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13.06.2018

Fußball kann man auch lesen

Passend zur WM:

„Der Fußball hat eine Seele. Sie ist schlaff und leblos, wenn keine Luft in ihr ist.“ Schrieb Peter Handke. „Fußball ist Philosophie. Wenn der Gegner den Ball hat, muss man fragen warum.“ Sagte Giovanni Trapattoni. Der Fußball jedenfalls ist längst Thema des Denkens und Schreibens weit über den Journalismus hinaus. Und passend zur WM gibt es natürlich auch jetzt wieder reichlich neue Bücher. Hier drei ganz unterschiedliche und auf ihre jeweilige Weise sehr interessante Neuerscheinungen.

Literarisch und persönlich

Der Norweger Karl Ove Knausgård ist in den vergangenen Jahren zum internationalen Heldenautor geworden – durch Werke, die sein Leben bespiegeln, Motto quasi: Ich schreibe, also bin ich. Und Knausgård liebt Fußball – also schreibt er auch darüber. Genauer: Er hat mit seinem Autorenfreund Fredrik Eklund während der WM 2014 Post gewechselt, der war vor Ort in Brasilien. Und beide wollten auf keinen Fall einen Weltmeister Deutschland sehen. Darum macht wohl gerade Deutschen diese sonst etwas langatmige und sehr persönliche Lektüre samt Spielanalysen besonders Spaß. Nach dem Viertelfinale gegen Frankreich schwante immerhin Knausgård: Dieses deutsche Mittelfeld würde nur sehr schwer zu schlagen sein.

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Kritisch und wissenschaftlich

Der österreichische Professor Klaus Zeyringer hat kürzlich mit einem Aufruf zum WM-Boykott für einige Aufregung gesorgt. Er meinte nicht die Politik, sondern die Fans vor dem Fernseher. Jetzt kann man ja sagen: Als Österreicher … Aber das aktuelle Buch des Germanisten (zusammen mit dem Kollegen Stefan Gmünder) kann einen zum Zustand des Fußballs wirklich nachdenklich, wenn nicht bitter machen. „Das wunde Leder“ ist eine Studie über die Zerstörung dieses Sports durch den Kommerz und die Kumpanei. Vom Sklaventum über die Korruption bis zur Anbiederung an autoritäre Führer – einmal so zusammengebracht: Es ist erschütternd. Aber will auch aktivieren: Befreit den Fußball!

Launig und klug

Was macht Fußball zur beliebtesten Sportart der Welt, was unterscheidet ihn von anderen, hebt ihn heraus? Darüber macht sich Jürgen Kaube, Mitherausgeber der FAZ, in „Lob des Fußball“ Gedanken. Klug geschrieben, launig illustriert. Kleine Kostprobe? „Da ist zunächst seine Unwahrscheinlichkeit. Fußball ahmt nichts nach. Es gibt nichts außerhalb des Spielfeldes, an das er erinnert… Fußball (…) ist ein Spiel, das Leistungen verlangt, die überhaupt nur in diesem Spiel einen Sinn haben, nirgendwo sonst. Niemand tritt zu bestimmten Zwecken gegen einen Ball, außer eben im Fußball selbst.“ Wolfgang Schütz

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