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24.06.2009

Göltzschtalbrücke erhält Architektur-Auszeichnung

Göltzschtalbrücke erhält Architektur-Auszeichnung
Bild: DPA

Netzschkau (dpa) - Überragend ist die Göltzschtalbrücke in jeder Hinsicht: 574 Meter lang und 78 Meter hoch spannt sie sich nahe der Vogtlandstadt Netzschkau über die Göltzsch und ist damit die größte Ziegelbrücke der Welt.

An diesem Donnerstag kommt noch ein weiterer Titel hinzu. Denn dann wird die Göltzschtalbrücke zum "Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" gekürt. Damit ist das Symbol des Vogtlandes in Sachsen nach dem Schiffshebewerk Niederfinow in Brandenburg das zweite Bauwerk, das diese Auszeichnung erhält.

"Damit erfährt das historische Denkmal nochmals eine gewisse Aufwertung und bringt hoffentlich noch ein paar Touristen mehr", sagt Netzschkaus Bürgermeister Werner Müller (SPD). Jährlich strömen ohnehin bereits mehr als 100 000 Gäste an den Fuß der Brücke. Und zahlreiche Reisende können das Bauwerk sogar befahren. Schließlich dient es nach wie vor als Eisenbahnbrücke. Allerdings ist vom Zug aus kaum etwas von der Brücke zu sehen. Stattdessen bietet sich den Fahrgästen ein weiter Blick ins hügelige, sanft grüne Vogtland. Von unten aber bietet sich ein beeindruckendes Bild: In vier Etagen mit 98 Öffnungen ragen die 28 Pfeiler in die Höhe.

Der Bau der Göltzschtalbrücke war nicht nur ein wirtschaftliches Projekt, sondern hatte auch einen politischen Hintergrund: Der Bau einer Eisenbahn zwischen Leipzig und Nürnberg sollte zwei Königreiche miteinander verbinden, Sachsen und Bayern. Das hatten die Regierungen 1841 mit einem Staatsvertrag besiegelt. Der Bau begann 1845, die Göltzsch erhielt eigens ein neues Flussbett zwischen den Pfeilern.

Göltzschtalbrücke erhält Architektur-Auszeichnung

Gebaut wurde eine Kompromiss-Variante - keiner der 81 eingereichten Entwürfe hatte eine zufriedenstellende Lösung präsentiert. Als die Brücke am 15. Juli 1851 endlich freigegeben wurde, war sie zu diesem Zeitpunkt die größte und höchste Eisenbahnbrücke der Welt. Die Arbeiten waren schwierig, der Blutzoll unter den Arbeitern hoch: 31 Menschen starben, rund 1300 wurden zum Teil schwer verletzt.

"Brücken sind eng mit der Ingenieurskunst verbunden, und die Göltzschtalbrücke ist eines der bekanntesten Ingenieurbauwerke in Deutschland", sagt Jost Hähnel von der Bundesingenieurkammer. Die Vereinigung verleiht seit 2007 den Titel "Historisches Wahrzeichen". Voraussetzung: Die Bauwerke müssen älter als 50 Jahre sein. Die Ehrung soll dazu beitragen, ein größeres Bewusstsein für Ingenieurbaukunst zu schaffen, erklärt Hähnel. Und nicht zuletzt soll der Titel junge Menschen für den Ingenieurberuf begeistern.

Derzeit stehen etwa 70 deutsche Bauwerke auf der Vorschlagsliste, darunter der eiserne Dachstuhl des Kölner Doms, die Elbebrücke Dresden-Loschwitz - das Blaue Wunder - oder die Bayerische Zugspitzbahn. Jährlich sollen etwa ein bis zwei dieser architektonischen Glanzlichter ausgezeichnet werden, sagt Hähnel. Als nächstes ist am 11. Juli der Stuttgarter Fernsehturm an der Reihe.

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