesserit an, der seine spirituellen Manipulationsfähigkeiten seit Generationen ausbaut. Paul wurde in den Künsten des Ordens unterrichtet, hat seherische Visionen und wird schon bald als Messias gehandelt.

Großes Kino im Breitwandformat samt Sandwurm und mehreren Arten von Feuer: rechts unten etwa zwischen den überzeugenden Hauptfiguren Timothée Chalamet und Zendaya.
Foto: WarnerBros.

Von Charlotte Rampling über Javier Bardem bis zu Zendaya hat Villeneuve sein illustres Figurenarsenal bis in die hinterste Reihe hochkarätig besetzt und das zahlt sich auf der Leinwand aus. Vor allem Timothée Chalamet ist als jugendlicher Held mit Thronfolge-Belastungsstörung ideal gecastet. Das starke Charisma, das in seinem schmächtigen Körper steckt, hat ihn seit „Call Me by Your Name“ zum angesagtesten Star seiner Generation gemacht, der ein neues, verletzlicheres Männerbild repräsentiert. Seine Figur passt sich hervorragend ein in Villeneuves künstlerisches Konzept, das die Rituale des Science-Fiction-Blockbusters sanft unterminiert.

Die zahlreichen Action-Szenen sind weit entfernt von den Brachial-Gemetzeln des Genres und auch die Kampfsequenzen orientieren sich eher an tänzerischem Aikido als an schlagkräftigem Kung Fu. Obwohl das futuristische Setting mit einer lauernden Düsternis durchzogen ist, gibt es vor allem in der Wüstenkulisse immer wieder Bilder von poetischer Kraft und Schönheit.

Villeneuve meistert die Herkules-Aufgabe, in Herberts ausuferndes Universum einzuführen, nicht ohne Anstrengung, aber mit eigenem Stilvermögen. Neben Christopher Nolan gehört er zu den wenigen Regisseuren, für die intellektueller Anspruch und großformatiges Mainstream-Kino kein Widerspruch sind. Und so webt er auch schon in dieser ersten Folge ökologische, feministische, religiöse und esoterische Fragestellungen mit ein, die in Herberts Werk einen großen Raum einnehmen. Ein in jeglicher Hinsicht vielversprechender Franchise-Auftakt, der zeigt: Die Wüste lebt – und das Kino auch.

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