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Fantasy-Serie

05.06.2018

"Game of Thrones" als Live-Erlebnis

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2 Bilder
Bilder wie dieser Angriff mit einem Drachen waren in dem „Game of Thrones“-Concert in der Olympiahalle in München zu sehen, wenn Komponist Ramin Djawadi sein Orchester dirigierte.
Bild: Picture Alliance, HBO

Die Münchner Olympiahalle ist voll, die Kultserie aus den USA zieht auch dann die Massen an, wenn es um die Musik geht: Alles zielt hier auf Überwältigung ab.

Woran erkennt man einen Hype am besten? Daran, dass die Raubkopien der Serie zu einer der begehrtesten Waren im Netz gehören? Daran, dass gestohlene Drehbücher von einzelnen Folgen Schlagzeilen-Potenzial haben? Daran, dass zur Zeit der Komponist der Serienmusik Ramin Djawadi samt Orchester auf großer Tournee ist und mit seinem Abend die Olympiahalle in München fast komplett füllt? Das Fantasy-Fernseh-Epos „Game of Thrones“ nach den Bestseller-Romanen von George R.R. Martin hat sich seit der Ausstrahlung der ersten zehn Folgen im Jahr 2011 zu einem Kult-Phänomen entwickelt. Die großteils eher noch unbekannten Schauspieler sind heute Stars und verdienen rekordverdächtige Gagen. Der Fernsehsender HBO, arbeitet gerade an der letzten Staffel der Serie und will die einzelnen Episoden auf Spielfilmlänge ausdehnen.

Und nun also, in diesem Zwischenreich zwischen Staffel sieben und Staffel acht kommt die „Game of Thrones Live Concert Experience“ auf Europa-Tournee und macht Station in München. Die Serienmusik wird live vom Komponisten samt Orchester präsentiert, dazu wird ein Best-of der Serie im Bild eingeblendet.

Man möchte dort nicht leben

Als erstes fällt auf, dass fast keine Fans der Serie in Fantasay-Gewandung kommen – keine Khaleesi-Klone, keine John-Snow-Doppelgänger. Bei den Herr-der-Ringe-Filmpremieren und bei Star-Wars-Spektakeln sieht das anders aus. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Kult-Serie „Game of Thrones“ von einer fantastischen Welt berichtet, in der man nicht unbedingt leben möchte. Es gibt da keinen Kitsch, keine Entspannung, keine Andeutung eines glücklichen und friedlichen Zustands. Es gibt auf Westeros nur Machtpolitik in Reinform. Wer dafür zu schwach ist, zahlt schnell mit seinem Leben.

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Die Show, die der Komponist und Dirigent Ramin Djawadi gemeinsam mit den Verantwortlichen von „Game of Thrones“ auf die Beine gestellt hat, unterstreicht das mit den entsprechenden Bildern, einem Gang quer durch die bereits ausgestrahlten 67 Folgen der Serie. Da wird deutlich, dass das Weltflucht-Potenzial von „Game of Thrones“ begrenzt ist. Wie sollte man sich nach Westeros wünschen, wenn selbst Hochzeiten in Blutbädern ausarten? Nein, nicht einmal solche Feiern sind dort harmlos. Und sich in die falsche Frau zu verlieben, kann schnell ein Königreich kosten.

Von der Intrige bis zum offenen Krieg

Was fasziniert die Menschen dann an dieser Welt? Auch das wird in der Olympiahalle in München deutlich. Das liegt zum Beispiel an der Hochspannung, von der diese Geschichte lebt. Der König, der über einen Großteil des Kontinents Westeros herrscht, wird umgebracht und im Kampf um die Nachfolge werden alle Formen der Auseinandersetzung von der Intrige, über den Meuchelmord bis zum offenen Krieg angewandt. Dabei wartet im Norden eine noch viel größere Gefahr. Aber wie auf Erden mit dem Klimawandel gilt auch bei „Game of Thrones“: Die eigenen Probleme sind allen Beteiligten einfach immer näher als die Probleme der Allgemeinheit. Also kann der Nachtkönig ohne großen Widerstand mit seiner Untoten-Armee ins Land der Menschen einmarschieren.

In München ist eine Mischung aus Konzert und Serien-Highlights zu erleben. Auf einer großen Leinwand über den Musikern werden die wichtigen und ikonischen Serien-Momente ins Gedächtnis gerufen. Etwa der erste große Schock, wenn der Publikumsliebling Eddard Stark hingerichtet wird oder wenn der andere Publikumsliebling Daenerys Targaryen sich mit einem Trick und einer großer pathetischen Befreiungsrede der Loyalität ihrer ersten Armee versichert und die Söldner-Sklaven befreit, um sie dadurch um so enger an sich zu binden.

Exotische und exotischere Flöten

Für diese Momente hat der in Duisburg geborene, schon länger in die USA ausgewanderte Ramin Djawadi die entsprechende Musik geschrieben: hochdramatische Überwältigungsklänge, die auch live in der Olympiahalle ihre volle Wirkung entfalten. Manchmal greift Djawadi vor den Stücken zum Mikrofon und erklärt, dass er viele Instrumente der Weltmusik verwenden konnte. Für das Thema von Arya Stark wird ein Hackbrett aufgebaut, es kommen exotische und exotischere Flöten und Trommeln zum Einsatz. Gleich zu Beginn aber das Cello, das in der Titelmusik der Serie eine tragende, fast schon singende Rolle spielt. Mit einem normalen Klassik-Konzert hat das nicht so viel zu tun.

Der Show auf der Leinwand werden Show-Elemente auf der Bühne gegenübergestellt. Die Sologeigerin wird unter das Dach der Olympiahalle entrückt und spielt dort in anderen Sphären. Wenn die drei Drachen von Daenerys Targaryen erste Schlachten entscheiden, wird ihr Feueratem auf der Leinwand mit Feuerstößen auf der Bühne gedoppelt. Immer wieder werden auf den Nebenleinwänden die Musiker ins Bild gerückt. Alles wird über Lautsprecher verstärkt.

Auffällig ist nach gut zweieinhalb Stunden, dass es fast keine leisen Tönen in diesem Serienkosmos gibt, dass die Stücke fast immer im Fortissimo enden und dass auch dieses Live-Concert-Experience-Format ein Selbstläufer ist: Begeisterung in der Olympiahalle, großer Applaus für den Komponisten und die Musiker für diese wunderbare Einstimmung auf das Serienfinale im nächsten Jahr.

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