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Zum Remake von "Robin Hood"

09.01.2019

Gab es Robin Hood wirklich? Einem Phantom auf der Spur

Der englische Sagenheld Robin Hood (mit Pfeil und Bogen) in einer zeitgenössischen Darstellung.
Bild: dpa

Donnerstag kommt eine neue Robin Hood-Verfilmung in die Kinos. Doch lebte der weltberühmte Räuber wirklich? Eine Spurensuche.

So ziemlich alles, was wir über Robin Hood heute wissen, ist falsch – das sagen Literaturwissenschaftler und Historiker. Wir kennen Robin Hood als Helden, der den Reichen ihr Geld abnimmt und es unter den Armen verteilt. So wird er ab Donnerstag auch wieder im Kino zu sehen sein. Mit seiner Bande Geächteter, zu der auch der fröhliche Mönch Bruder Tuck und seine große Liebe Marian gehören, versteckt er sich der Legende nach im Sherwood Forest und kämpft von dort aus nicht nur gegen den bösen Sheriff von Nottingham und die normannischen Besatzer, sondern auch für seinen König Richard Löwenherz. Alles Quatsch – sagen aber Experten. Nichts davon werde in den ältesten Balladen erwähnt.

Der Harvard-Professor Francis James Child meinte gar schon im 19. Jahrhundert, dass Robin Hood nie gelebt hätte: „Er ist ganz und gar eine Erfindung der Balladen-Muse.“ Kann das wirklich sein, ist alles nur reine Erfindung? Die ältesten Balladen über Robin Hood stammen aus dem 15. Jahrhundert.

Robin Hood: Ein häufiger Name im Mittelalter

Literaturwissenschaftler gehen davon aus, dass diese Textfassungen sich auf noch weitaus ältere Quellen stützen. In der Tat findet sich in englischen Steuerunterlagen aus dem Jahr 1225 der Eintrag „Rob. Hod. fug.“. Was soviel bedeutet wie „Rob. Hod. flüchtig“. Also doch ein Indiz, dass es eine historische Person mit dem Namen Robin oder Robert Hod bzw. Hood wirklich gegeben hat? Das Problem: Robert bzw. Robin ist einer der häufigsten Namen im mittelalterlichen England. Zum anderen ist „Robin Hood“ in den unterschiedlichsten Schreibweisen zu dieser Zeit geradezu ein Synonym für den „Gesetzesbrecher“ an sich. Kein Wunder also, dass der Name dutzendfach in zeitgenössischen Schriftstücken auftaucht.

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Vielversprechender sind da schon einige Hinweise in der „Geschichte von Robyn Hode“ („A Gest of Robyn Hode“), aus dem 15. Jahrhundert, die sich aber ebenfalls auf ältere Quellen stützt: Hier wird ganz explizit „König Edward“ erwähnt – allerdings leider nicht näher bestimmt, um welchen der Monarchen es sich handelt. Experten gehen davon aus, dass nur die Regierungszeiten von König Edward I., Edward II. und Edward III. in Betracht kommen können, also die Zeitspanne von 1272 bis 1377. Der historische Robin Hood wäre demnach also in dieser Zeit anzusiedeln.

König Richard Löwenherz hingegen, den wir heute meist mit der Geschichte verbinden, regierte England aber schon sehr viel früher, nämlich 1189 bis 1199. Er geriet in die Gefangenschaft des Stauferkaisers Heinrich VI., der ein immens hohes Lösegeld für die Freilassung forderte. Richards Mutter, Eleonore von Aquitanien, war bemüht, die Forderungen schnellst zu erfüllen, und plünderte so halb England aus. Das ganze Land wurde dabei in eine ernsthafte Finanzkrise gestürzt, die schwere Unruhen nach sich zog.

Gegen den Sheriff von Nottingham

An dieser Stelle kommt nun Robin Hood wieder ins Spiel, der heute für seine Art der sozialen Umverteilung berühmt ist: Er beraubt die gierigen Reichen und verteilt das Diebesgut unter den Armen und Ausgebeuteten. Mehr noch: Als der König außer Landes ist, ob nun auf Kreuzzug oder in Gefangenschaft, verweist keiner mehr den Sheriff von Nottingham oder die Normannen in Grenzen, was dann der Robin Hood mit seinen Geächteten übernehmen kann und dafür später vom zurückgekehrten König trotz seiner Verbrechen begnadigt wird.

Ohne Strumpfhosen aber mit Pfeil und Bogen kommt diese Woche ein neuer "Robin Hood" diese Woche ins Kino. Außerdem gibts eine oscarreife Julia Roberts, eine tödliche Fotokamera und coolen Krach aus Finnland.
Video: dpa

Gerade eben weil diese Begnadigung, die auch in den alten Texten erwähnt wird, nicht von Richard Löwenherz, sondern von König Edward vorgenommen wird, rückt eine andere historische Person in den Fokus der Suche nach dem echten Robin Hood: Robert Hood, der in den Schriftzeugnissen aus den Jahren 1315/16, die als „Wakefield Court Rolls“ bekannt sind, erwähnt wird.

Der britische Antiquar Joseph Hunter ist sich dann auch sicher: „Robert Hood, alias Robyn Hode, ist der historische Robin Hood“. Allerdings ist der Name Robert Hood in unterschiedlichen Schreibweisen zu dieser Zeit sehr häufig. Und so könnte es sich hier nur um eine zufällige Namensgleichheit handeln.

Gab es Marian und Bruder Tuck wirklich?

Die Wissenschaft kann heute aber weitgehend ausschließen, dass es Robins große Liebe Marian und seinen treuen Wegbegleiter, den fröhlichen Mönch Bruder Tuck, gab. Beide Charaktere werden in den frühen Texten nicht erwähnt und könnten auf alte französische Quellen oder Figuren des volkstümlichen Tanztheaters zurückgehen.

Rätsel gibt der Forschung bis heute das Versteck der Gesetzlosen auf. In den frühen Texten ist sowohl von Sherwood als auch von Barnsdale die Rede. Als Versteck eignete sich allerdings der 50 Meilen vom Sherwood Forest entfernte Wald von Barnsdale viel besser. Hier waren nämlich zur Zeit Robin Hoods keinerlei Patrouillen zu befürchten, denn dieser Wald stand im Gegensatz zum Sherwood Forest damals nicht unter königlicher Obhut. Der Barnsdale Forest war ein ideales Versteck: Er wurde nicht überwacht, war dunkel, dicht und undurchdringlich. Ideal für die Geächteten. 

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